Getreideabkommen, Getreide

Ukrainisches Getreide: HandelsbeschrÀnkungen beendet

15.09.2023 - 18:56:30

Trotz Protesten von Landwirten und Drohungen aus Polen und Ungarn lĂ€sst die EU-Kommission umstrittene HandelsbeschrĂ€nkungen fĂŒr ukrainische Waren auslaufen. Polen reagiert prompt auf die Entscheidung.

Die EU-Kommission beendet die umstrittenen HandelsbeschrĂ€nkungen fĂŒr ukrainische Getreideprodukte. Damit stellt sich die Behörde gegen Forderungen aus EU-Staaten wie Polen und Ungarn, die entsprechende Einfuhren zuvor selbst beschrĂ€nkt hatten, wie aus Angaben der EU-Kommission hervorgeht.

Deutschland hatte die Maßnahmen in der Vergangenheit sehr kritisch gesehen. So hatte Agrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) in BrĂŒssel immer wieder betont, dass SolidaritĂ€t mit der Ukraine nicht nur versprochen, sondern auch gelebt werden mĂŒsse.

Die Reaktion aus Polen kam prompt: Kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki, man wolle auch ohne die Zustimmung BrĂŒssels an den BeschrĂ€nkungen festhalten. «Wir werden es tun, weil es im Interesse der polnischen Landwirte ist.» Obwohl die EU-Kommission zuvor immer wieder betont hatte, dass sie fĂŒr Handelspolitik in der EU zustĂ€ndig ist, hatte Polen bereits seit Wochen damit gedroht, Maßnahmen eigenstĂ€ndig aufrechtzuerhalten. In Polen ist der Streit um die ukrainischen Waren auch zum Wahlkampfthema geworden. Dort wird am 15. Oktober ein neues Parlament gewĂ€hlt.

Ähnlich hatte sich auch Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban geĂ€ußert. Auch in Bulgarien, RumĂ€nien und der Slowakei gab es Kritik an den gestiegenen Einfuhren aus der Ukraine. Innerhalb der EU-Kommission hatte sich auch der polnische Agrarkommissar Janusz Wojciechowski fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der EinschrĂ€nkungen ausgesprochen.

EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis betonte nach der Entscheidung hingegen: «Wir sehen derzeit keine Marktverzerrungen in diesen fĂŒnf Mitgliedsstaaten.» Die bisherigen EinschrĂ€nkungen hatten es den östlichen EU-Mitgliedern Ungarn, Polen, Slowakei, RumĂ€nien und Bulgarien erlaubt, den freien Handel mit Produkten wie Weizen, Mais, Raps oder Sonnenblumen aus der Ukraine auf ihren MĂ€rkten zu beschrĂ€nken.

Selenskyj dankt von der Leyen

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj dankte von der Leyen nach einem Telefonat fĂŒr die Aussetzung der HandelsbeschrĂ€nkungen. Er sei froh, dass die EU-Kommissionschefin zu ihrem Wort stehe und die Regeln des Markts verteidige, schrieb Selenskyj am Freitag auf Telegram. Es sei wichtig, dass europĂ€ische SolidaritĂ€t nun auch auf bilateraler Ebene funktioniere und die Nachbarn der Ukraine in Kriegszeiten helfen wĂŒrden, mahnte er. Sollten Entscheidungen der Nachbarn gegen EU-Recht verstoßen, werde die Ukraine in zivilisierter Weise darauf reagieren.

Noch am Donnerstag hatte sich der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gegen die BeschrĂ€nkungen stark gemacht. Keine Form der Aufrechterhaltung der Maßnahmen sei akzeptabel, schrieb Kuleba auf der Online-Plattform X (frĂŒher Twitter). Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine konnten zeitweise keine Getreideexporte mehr ĂŒber das Schwarze Meer aus der Ukraine auf den Weltmarkt gelangen.

Auch derzeit sind Lieferungen ĂŒber das Schwarze Meer riskant. Mitte Juli hatte Russland ein Abkommen ĂŒber Getreidelieferungen ausgesetzt, obwohl es aus Sicht der Vereinten Nationen wichtig fĂŒr die sichere Versorgung der Welt mit Lebensmitteln ist.

Angesichts der Schwierigkeiten hatte die EU Handelswege etwa per Straße und Schiene zwischen der Ukraine und den Staaten der EuropĂ€ischen Union ausgebaut. Landwirte aus östlichen EU-LĂ€ndern sahen sich infolgedessen jedoch großer Konkurrenz durch die stark gestiegenen Einfuhren ausgesetzt, woraufhin LĂ€nder wie Polen und Ungarn eigenstĂ€ndig den Import bestimmter Waren beschrĂ€nkten.

Ausbau der Handelswege mittlerweile ausreichend

Die EU-Kommission hatte daraufhin eine einheitliche Regelung eingefĂŒhrt und Anfang Juni beschlossen, die EinschrĂ€nkungen bis zum 15. September zu verlĂ€ngern. Der Ausbau der Handelswege sei mittlerweile ausreichend, so Dombrovskis. Man erwarte nicht, dass die Situation wieder so dramatisch werde wie vor einem halben Jahr, «als es in der Tat große Verzerrungen gab». Diese seien aber aufgrund logistischer EngpĂ€sse entstanden. «Es war einfach nicht möglich, dieses Getreide in die LĂ€nder zu bringen, die es brauchten», so der Kommissar.

Wie die EU-Kommission nun mitteilte, habe sich die Ukraine zudem bereit erklĂ€rt, innerhalb von 30 Tagen rechtliche Maßnahmen einzufĂŒhren, um einen Anstieg der Getreideausfuhren zu verhindern. Von Samstag an soll es zudem verstĂ€rkte Kontrollen der Ausfuhren geben, um zu starke Auswirkungen der Exporte auf EU-MĂ€rkte zu verhindern.

@ dpa.de