Tesla, Debatte

Auf Tesla verzichten? - Unternehmen eröffnen Debatte

24.01.2025 - 06:00:38

Tech-MilliardĂ€r und Tesla-Chef Elon Musk fĂ€llt auf - auch mit politischer UnterstĂŒtzung fĂŒr Rechtspopulisten. In manchen Chefetagen werden Konsequenzen gezogen.

  • In GrĂŒnheide bei Berlin betreibt Tesla seine einzige Autofabrik in Europa. - Foto: Jörg Carstensen/dpa

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  • Tesla gilt als Vorreiter im Bereich E-MobilitĂ€t. - Foto: Federico Gambarini/dpa

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In GrĂŒnheide bei Berlin betreibt Tesla seine einzige Autofabrik in Europa. - Foto: Jörg Carstensen/dpaTesla gilt als Vorreiter im Bereich E-MobilitĂ€t. - Foto: Federico Gambarini/dpa

Noch Tesla-Autos anschaffen oder nicht? Diese Frage wird in einigen Chefetagen gestellt. Einzelne Unternehmen wie der baden-wĂŒrttembergische Energieversorger Badenova, der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick oder die Drogeriemarktkette Rossmann teilten bereits mit, kĂŒnftig auf neue Autos der Marke zu verzichten. Auslöser sind verschiedene Äußerungen und das Wirken von Tesla-Chef Elon Musk. 

Das niedersÀchsische Hausbauunternehmen Viebrockhaus entschied, generell keine Tesla-Produkte mehr zu kaufen. Ein sogenanntes Aktionshaus des Herstellers sollte eigentlich mit einer Hausbatterie von Tesla als Energiespeicher ausgestattet werden - nun nicht mehr. 

Der Autobauer Tesla selbst nahm zu der Frage nach Boykotts zunĂ€chst keine Stellung. «Wir Ă€ußern uns hierzu nicht», sagte eine Sprecherin des europaweit einzigen E-Auto-Werks von Tesla in GrĂŒnheide bei Berlin.

Musk polarisiert

Tech-MilliardĂ€r Musk polarisiert: UnlĂ€ngst sprach er auf der Plattform X eine Wahlempfehlung fĂŒr die AfD aus, auch in anderen LĂ€ndern mischt er sich in den Wahlkampf ein. Der neue US-PrĂ€sident Donald Trump machte kurz nach Amtsantritt ein Gremium offiziell, in dem der Vertraute Musk helfen soll, die US-Staatsausgaben drastisch zu kĂŒrzen. 

«Das Handeln von Elon Musk, nun quasi in Regierungsfunktion, hat uns aufhorchen lassen», sagte Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand schon vor dem Machtwechsel im Weißen Haus. Der Freiburger Energiemanager kritisierte, mit dem Wirken des US-Unternehmers werde der Wirtschaftsstandort Deutschland geschwĂ€cht. «Das werden wir nicht akzeptieren.» 

Elf Tesla-Fahrzeuge rollen bei Badenova noch bis Ende der Leasing-VertrÀge, neue Autos der Marke will der Versorger aber nicht mehr. Er verabschiedet sich zudem von Musks Kurznachrichtendienst X. 

Lichtblick verwies unter anderem auf Musks mehrfache Wahlwerbung fĂŒr die AfD. Die Hamburger verzichten seit dem Jahreswechsel auf Tesla-Fahrzeuge und verlĂ€ngern auch keine LeasingvertrĂ€ge mehr, wie eine Sprecherin berichtete. Das Unternehmen habe einen Fuhrpark im zweistelligen Bereich, davon war bisher die HĂ€lfte von Tesla. 

Hausbauer: Mit Unternehmenswerten unvereinbar

Tesla habe die E-MobilitĂ€t in Deutschland revolutioniert und fĂŒr neue Ideen gestanden, erklĂ€rte unlĂ€ngst der Vorstandschef von Viebrockhaus, Lars Viebrock. «Den aktuell eingeschlagenen Weg können wir jedoch nicht mehr unterstĂŒtzen.» Die politische Positionierung von Musk widerspreche den Unternehmenswerten. Die Drogeriekette Rossmann hatte bereits im vergangenen Jahr angekĂŒndigt, wegen der UnterstĂŒtzung Musks fĂŒr Trump keine weiteren Tesla-Fahrzeuge fĂŒr ihren Fuhrpark anzuschaffen.

Ist der Weg, auf Waren oder Dienstleistungen zu verzichten, ĂŒberhaupt erfolgversprechend? «GrundsĂ€tzlich ja», sagte der Wirtschaftsethiker Michael AßlĂ€nder vom Internationalen Hochschulinstitut Zittau der Technischen UniversitĂ€t Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Einbrechende Verkaufszahlen - etwa aufgrund eines Verbraucherboykotts - wĂŒrden Unternehmen zum Handeln zwingen. 

Wirtschaftsethiker: AnkĂŒndigungen können gute PR sein 

Der Wissenschaftler gab jedoch zu bedenken: «Einzelentscheidungen vergleichsweise kleiner Unternehmen, in ihrer Einkaufspolitik kĂŒnftig auf die Produkte bestimmter Hersteller zu verzichten, mögen zwar fĂŒr gute PR sorgen, bleiben aber weitgehend ohne Wirkung.» Tesla werde sich wohl kaum beeindruckt zeigen, falls ein regionales deutsches Unternehmen keine Autoleasing-VertrĂ€ge mehr abschließe. 

Der Experte warf noch eine weitere Frage auf: Bei inhabergefĂŒhrten Unternehmen sei es vergleichsweise einfach, weltanschauliche Gesichtspunkte oder eine politische Gesinnung zu Ă€ußern, denn es handele sich um die Überzeugung des jeweiligen Eigners. Bei Kapitalgesellschaften sei die Lage oft anders. Denn VorstĂ€nde mĂŒssten eine mitunter uneinheitliche Gruppe von Anteilseignern vertreten. 

Der Carsharer Miles-Mobilty berichtete zur Nachfrage nach Tesla-Autos, diese sei stabil. «VerÀnderungen in der Nutzung konnten wir auch in den letzten Tagen oder Wochen nicht beobachten», teilte das Unternehmen mit. 

Zur bundesweiten Miles-Flotte gehören rund 380 Tesla-Fahrzeuge. Auf die Frage, ob neue Autos hinzukommen, lautete die Antwort, die Planung sehe zurzeit keine weiteren Teslas vor. Beim Carsharing kauft man kein Auto, sondern teilt es sich mit anderen Nutzern. Halter des Autos ist ĂŒblicherweise ein Carsharing-Anbieter.

@ dpa.de