Tarifstreit um öffentlichen Dienst zÀher als erwartet
13.02.2026 - 15:07:26Die Tarifverhandlungen fĂŒr den öffentlichen Dienst verlaufen schwieriger als ursprĂŒnglich von Beteiligten erwartet. Eine Einigung in der dafĂŒr vorgesehenen Zeit war am Freitag in Potsdam ungewiss. Die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher LĂ€nder hatten sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen auch in den dreitĂ€gigen Schlussverhandlungen noch nicht auf Punkte geeinigt, die fĂŒr die Gewerkschaften wichtig waren.Â
Der VerhandlungsfĂŒhrer der LĂ€nder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), sagte am Freitagnachmittag nur: «Wir sind in intensiven und konstruktiven GesprĂ€chen und alles liegt auf dem Tisch.» Die Arbeitgeberseite habe in den laufenden Verhandlungen inzwischen «mehrere Angebote gemacht, die im Volumen ĂŒber 5 Prozent liegen». Die Prozentzahl alleine sagt allerdings wenig, solange die Laufzeit des neuen Tarifvertrags noch offen ist.
Verdi-Chef Frank Werneke und Beamtenbund-Chef Volker Geyer haben die Angebote der Arbeitgeber bereits als zu gering kritisiert. Gefordert hatten sie sieben Prozent mehr Geld im Monat â mindestens aber 300 Euro zusĂ€tzlich. Es geht um die Einkommen von rund 900.000 TarifbeschĂ€ftigten der LĂ€nder. Zusammen mit den mehr als 1,3 Millionen Beamten und Pensionisten, auf die ein Abschluss ĂŒbertragen werden soll, sind 2,2 Millionen Menschen betroffen.Â
Was eine Einigung erschwert
Nach Angaben aus Verhandlungskreisen ging es am offiziell letzten Tag der dritten Verhandlungsrunde im Detail unter anderem um eine Ost-West-Angleichung bei manchen der LĂ€nder-BeschĂ€ftigten, um gleiche Regeln fĂŒr den KĂŒndigungsschutz und Verbesserungen fĂŒr Azubis. Weil die Streitpunkte hier zunĂ€chst nicht ausgerĂ€umt wurden, lieĂen auch Fortschritte im zentralen Punkt der linearen Einkommenserhöhung hinter verschlossenen TĂŒren auf sich warten, wie es hieĂ.
Die LĂ€nder haben es derzeit nach Angaben Dressels wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute leichter, an ArbeitskrĂ€fte zu kommen. Damit könnte ein zentrales Argument der Gewerkschaften, nach denen ein guter Lohnabschluss fĂŒr die Stellenbesetzung in den LĂ€ndern nötig ist, an Bedeutung verlieren.
Runde lÀuft seit Mittwoch
Dressel hatte zum Start der dritten Runde am Mittwoch gesagt, die Lage habe sich ein StĂŒck weit aufgehellt. Wer sich im Moment auf den Berufsmarkt orientiere, orientiere sich immer mehr auch in Richtung des öffentlichen Dienstes, weil es in der Privatwirtschaft auch Stellenabbau gebe. Dennoch sollen Verbesserungen fĂŒr die Azubis laut Dressel einen Schwerpunkt eines Abschlusses bilden.
Streiks nicht vom Tisch
Delegationsmitglieder von Verdi verlĂ€ngerten am Freitag ihre Zimmerbuchungen im Tagungshotel. In Verhandlungskreisen hieĂ es, die GesprĂ€che könnten sich bis in die Nacht hinziehen oder am Samstag andauern. Allein bei Verdi sind knapp hundert Mitglieder der Bundestarifkommission angereist. Das Gremium lieĂ sich in Verhandlungspausen wiederholt von Verdi-Chef Werneke ĂŒber den Stand informieren.Â
Ein Verdi-Sprecher sagte, es sei offen, ob ein Durchbruch bis zum Abend gelinge. Eine Vertagung auf eine vierte Runde blieb als Möglichkeit. Wenn die Verdi-Spitze mit den Arbeitgebern ein Ergebnis erzielt, wird dieses der Tarifkommission erst noch zur Billigung vorgelegt.Â
Nicht vom Tisch war auch ein mögliches Scheitern. dbb-Chef Geyer hatte bereits beschrieben, was dann passieren wĂŒrde: «natĂŒrlich Urabstimmung und Vollstreik». Doch hĂ€lt man dies in Verhandlungskreisen fĂŒr wenig wahrscheinlich. Somit hĂ€ngt vom Fortgang der Potsdamer GesprĂ€che auch ab, ob es wieder zu neuen Warnstreiks oder sogar Vollstreiks in den LĂ€ndern kommt.Â
Wer arbeitet fĂŒr die LĂ€nder?
Die LĂ€nder beschĂ€ftigen Angehörige verschiedenster Berufe. GehĂ€lter in StraĂenmeistereien hĂ€ngen ebenso von einem Abschluss ab wie die in UniversitĂ€tskliniken, GefĂ€ngnisbeschĂ€ftigte sind ebenso betroffen wie IT-FachkrĂ€fte, Tierpfleger im Stuttgarter Zoo genauso wie Erzieherinnen in Berliner Kitas.
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