Taiz im Jemen: Deutschland fordert Zugang fĂŒr 800.000 Menschen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDiplomatische Schritte fĂŒr Taiz
- Die Bundesregierung fordert von den jemenitischen Huthi unverzĂŒglichen humanitĂ€ren Zugang zu Taiz.
- In der Stadt sind laut Bundesregierung mehr als 800.000 Menschen eingeschlossen.
- AuĂenminister Johann Wadephul beriet am Freitag in Istanbul mit Amtskollegen aus sieben weiteren Staaten ĂŒber die Lage im Jemen.
Bundesregierung verlangt Zugang zu Taiz
Die Bundesregierung ruft die jemenitischen Huthi auf, unverzĂŒglich humanitĂ€ren Zugang zur belagerten Stadt Taiz zu gewĂ€hrleisten. Dort sind nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amtes mehr als 800.000 Menschen eingeschlossen, wĂ€hrend Lebensmittel und Medikamente knapp werden.
Berlin kritisiert Vorgehen der Huthi
Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes sagte am Montag der dts Nachrichtenagentur, die Huthi agierten âohne jede RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerungâ. Deutschland sei diplomatisch aktiv und arbeite daran, internationale Organisationen in gröĂerem Umfang zu unterstĂŒtzen.
Wadephul beriet mit mehreren AuĂenministern
AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) sprach demnach am vergangenen Freitag in Istanbul mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, GroĂbritannien, Italien, Ăgypten, Pakistan, Saudi-Arabien und der TĂŒrkei ĂŒber die Lage im Jemen. Mitte Oktober empfing Staatsministerin GĂŒler den UN-Sondergesandten fĂŒr Jemen, Hans Grundberg, zu einem GesprĂ€ch ĂŒber die Situation und weitere UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten.
UN können Zugang nicht erzwingen
Nach Angaben des Ministeriumssprechers soll der Umfang der UnterstĂŒtzung noch vergröĂert werden. Zugleich könnten sich die Vereinten Nationen den humanitĂ€ren Zugang nicht âerkĂ€mpfenâ.
ZurĂŒckhaltung bei GesprĂ€chen in Teheran
Zu den aktuellen GesprĂ€chen in Teheran Ă€uĂerte sich die Bundesregierung zurĂŒckhaltend. âWir haben davon Kenntnis und wir werden schauen, was dabei herauskommtâ, sagte der Sprecher auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur.
Taiz, auch Tais genannt, liegt im SĂŒdwesten des Jemen und gehört zu den wichtigsten urbanen Zentren des Landes. Die Stadt ist seit Jahren ein Brennpunkt des BĂŒrgerkriegs zwischen den Huthi und ihren Gegnern. Die geografische Lage und die Kontrolle wichtiger Zufahrtswege haben die Versorgung der Bevölkerung wiederholt erschwert.
Die Forderung der Bundesregierung fĂ€llt in eine Phase, in der regionale Spannungen und der Jemen-Konflikt eng miteinander verbunden bleiben. Die Huthi verfĂŒgen ĂŒber enge Beziehungen zum Iran und haben wiederholt Ziele in Saudi-Arabien sowie den Schiffsverkehr in der Region angegriffen. Beratungen regionaler Staaten in Teheran unterstreichen deshalb, dass humanitĂ€re Fragen und sicherheitspolitische GesprĂ€che kaum getrennt voneinander betrachtet werden können.
Diplomatischer Druck und praktische Grenzen
FĂŒr die Zivilbevölkerung entscheidet sich die Wirkung internationaler Diplomatie daran, ob Hilfsorganisationen tatsĂ€chlich Zugang erhalten. Deutschland kann finanzielle UnterstĂŒtzung, politische GesprĂ€che und die Arbeit internationaler Organisationen fördern, den Zugang zu einer umkĂ€mpften Stadt aber nicht selbst erzwingen. Bleiben StraĂen blockiert und Sicherheitsgarantien aus, drohen EngpĂ€sse bei Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischer Versorgung.
Die deutsche Initiative steht damit vor einer doppelten Aufgabe: Sie muss kurzfristig auf eine Ăffnung der Wege drĂ€ngen und zugleich internationale Hilfsstrukturen fĂŒr einen lĂ€ngeren Einsatz stĂ€rken. Der weitere Verlauf der GesprĂ€che in Teheran könnte den regionalen politischen Rahmen beeinflussen; fĂŒr Taiz bleibt entscheidend, ob daraus konkrete Vereinbarungen fĂŒr die Zivilbevölkerung entstehen.
