Ukraine erhält Abfangdrohnen: Grüne fordern Druck auf Schattenflotte
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 14:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen begrüßen die Zusage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der Ukraine Abfangdrohnen zu liefern. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert von der Bundesregierung zugleich ein entschlosseneres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte.
Haßelmann verlangt mehr Druck auf Russland
„Wenn jetzt Abfangdrohnen zugesagt werden, ist das richtig. Der Winter steht vor der Tür, und die Ukraine braucht dringend Hilfe, um ihn zu überstehen“, sagte Haßelmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gleichzeitig müsse die Bundesregierung endlich entschlossen gegen die Schattenflotte vorgehen, mit der der russische Präsident Wladimir Putin seinen Krieg finanziere.
Die Verantwortung dafür liege bei der Bundesregierung, mahnte die Grünen-Politikerin. Sie begrüßte außerdem die Reise von Merz in die Ukraine als wichtiges Signal, betonte aber, Signale allein reichten nicht aus.
Grüne fordern klare Zusagen
Die Ukraine brauche jetzt klare Zusagen und mehr Unterstützung, damit das Leid der Menschen ende, sagte Haßelmann. Frieden werde es erst geben, wenn Russland begreife, dass es seine militärischen Ziele nicht erreichen werde.
Putin sei es, der die brutalen Angriffe und das Bombardement sofort stoppen könne, fügte die Fraktionschefin hinzu. Die Schattenflotte bezeichnet einen Verbund von Schiffen, mit denen Russland unter Umgehung westlicher Sanktionen Öl und andere Einnahmen absichern kann.
Die Forderung der Grünen verbindet zwei Ebenen der deutschen Ukraine-Politik: kurzfristige militärische Hilfe für die Luftverteidigung und wirtschaftlichen Druck auf Russland. Abfangdrohnen sollen ukrainische Städte und Infrastruktur gegen schnelle, düsengetriebene Kampfdrohnen schützen. Damit reagiert die angekündigte Unterstützung auf eine veränderte Bedrohungslage, in der herkömmliche Abwehrmittel gegen bestimmte Drohnenmodelle an Grenzen stoßen.
Mit der russischen Schattenflotte sind vor allem Tanker und weitere Schiffe gemeint, die außerhalb transparenter westlicher Versicherungs-, Eigentums- und Sanktionsstrukturen russisches Öl transportieren. Sie erschwert die Durchsetzung der Preis- und Handelsbeschränkungen und trägt dazu bei, dass Einnahmen aus dem Energiegeschäft trotz Sanktionen weiter erzielt werden können. Maßnahmen gegen diese Flotte reichen von zusätzlichen Schiffs- und Unternehmenssanktionen bis zur Kontrolle von Versicherungen, Flaggenstaaten und Hafenanläufen.
Politische Bedeutung
Für die Bundesregierung entsteht damit ein doppelter Handlungsdruck: Sie muss die angekündigte Lieferung praktisch organisieren und zugleich europäische beziehungsweise internationale Schritte gegen die Finanzierungswege des russischen Krieges vorantreiben. Für die Ukraine ist die zeitnahe Verfügbarkeit entscheidend, weil die Luftabwehr nicht nur militärische Ziele, sondern auch Energieversorgung, Verkehr und Wohngebiete schützen soll.
Die Debatte dürfte zudem an die europäische Sanktionspolitik gekoppelt bleiben. Je wirkungsvoller Umgehungswege geschlossen werden, desto stärker kann der wirtschaftliche Druck auf Moskau ausfallen; zugleich erfordern solche Maßnahmen die Abstimmung mit Partnerstaaten und eine genaue Prüfung von Schiffsbesitz, Ladungen und Versicherungsdeckung.
