Trassenpreis-Reform: LĂ€nder fordern 14 Milliarden Euro vom Bund
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFinanzbedarf im Schienenpersonennahverkehr
- Die Verkehrsministerkonferenz tagt in Hohenschwangau und beschlieĂt Forderungen an den Bund.
- Die LÀnder verlangen vollstÀndigen Ausgleich der Mehrbelastungen aus EuGH- und Verwaltungsgerichtsurteilen.
- Bis 2031 werden zusĂ€tzlich 14 Milliarden Euro fĂŒr den Erhalt des SPNV-Status quo benötigt.
- Ein verbindlicher Bund-LĂ€nder-Prozess soll das Trassenpreissystem reformieren.
LĂ€nder verlangen Bundeshilfe bei Trassenpreisen
Die Verkehrsminister der LÀnder erhöhen bei der Trassenpreis-Reform den Druck auf den Bund. In einem Beschluss der Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau fordern sie, die aus einem EuGH-Urteil und dem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln resultierenden Mehrbelastungen vollstÀndig zu kompensieren.
Planungssicherheit fĂŒr den Regionalverkehr
Zugleich verlangen die LĂ€nder kurzfristig Planungssicherheit fĂŒr sich und die AufgabentrĂ€ger sowie unverzĂŒglich einen verbindlichen Bund-LĂ€nder-Prozess zur Reform des Trassenpreissystems. Als Diskussionsgrundlage soll das gemeinsame Eckpunktepapier der LĂ€nder dienen.
Die Verkehrsminister drĂ€ngen auĂerdem auf eine Aufstockung der Regionalisierungsmittel. Diese reichten derzeit bei Weitem nicht aus, um den Status quo im Schienenpersonennahverkehr zu erhalten, heiĂt es in dem Beschluss.
14 Milliarden Euro bis 2031
Der Bund mĂŒsse die Regionalisierungsmittel unverzĂŒglich und auskömmlich erhöhen. Allein fĂŒr den Erhalt des bestehenden Angebots im SPNV seien bis 2031 zusĂ€tzlich 14 Milliarden Euro nötig.
Weitere Themen der Konferenz
Auf der Tagesordnung standen auĂerdem die Niedrigwassersituation auf deutschen WasserstraĂen, die Zukunft des autonomen Fahrens sowie die StĂ€rkung ehrenamtlicher Fahrdienste und EinsatzkrĂ€fte. Die Minister befassten sich zudem mit der dauerhaften Finanzierung der BundesfernstraĂen und des Schienennetzes.
Weitere BeschlĂŒsse und Beratungen betrafen unter anderem den FuĂ- und Radverkehr, ElektromobilitĂ€t, Drohnen im Luftverkehr, Korridorsanierungen, den Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr, den Deutschlandtakt und das Zielnetz 2035.
Die Verkehrsministerkonferenz reagiert auf eine doppelte Finanzbelastung des Schienenpersonennahverkehrs. Einerseits verteuern sich die Trassenentgelte infolge der jĂŒngsten Rechtsprechung, andererseits reichen die bisherigen Regionalisierungsmittel nach EinschĂ€tzung der LĂ€nder nicht aus, um das bestehende Angebot dauerhaft zu finanzieren.
Der Trassenpreis bestimmt, welche GebĂŒhren Eisenbahnunternehmen fĂŒr die Nutzung des Netzes zahlen. Steigen diese Kosten, mĂŒssen die LĂ€nder als Besteller des Regionalverkehrs entweder zusĂ€tzliche Mittel bereitstellen, Zugleistungen abbestellen oder höhere Fahrpreise akzeptieren. Die Entscheidung berĂŒhrt damit unmittelbar Pendler, SchĂŒler und den lĂ€ndlichen Raum.
Finanzierung entscheidet ĂŒber das Angebot
Die von den LĂ€ndern genannten zusĂ€tzlichen 14 Milliarden Euro bis 2031 markieren den Umfang, den sie fĂŒr die Sicherung des Status quo im SPNV ansetzen. Ohne eine Einigung zwischen Bund und LĂ€ndern könnte der finanzielle Druck bei kĂŒnftigen Fahrplanbestellungen zunehmen. Bereits kleinere KĂŒrzungen können sich regional durch weniger Taktungen, verkĂŒrzte Betriebszeiten oder den Wegfall einzelner Verbindungen bemerkbar machen.
Die geforderte Reform zielt zugleich auf eine grundsĂ€tzliche Neuordnung der Infrastrukturfinanzierung. Der Bund soll die aus den Urteilen resultierenden Mehrbelastungen vollstĂ€ndig ausgleichen und gemeinsam mit den LĂ€ndern ein verbindliches Verfahren fĂŒr ein neues Trassenpreissystem festlegen. FĂŒr die LĂ€nder ist dabei nicht nur die Höhe der Mittel entscheidend, sondern auch Planungssicherheit ĂŒber mehrere Jahre.
Auswirkungen ĂŒber den Regionalverkehr hinaus
Die Debatte reicht ĂŒber einzelne Zugverbindungen hinaus. Höhere Schienenkosten können die Verlagerung von Verkehr auf die Bahn erschweren und stehen damit im Spannungsfeld zu Ausbauzielen, Deutschlandtakt und Klimapolitik. Auch die dauerhafte Finanzierung des Netzes und der BundesfernstraĂen bleibt Teil der politischen Auseinandersetzung. Der nĂ€chste entscheidende Schritt ist ein verbindlicher Bund-LĂ€nder-Prozess zur Reform der Trassenpreise.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: âReform bei Trassenpreisen: Vorschlag aus SH angenommenâ (21.10.2026)
Der NDR berichtet ĂŒber die einstimmige Zustimmung der LĂ€nder zum Reformvorschlag aus Schleswig-Holstein und stellt die möglichen Folgen fĂŒr FahrplĂ€ne und Ticketpreise heraus. ZusĂ€tzlich beschreibt der Beitrag die bisherige Kostenverteilung und nennt regionale Belastungen sowie Forderungen aus VerbĂ€nden.
taz: âLĂ€nder mĂŒssen mehr fĂŒr Trassen zahlen: EuGH schadet dem Bahnverkehrâ (21.10.2026)
Die taz ordnet die höheren Trassenpreise als Folge des EuGH-Urteils ein und legt den Schwerpunkt auf die Risiken fĂŒr den Regionalverkehr in Schleswig-Holstein. Anders als der NDR beleuchtet der Beitrag ausfĂŒhrlicher die bisherige Preisstruktur, die Finanzierung des Nahverkehrs und Forderungen nach niedrigeren Trassenpreisen.
Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass die LĂ€nder eine Entlastung des Bundes und eine Reform der Trassenpreisfinanzierung verlangen. Unterschiede bestehen vor allem bei der regionalen Schwerpunktsetzung; offen bleibt, wie Bund und LĂ€nder die Mehrkosten kĂŒnftig konkret verteilen.
