CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Union will die Einwanderung aus dem Westbalkan einschrÀnken

28.06.2020 - 16:50:47 | ad-hoc-news.de

Da die Arbeitslosigkeit aufgrund der Corona-Krise stark ansteigt, wollen die Unionsparteien im Bundestag die weitere Zuwanderung von Arbeitern ĂŒber die seit 2016 bestehende Westbalkan-Regelung stark beschrĂ€nken.

CDU/CSU-Bundestagsfraktion - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
CDU/CSU-Bundestagsfraktion - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Wie die "Welt am Sonntag".heute berichtete, haben sich die fĂŒr das Thema zustĂ€ndigen Arbeitsgruppen der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag zwar darauf verstĂ€ndigt, diese besondere Regelung, die eigentlich am Ende des Jahres planmĂ€ĂŸig auslaufen wĂŒrde, um zwei weitere Jahre zu verlĂ€ngern. Allerdings sollen nach ihrer Vorstellung weniger ungelernte Zuwanderer als zur Zeit sie auch in Anspruch nehmen können.

Mathias Middelberg (CDU), der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, erklĂ€rte der Zeitung, Deutschland stecke in einem "massiven wirtschaftlichen Abschwung" mit bereits jetzt schon 600.000 Arbeitslosen mehr als im letzten Jahr. In einer solchen Lage sei es "keine Option", die Westbalkan-Regelung ohne Anpassungen fortbestehen zu lassen. Daher, so der CDU-Politiker, fordere die Union eine deutliche EinschrĂ€nkung der Regelung ein. Die Laufzeit solle von jetzt fĂŒnf auf nur zwei Jahre verkĂŒrzt und die Anzahl der Zuwanderer auf maximal insgesamt 15.000 Personen pro Jahr beschrĂ€nkt werden. Middelberg forderte weiter, man solle sich lieber darauf konzentrieren, bereits in Deutschland lebende FlĂŒchtlinge mit Bleibeperspektive "schnell in BeschĂ€ftigung zu bringen", anstatt auch zukĂŒnftig "Anreize fĂŒr eine Arbeitsmigration" aus dem westlichen Balkan zu schaffen.

Das Bundesarbeitsministerium unter der Leitung von Minister Hubertus Heil (SPD) informierte die "Welt am Sonntag", es stehe im Moment mit den anderen zustĂ€ndigen Miniterien ĂŒber die Art und Weise einer VerlĂ€ngerung der Regelung in GesprĂ€chen. Die Regelung erlaube aber auch ohne eine offizielle BeschrĂ€nkung eine "bedarfsgerechte Steuerung der Zuwanderung", denn die Bundesanstalt fĂŒr Arbeit stimme aufgrund der VorrangprĂŒfung einer BeschĂ€ftigung von Personen aus dem Westbalkan nur dann zu, wenn es "keine bevorrechtigten inlĂ€ndischen" oder aus einem anderen Land der EuropĂ€ischen Union stammenden Personen gebe, die Arbeit suchten.

Die Westbalkan-Regelung war im Jahr 2016 eingefĂŒhrt worden. Damals wollten die Unionsparteien die Einstufung von sechs LĂ€ndern des Westbalkans, darunter auch Albanien, als "sichere Herkunftsstaaten", um auf diese Weise die Masseneinwanderung unter Nutzung des Asylsystems zu vermindern. Als Gegenleistung konnte die SPD eine besondere Regelung durchsetzen, die es auch ungelernten ArbeitskrĂ€ften aus den Westbalkanstaaten erlaubt, legal nach Deutschland zuzuwandern, sofern sie eine Arbeitsplatzzusage eines deutschen Arbeitgebers vorweisen können. Im letzen Jahr kamen auf diese Weise 27.000 ArbeitskrĂ€fte in die Bundesrepublik.

Als Folge der Corona-Krise hat sich seit MĂ€rz die Zahl der arbeitslos gemeldeten AuslĂ€nder um 24 Prozent auf 840.000 stark erhöht. Dies ergeben die entsprechenden Daten der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, von denen die "Welt am Sonntag" ebenfalls berichtete. FĂŒr FlĂŒchtlinge ermittelt die Bundesagentur keine exakten Zahlen, gibt als ungefĂ€hren Wert aber "Arbeitslose aus acht wichtigen AsylherkunftslĂ€ndern" (Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Eritrea, Somalia, Nigeria und Pakistan) an. In diesem Bereich stieg die Zahl der Arbeitslosen seit dem MĂ€rz zum 23 Prozent auf 272.000 Personen an. Die Zahl der Arbeitslosen deutscher Staatsangehörigkeit stieg in der Zeit um 19 Prozent auf jetzt 1.964.000. Diese Angaben gelten fĂŒr den Mai 2020 und berĂŒcksichtigen nur solche Menschen, die sich arbeitslos gemeldet haben und die direkt fĂŒr den Arbeitsmarkt verfĂŒgbar sind. Die aktuell ungefĂ€hr sieben Millionen Kurzarbeiter sind nicht mitgezĂ€hlt.

Die Corona-Krise wird die Unterschiede zwischen Deutschen und AuslĂ€ndern auf dem Arbeitsmarkt wahrscheinlich verschĂ€rfen. Die letzten verfĂŒgbaren Daten stammen vom MĂ€rz. Damals waren 63 Prozent aller erwerbsfĂ€higen Deutschen sozialversicherungspflichtig beschĂ€ftigt. Bei den Nichtdeutschen waren dies nur 46 Prozent. Unter den AuslĂ€ndern standen die EU-AuslĂ€nder wiederum deutlich besser da (53 Prozent) als die erwerbsfĂ€higen Personen aus den genannten acht "wichtigsten AsylherkunftslĂ€ndern" (30 Prozent).

Außer den Arbeitslosen- und BeschĂ€ftigungsquoten nennt die Bundesagentur fĂŒr Arbeit die SGB-II-Hilfsquote als ihren dritten wesentlichen Indikator fĂŒr die Integration in den Arbeitsmarkt. Im Februar erhielten sechs Prozent der Deutschen SGB-II-Leistungen, bei den Personen mit auslĂ€ndischem Pass waren es insgesamt 19 Prozent. Von den Personen aus den acht "wichtigen AsylherkunftslĂ€ndern" bekamen sogar mehr als die HĂ€lfte, nĂ€mlich 58 Prozent, diese öffentliche Hilfszahlung. Am höchsten ist hierbei mit 74 Prozent der Anteil der Syrer. Menschen mit Herkunft in dem BĂŒrgerkriegsland sind fast durchweg als FlĂŒchtlinge anerkannt, was die Voraussetzung ist, um SGB-II-Leistungen ĂŒberhaupt empfangen zu können. Auf der anderen Seite erhalten Asylbewerber fĂŒr die Dauer ihres Verfahrens oder im Falle einer Duldung nach einer erfolgten Ablehnung nur die geringeren Asylleistungen.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, RSM

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