Hitzeschutzplan, Karl Lauterbach

Lauterbach will Zahl der Hitzetoten halbieren

28.07.2023 - 14:17:26

Tausende Menschen sterben in Deutschland, wenn das Land unter extremer Hitze stöhnt. Nun will der Bundesgesundheitsminister die Zahl der Hitzetoten drastisch senken.

Mit mehr Hitzeschutz in Deutschland will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Halbierung der Zahl der Hitzetoten bereits in diesem Jahr erreichen.

Es sei von ĂŒber 8000 Hitzetoten bundesweit im vergangenen Jahr auszugehen, sagte Lauterbach in Berlin. «Wir haben das Ziel, die Zahl der SterbefĂ€lle in diesem Jahr zu halbieren, also unter 4000 zu halten», kĂŒndigte Lauterbach an. Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts habe ergeben, dass allein von Mitte April bis Mitte Juli dieses Jahres von 1500 Hitzetoten in Deutschland auszugehen sei.

Hitzeschutzplan verabschiedet

Der bereits angekĂŒndigte Hitzeschutzplan seines Hauses sei nun verabschiedet worden. Das neue Konzept umfasst laut dem SPD-Politiker verschiedene Vorhaben in Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den HausĂ€rzten, den KrankenhĂ€usern, den Pflegeeinrichtungen, den Kommunen und den LĂ€ndern.

VerstĂ€rkt gewarnt werden solle die Bevölkerung ĂŒber den öffentlichen Rundfunk. So habe er gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth (GrĂŒne) die öffentlichen RundfunkhĂ€user angeschrieben. Das Ziel: Informationen zu Hitzeschutz und Hitzewarnungen sollten verstĂ€rkt in den Nachrichten verankert werden. Hitzewellen wĂŒrden dafĂŒr vorab vom Deutschen Wetterdienst identifiziert.

«Wir sind auch dabei, direkte Warnungen auszuspielen fĂŒr extreme Hitzesituationen», sagte Lauterbach. Dies solle ĂŒber SMS-Nachrichten und die offizielle bundesweite Nina-Warnapp geschehen.

Bei der Erhebung der Zahl der Hitzetoten wird verglichen, wie viele Menschen mehr in Wochen mit hohen Temperaturen sterben als in vergleichbaren Wochen. Das Barcelona Institute for Global Health war von mehr als 8170 hitzebezogenen TodesfÀllen im Sommer 2022 in Deutschland ausgegangen. In ganz Europa waren es der Erhebung zufolge mehr als 60.000.

Frankreich als Vorbild

Im engen Austausch sei man auch mit den französischen Behörden. Bereits zuvor hatte Lauterbach Frankreich als Vorbild fĂŒr einen Hitzeschutzplan genannt. Im Nachbarland gibt es vier Warnstufen. In der höchsten sollen Kommunen den Zugang zu SchwimmbĂ€dern und StrĂ€nden erleichtern, Wasser verteilen oder den Sportunterricht an Schulen streichen. Der deutsche Hitzeschutzplan entspreche nun zu 80 Prozent dem, was auch in Frankreich gemacht werde, sagte Lauterbach.

Deutschlands HausĂ€rzte wollen ihre Patientinnen und Patienten verstĂ€rkt auf die Notwendigkeit von Hitzeschutz ansprechen. «Um was es im Kern geht, ist neben dem Herstellen von einem Bewusstsein, dass Hitze eine GefĂ€hrdung fĂŒr die Gesundheit darstellen kann in verschiedenen Situationen, dass es auch eine individuelle Ansprache gibt», sagte der Vorsitzende des Deutschen HausĂ€rzteverbandes, Markus Beier. So trinken laut Beier beispielsweise oft gerade chronisch kranke Ältere zu wenig - unter anderem, weil sie etwa glaubten, bei HerzschwĂ€che solle man nicht zu viel trinken. Hier sei AufklĂ€rung zentral.

Neben Àlteren Menschen und chronisch Kranken sieht Lauterbach Schwangere und Obdachlose besonders von steigender Hitze betroffen. Lauterbach verwies auch auf ein neues Informationsportal seines Hauses, mit dem vor allem Kommunen Hinweise zum Hitzeschutz finden können.

@ dpa.de