IOM-Chefin: IrregulÀre Migranten gegen ArbeitskrÀftemangel
19.11.2023 - 05:45:17Auch irregulĂ€r nach Deutschland gelangte Migranten und abgelehnte Asylbewerber könnten helfen, den ArbeitskrĂ€ftemangel zu beseitigen, findet die neue Chefin der UN-Organisation fĂŒr Migration (IOM), Amy Pope. FĂŒr Arbeitgeber sei es einfacher, Menschen einzustellen, die schon im Land seien, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor ihrem ersten Berlin-Besuch.
«Wir hören aus dem Privatsektor, dass es einfacher ist, jemand zu beschĂ€ftigen, der schon im Land ist», sagte Pope. «Aus praktischer Sicht gibt es gute GrĂŒnde, so zu verfahren.» Sie akzeptiere es aber, wenn Regierungen Migranten nicht mit Jobs belohnen wollten, die irregulĂ€r eingereist sind. Dies sei eine politische Frage.
«Es gibt aber keine eindeutigen Beweise, dass irregulĂ€re Migranten, die dann eine Arbeitsgenehmigung bekommen, als Magnet fĂŒr andere dienen», sagte Pope. Die IOM stĂŒnde in jedem Fall bereit: bei der RĂŒckkehr etwa von abgelehnten Asylbewerbern und ausgewiesenen Migranten genauso wie bei der Suche nach passenden ArbeitskrĂ€ften im Ausland.
Lob fĂŒr deutsche Migrationspolitik
Pope lobte die deutsche Migrationspolitik als beispielhaft. Sie nannte Abkommen wie mit Indien, bei denen Deutschland den Bedarf an FachkrĂ€ften ermittle und Indien die nötigen Kandidaten suche. «Das ist die beste Praxis», sagte sie. Nötig sei dies aber nicht nur fĂŒr FachkrĂ€fte. «Ingenieurinnen und Ingenieure, Gesundheitspersonal, das ist relativ einfach», sagte Pope. «Aber es fehlen auch ArbeitskrĂ€fte im Bau, in der Landwirtschaft, in der Seniorenbetreuung. IOM kann helfen, den Bedarf zu decken.» Die Organisation biete bei Bedarf in EntsendelĂ€ndern Aus- und Weiterbildungen sowie Sprachkurse und Kurse ĂŒber die Kultur im Zielland an.
«Der ArbeitskrĂ€ftemangel ist real, weder der Einsatz kĂŒnstlicher Intelligenz noch eine plötzlich steigende Geburtenrate könnte das mittelfristig Ă€ndern», sagte Pope. Alle Untersuchungen zeigten zudem, dass Volkswirtschaften langfristig von Migration profitierten, dass sie die Innovation ankurbele und der Reichtum wachse. Privatunternehmen mĂŒssten viel lauter ĂŒber Erfolgsgeschichten mit Migranten reden, die sie in ihr Personal integriert haben, meinte Pope. Dazu will sie in Deutschland auch deutsche Firmen ermuntern. So könnte Ăngsten in der Bevölkerung begegnet werden.
«Das Personal der Zukunft»
Pope wirbt auch um private Investitionen in «das Personal der Zukunft», wie sie sagt. «Wir können Firmen helfen, in andern LÀndern in Ausbildungsprogramme zu investieren, so dass dort die Fertigkeiten gelernt werden, die die Firmen in zwei, drei Jahren brauchen.»
Pope trifft in Berlin unter anderem Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze, die Staatsministerin fĂŒr Migration, FlĂŒchtlinge und Integration, Reem Alabali-Radovan, und den StaatssekretĂ€r im Innenministerium, Bernd Krösser. Sie will unter anderem ĂŒber die Finanzierung von IOM-Programmen reden. Deutschland gehört zu den wichtigsten GeberlĂ€ndern der IOM.


