Viele Busse mit technischen MĂ€ngeln unterwegs
08.10.2024 - 04:30:36Fast jeder vierte Bus ist einer Auswertung des TĂŒvs zufolge mit technischen MĂ€ngeln auf Deutschlands StraĂen unterwegs. Wie aus dem in Berlin vorgelegten TĂŒv-Report Omnibus 2024 hervorgeht, haben in den vergangenen zwei Jahren 14,1 Prozent der geprĂŒften Busse die Hauptuntersuchung nicht bestanden.Â
Dies entspreche einem Anstieg um 2,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Bericht von 2022. Bei weiteren 10,5 Prozent (plus 0,9 Punkte) der Busse hĂ€tten die SachverstĂ€ndigen «geringfĂŒgige MĂ€ngel» festgestellt, die von den Besitzern ohne erneute Kontrolle behoben werden mĂŒssen.Â
«Insgesamt geben die aktuellen Zahlen einen gewissen Anlass zur Sorge», sagte Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und MobilitĂ€t beim TĂŒv-Verband. Corona-Effekte etwa durch die vorĂŒbergehende Stilllegung von Bussen oder weniger Fahrkilometer fielen wieder weg, sodass die MĂ€ngelquoten das Niveau von vor der Pandemie erreicht hĂ€tten.
FĂŒr den Bericht wurden rund 58.600 Hauptuntersuchungen (HU) von Bussen aus dem Nah- und Fernverkehr ausgewertet, die im Schnitt 388.000 Kilometer zurĂŒckgelegt hatten. Busse mĂŒssen die HU alle zwölf Monate ablegen. Im TĂŒv-Verband sind unter anderem die TĂŒv-PrĂŒforganisationen organisiert.
Goebelt: Auslaufendes Ăl kann BrĂ€nde bei UnfĂ€llen beschleunigen
Zu den hĂ€ufigsten MĂ€ngeln gehören nach TĂŒv-Angaben Motoren und Antriebe, die Ăl verlieren, sowie Defekte an der Beleuchtung. «Viele wĂ€hrend der Pandemie stillgelegte Busse sind jetzt wieder im Einsatz und zeigen alterstypische SchwĂ€chen», sagte Goebelt. 5,1 Prozent der Busse verloren Ăl, ein Plus um 0,8 Prozentpunkte. Goebelt betonte, dies sei Umwelt- und Sicherheitsrisiko zugleich, da das Ăl bei UnfĂ€llen BrĂ€nde beschleunigen könne.
Zudem hatten 3,8 Prozent der geprĂŒften Fahrzeuge Probleme mit der Beleuchtung. Je Ă€lter die Busse, desto höher die MĂ€ngelquote. Bei Bussen ab zehn Jahren lag sie höher als 9 Prozent. Drei von vier Bussen (75,4 Prozent) bestanden die Hauptuntersuchung anstandslos. 2022 lag die Quote noch etwas höher (78,6 Prozent).Â
Zahl der Verletzten ist in etwa wieder auf Vor-Corona-Niveau
Im vergangenen Jahr wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge mehr als 6.200 Insassen von Bussen bei VerkehrsunfÀllen verletzt. 16 Menschen starben. Die Zahl der Verletzten hat mittlerweile wieder in etwa das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht. Mit gut 4.100 Verletzten hatte es 2020 einen Tiefpunkt gegeben.
In diesem Jahr kam es etwa Ende MĂ€rz in Nordrhein-Westfalen zu einem BusunglĂŒck auf der A44, bei dem mehr als 20 Menschen verletzt worden sind. Wenige Tage zuvor waren bei einem schweren Busunfall auf der A9 bei Leipzig vier Menschen gestorben.Â
«Schnallen Sie sich an!»
Was also tun gegen diesen «Negativtrend», wie Goebelt die Entwicklung bezeichnet? ZunĂ€chst einmal betont er, dass der Bus nach wie vor eines der sichersten Verkehrsmittel sei. «Bei der Ursache von BusunfĂ€llen spielen in Deutschland weniger technische Defekte die entscheidende Rolle, sondern vor allem der Faktor Mensch.»Â
Der TĂŒv sieht unter anderem die Busunternehmen in der Pflicht. So werde die Anschnallpflicht im Reise- und Fernverkehr zu selten kontrolliert. Der Verband verweist aufs Fliegen: FĂŒr mehr Sicherheit solle das Fahrpersonal vor der Abfahrt wie im Flugzeug einen Kontrollgang machen. «Schnallen Sie sich an und weisen Sie Ihre FahrgĂ€ste regelmĂ€Ăig auf die Anschnallpflicht hin», sagte Goebelt. «Das ist im Ernstfall wichtig. Das kann im Ernstfall Ihr Leben retten.»
Neben der technischen Sicherheit der Fahrzeuge sei auch die Kompetenz des Fahrpersonals entscheidend, sagt Goebelt. Dabei gehe es auch um die Einhaltung der Ruhezeitungen und Verhaltensregeln fĂŒr die sichere Evakuierung im Notfall. AuĂerdem mĂŒsse das Personal etwa im Umgang mit modernen Assistenzsystemen wie Spurhalte- oder Notbremsassistenten aus- und fortgebildet werden, die in der EU seit Juli bei Neuzulassungen Pflicht sind.
Â





