Anteil der LehrkrĂ€fte ohne LehramtsprĂŒfung steigt
04.10.2023 - 11:03:14Der Anteil von Quer- und Seiteneinsteigern in den Lehrerkollegien deutscher Schulen steigt. Im Schuljahr 2021/22 hatten 8,6 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen keine anerkannte LehramtsprĂŒfung abgelegt, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.
Rund 60.800 der bundesweit insgesamt 709.000 LehrkrÀfte waren demnach Quer- und Seiteneinsteiger. Im Schuljahr 2011/2012 hatte der Anteil laut Statistik noch bei 5,9 Prozent gelegen. Damals seien rund 39.300 der insgesamt 669.800 LehrkrÀfte an allgemeinbildenden Schulen Quer- sowie Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger gewesen. Der Anstieg ist nach Angaben des Bundesamtes eine Folge des LehrkrÀftemangels.
Als Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger bezeichnet man Menschen, die ĂŒber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium verfĂŒgen und die ohne ein Referendariat in den Schuldienst ĂŒbernommen werden. Bei Quereinsteigerinnen und -einsteigern besteht im Gegensatz dazu die Pflicht eines Referendariates. An den beruflichen Schulen hatten im Schuljahr 2021/22 laut Statistik 20,8 Prozent der insgesamt 124.000 LehrkrĂ€fte keine anerkannte LehramtsprĂŒfung.
Bildungsgewerkschaften sehen die Entwicklung mit Sorge. «LehrkrĂ€fte im Quer- und Seiteneinstieg sorgen schon heute dafĂŒr, dass der Unterrichtsbetrieb lĂ€uft», teilte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, mit. Aber sie brĂ€uchten UnterstĂŒtzung. «Die Kultusministerien mĂŒssen unverzĂŒglich Hochschulen, Studienseminare, SchulĂ€mter, Landesinstitute und PersonalrĂ€te an einen Tisch holen, um gemeinsam hochwertige berufsbegleitende Qualifizierungsangebote fĂŒr Quer- und Seiteneinsteigende zu entwickeln.»
Sorge um pÀdagogische Qualifizierung
Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Brand, erklĂ€rte, Kollegen aus anderen Berufen könnten ein Gewinn fĂŒr die Schule sein â «wenn es wenige Personen wĂ€ren, die gut vorbereitet, berufsbegleitend qualifiziert und angemessen begleitet werden könnten». Diese Bedingungen gebe es aber nicht. Die Quote von LehrkrĂ€ften ohne LehramtsprĂŒfung sei vor allem an solchen Schulen hoch, die als Arbeitsort weniger attraktiv seien, gab Brand zu Bedenken. «Dort also, wo wir die höchste pĂ€dagogische QualitĂ€t brĂ€uchten, haben wir die höchste Anzahl an Menschen, welche die pĂ€dagogische Qualifizierung, wenn ĂŒberhaupt, erst berufsbegleitend erhalten.»
Trotz des hohen Bedarfs an ausgebildeten LehrkrĂ€ften ist die Zahl der Lehramtsabsolventinnen und -absolventen mit Master- oder Staatsexamensabschluss rĂŒcklĂ€ufig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im PrĂŒfungsjahr 2022 hĂ€tten rund 28.700 Lehramtsstudierende ihre AbschlussprĂŒfungen bestanden - mehr als zehn Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor.


