Gesundheit

Warken baut Krankenkassengesetz um

05.07.2026 - 16:10:44 | dts-nachrichtenagentur.de

Unmittelbar bevor Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ihr Gesetz zur Finanzreform der Krankenkassen in der kommenden Woche zur finalen Abstimmung in Bundestag und Bundesrat einbringen wird, hat die CDU-Ministerin offenbar an mehreren Stellen Änderungen in Milliardenumfang vorgenommen.

Warken baut Krankenkassengesetz um
Gesundheit - Nina Warken (Archiv) 05.07.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Das berichtet die FAZ.

Gesetzlich Krankenversicherte können sich in den kommenden Jahren demnach auf geringere Zuzahlungen und auf weniger Einschnitte in der Familienversicherung einstellen als zunĂ€chst geplant. Darauf haben sich Union und SPD am Wochenende laut der Zeitung geeinigt. Der Bund und vor allem die Pharmaindustrie sollen im Vergleich zum ursprĂŒnglichen Gesetzentwurf dagegen stĂ€rker belastet werden.

In der Familienversicherung mĂŒssen Kassenmitglieder zwar wie von Warken gewollt fĂŒr ihre bisher kostenfrei mitversicherten Lebenspartner von 2028 an zusĂ€tzliche BeitrĂ€ge zahlen. Aber nur in Höhe von 2,5 Prozent auf ihr beitragspflichtiges Einkommen, nicht, wie zunĂ€chst vorgesehen, 3,5 Prozent. Außerdem bleiben Elternteile, die Kinder bis zum Alter von einschließlich elf Jahren haben, von der Zahlung ausgenommen; die zunĂ€chst angestrebte Schwelle betrug sechs Jahre, berichtet die FAZ. Auch die Belastung fĂŒr Patienten bei der Zuzahlung fĂŒr Medikamente und Krankenhaushalte wurde etwas entschĂ€rft. Zwar soll die Eigenbeteiligung um 50 Prozent steigen, der von 2028 an vorgesehene regelmĂ€ĂŸige Anstieg in Höhe der Grundlohnrate fĂ€llt aber weg.

Der Bund wird dagegen stĂ€rker zur Finanzierung in die Verantwortung genommen als zunĂ€chst vereinbart: Die Streichungen im Bundeszuschuss fallen geringer aus, als vom Kabinett beschlossen. Und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zahlt bis 2030 auch jedes Jahr 750 Millionen Euro mehr fĂŒr die Gesundheitsversorgung der GrundsicherungsempfĂ€nger: im Jahr 2027 eine Milliarde statt der ursprĂŒnglich beabsichtigten 250 Millionen Euro. Insgesamt fließen 2027 aus dem Bundeshaushalt 1,4 Milliarden Euro mehr an die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) als zunĂ€chst beschlossen. Trotzdem ist weiterhin eine KĂŒrzung im Vergleich zu heute vorgesehen, von 14,5 auf 14,15 Milliarden Euro. Nach dem Ursprungsentwurf hĂ€tte der Bund aber nur 12,75 Milliarden gezahlt.

Das meiste zusĂ€tzliche Geld wird dadurch mobilisiert, dass die Pharmaindustrie den Krankenversicherungen kĂŒnftig verdoppelte PreisnachlĂ€sse auf Medikamente gewĂ€hren muss. Diese HerstellerabschlĂ€ge, von der Industrie "Zwangsrabatte" genannt, betragen bisher sieben Prozent. Von 2027 an sind nun 15,5 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Der ursprĂŒngliche Entwurf sah statt eines festen einen "ergĂ€nzenden dynamischen Herstellerabschlag" vor, der sich variabel an den Arzneimittelausgaben und der Grundlohnrate hĂ€tte orientieren sollen. Hunderte Millionen Euro auf Kosten der Hersteller sollen in den kommenden Jahren auch durch ein Preismoratorium fĂŒr Schutzimpfungen eingespart werden.

Mit dem Kompromiss scheint ein Hauptziel der Koalition erreicht: Trotz unerwartet hoher Kassenausgaben könnten die BeitragssÀtze stabil bleiben - zumindest bis 2028. Es soll bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent und beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent bleiben, zusammen also bei 17,5 Prozent, den sich Arbeitgeber und -nehmer teilen.

Dem Vernehmen nach musste Warken auf die WĂŒnsche von SPD, CSU und aus den LĂ€ndern eingehen, um die Verabschiedung des Sparpakets in der kommenden Woche sicherzustellen. Sie konnte sich aber ihrerseits gegen die WĂŒnsche der Sozialdemokraten durchsetzen, die Beitragsbemessungsgrenze fĂŒr Gutverdiener, bis zu welcher Sozialabgaben gezahlt werden mĂŒssen, noch weiter zu erhöhen, als dies in der Novelle ohnehin geplant ist.

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