Mehrzahl der StĂ€dte liegt bei Inklusion zurĂŒck
16.06.2025 - 14:16:52Zwei von fĂŒnf gröĂeren StĂ€dten in Deutschland kĂŒmmern sich zielgerichtet um mehr Barrierefreiheit fĂŒr Menschen mit Behinderung. Bei den anderen deutschen StĂ€dten mit mehr als 50.000 Einwohnern - und damit der Mehrheit - fehlen nach einer neuen Studie entsprechende PlĂ€ne. «Das reicht bei Weitem nicht aus», sagte Studienautor Albrecht Rohrmann.
Der SozialpĂ€dagogik-Professor hatte fĂŒr das Deutsche Institut fĂŒr Menschenrechte untersucht, inwieweit die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention und weiterer Gesetze in Deutschland umgesetzt werden.Â
Konkret geht es darum, ob es in Kommunen genug barrierefreie Wohnungen fĂŒr Menschen mit Behinderungen und Ăltere gibt. Es geht zudem um die ZugĂ€nglichkeit von Schulen und Ămtern fĂŒr alle. Weiter sei das Vorhandensein von UnterstĂŒtzungsdiensten - etwa fĂŒr MobilitĂ€t - fĂŒr Betroffene zentral, um ein selbstbestimmtes Leben umfassend zu ermöglichen, so die Wissenschaftler.
Wann ist Inklusion erfolgreich?
Mehr Inklusion gelinge in Kommunen, so Rohrmann, wenn sie genug Personal und Geld dafĂŒr bereitstellen. Barrierefreiheit solle bei der Planung von öffentlichen GebĂ€uden, StraĂen oder digitalen Angeboten von Anfang an berĂŒcksichtigt werden. Menschen mit Behinderungen sollten zudem eingebunden werden. Der Forscher sagt aber: «Angesichts knapper Kassen zögern viele Kommunen bei Investitionen in Barrierefreiheit.»
60 Prozent der Kommunen beteiligen keine Betroffenen
FĂŒr die Studie waren 619 gröĂere StĂ€dte und Kreise untersucht worden. 252 davon weisen systematische PlanungsaktivitĂ€ten zur Umsetzung der UN-Behindertenkonvention auf. Rohrmann sprach deshalb von «positiven Nachrichten». Doch in fast zwei von drei FĂ€llen, in denen es PlĂ€ne fĂŒr Menschen mit Behinderung gibt, sind Betroffene nicht in die AktivitĂ€ten einbezogen (60 Prozent).Â
Die Forscher sprechen sich dafĂŒr aus, dass AktionsplĂ€ne mit mehreren AnsĂ€tzen verfolgt werden. Dies sei besser als reine EinzelmaĂnahmen. Beispiel: Zwar könne eine Kommune alle Museen barrierefrei umbauen, so dass der Besuch fĂŒr Menschen im Rollstuhl problemlos wird. Doch besser wirke es, wenn auch um die Museen herum fĂŒr Barrierefreiheit gesorgt und in den KulturstĂ€tten Menschen mit Schwerbehinderung eingestellt wĂŒrden.Â
«Da ist noch Luft nach oben»
Arbeit, Schule, Kita, Wohnen, MobilitĂ€t - dauerhafte Barrierefreiheit und Inklusion ist aus Sicht der Forscher fĂŒr die Kommunen eine Daueraufgabe. Der Experte des Deutschen Instituts fĂŒr Menschenrechte fĂŒr die UN-Behindertenrechtskonvention, Leander Palleit, stellte fest, die rechtlichen Vorgaben ergĂ€ben «eine ziemlich groĂe Verpflichtung» fĂŒr die Kommunen, aktiv zu werden. Doch die Forscher bemĂ€ngeln das Fehlen systematischer langfristiger Strategien. Wer das Thema vor Ort vorantreiben wolle, beiĂe sich oft die ZĂ€hne daran aus, kritisierte Rohrmann: «Da ist noch Luft nach oben.»


