Europa, Deutschland

EZB hĂ€lt Zinsen trotz Ölpreisschock und Inflation stabil

30.04.2026 - 14:21:28 | dpa.de

Teures Öl, steigende Inflation, Wirtschaftsflaute: Dennoch hĂ€lt die EZB still. Ist die Zinserhöhung nur aufgeschoben? Viel hĂ€ngt vom Iran-Krieg ab. Sparer profitieren derweil von höheren Zinsen.

  • Oberstes Ziel der EZB ist es, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen. Hohe Inflationsraten mindern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil diese sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten können. - Foto: Florian Wiegand/dpa
    Oberstes Ziel der EZB ist es, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen. Hohe Inflationsraten mindern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil diese sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten können. - Foto: Florian Wiegand/dpa
  • Die EZB muss aufpassen, dass sie mit Zinserhöhung nicht die Konjunktur abwĂŒrgt.  - Foto: Florian Wiegand/dpa
    Die EZB muss aufpassen, dass sie mit Zinserhöhung nicht die Konjunktur abwĂŒrgt. - Foto: Florian Wiegand/dpa
  • EZB-PrĂ€sidentin Lagarde hat zuletzt wiederholt die Handlungsbereitschaft der Notenbank betont. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    EZB-PrÀsidentin Lagarde hat zuletzt wiederholt die Handlungsbereitschaft der Notenbank betont. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter wollen auf keinen Fall zu spĂ€t auf die anziehende Inflation reagieren, Volkswirte erwarten im Jahresverlauf Zinserhöhungen. - Foto: Florian Wiegand/dpa
    Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter wollen auf keinen Fall zu spĂ€t auf die anziehende Inflation reagieren, Volkswirte erwarten im Jahresverlauf Zinserhöhungen. - Foto: Florian Wiegand/dpa
Oberstes Ziel der EZB ist es, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen. Hohe Inflationsraten mindern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil diese sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten können. - Foto: Florian Wiegand/dpa Die EZB muss aufpassen, dass sie mit Zinserhöhung nicht die Konjunktur abwĂŒrgt.  - Foto: Florian Wiegand/dpa EZB-PrĂ€sidentin Lagarde hat zuletzt wiederholt die Handlungsbereitschaft der Notenbank betont. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter wollen auf keinen Fall zu spĂ€t auf die anziehende Inflation reagieren, Volkswirte erwarten im Jahresverlauf Zinserhöhungen. - Foto: Florian Wiegand/dpa

Die Leitzinsen im Euroraum bleiben trotz Ölpreisschock und steigender Inflation infolge des Iran-Kriegs vorerst unverĂ€ndert. Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) hĂ€lt den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum siebten Mal in Folge die Zinsen im Euroraum nicht an.

Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Kriegsfolgen zu beurteilen. «Je lĂ€nger der Krieg anhĂ€lt und je lĂ€nger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stĂ€rker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken», erklĂ€rten die Euro-WĂ€hrungshĂŒter.

Schon im MĂ€rz und April hat der Ölpreisschock durch den Krieg im Nahen Osten die Teuerung im WĂ€hrungsraum krĂ€ftig nach oben getrieben. Ökonomen fĂŒrchten, dass die gestiegenen Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft ĂŒberspringen und viele Waren und Dienstleistungen teurer werden.

An den FinanzmĂ€rkten werden bis Jahresende drei Leitzinserhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte erwartet. Mit höheren Leitzinsen kann die EZB gegensteuern: Dies wĂŒrde Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dĂ€mpfen kann. Sparerinnen und Sparer wĂŒrden zugleich von steigenden Zinsen profitieren.

Inflation sprunghaft gestiegen

Im April lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach einer ersten SchĂ€tzung der Statistikbehörde Eurostat um 3,0 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. Schon im MĂ€rz war die Inflationsrate mit 2,6 Prozent deutlich erhöht.

Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerung von 2,0 Prozent im Euroraum an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr oberstes Ziel erreicht, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu sichern. 

Sparzinsen ziehen an

Mit neuen InflationsÀngsten und der Erwartung steigender Leitzinsen sind auch die Sparzinsen gestiegen. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Festgeldzinsen so stark geklettert wie seit 2023 nicht mehr, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergab. 

Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen demnach im Schnitt bei 2,25 Prozent. Das seien 0,18 Prozentpunkte mehr als zu Kriegsbeginn und der höchste Stand seit Anfang 2025. Bei fĂŒnfjĂ€hrigem Festgeld gebe es im Mittel 2,37 Prozent. Die Kehrseite: Die Inflation in Deutschland lag zuletzt noch höher bei 2,9 Prozent, Sparer verlieren also unterm Strich Geld.

«Beim Festgeld ist die Zinswende schon angekommen», sagt Timo Halbe vom Geldratgeber Finanztip. «Das deutet darauf hin, dass Banken sich auf ein lÀnger höheres Zinsniveau einstellen.»

EZB in der ZwickmĂŒhle

Wie es mit der Geldpolitik der EZB weitergeht, hĂ€ngt maßgeblich davon ab, wie lange der Iran-Konflikt dauert und ob es bei einem zeitlich befristeten Energiepreisschock bleibt oder die jĂŒngste Teuerungswelle die komplette Wirtschaft erfasst. Noch besteht Hoffnung, dass sich die USA und der Iran am Verhandlungstisch einigen.

Schon jetzt trĂŒbt der Krieg die Konjunkturaussichten. Der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) erwartet, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent wachsen wird. FĂŒr Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Deutschland sieht es mit 0,8 Prozent noch schlechter aus. Im ersten Quartal gab es fĂŒr die Wirtschaft im Euroraum laut Eurostat ein Mini-Wachstum von gerade einmal 0,1 Prozent.

Höhere Zinsen wĂŒrden Investitionen fĂŒr Unternehmen verteuern. Die EZB steckt also in einer ZwickmĂŒhle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudĂ€mmen, lĂ€uft die Notenbank Gefahr, die Wirtschaft abzuwĂŒrgen. Im schlimmsten Fall droht Stagflation: Wirtschaftsflaute bei zugleich deutlich steigenden Preisen.

Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg

Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spÀt reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die Notenbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschÀtzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch. Mit der Energiekrise stiegen auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland. Die damaligen Preiserhöhungen wirken bis heute nach.

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