LĂ€nder, Kompensation

LĂ€nder fordern Kompensation fĂŒr Entlastungspaket

05.06.2025 - 10:05:44

Unternehmen sollen steuerlich entlastet werden - doch LĂ€nder und Kommunen zahlen einen Großteil der Zeche. So geht es nicht, meinen viele MinisterprĂ€sidenten.

Die BundeslĂ€nder fordern vom Bund Kompensation fĂŒr SteuerausfĂ€lle wegen des Entlastungspakets fĂŒr die Wirtschaft. LĂ€nder und Kommunen könnten die enorme Belastung nicht ohne einen Ausgleich schultern, betonten MinisterprĂ€sidenten mehrerer LĂ€nder vor Beginn einer Konferenz in Berlin. Die CDU-Regierungschefs gingen sogar noch weiter: In einem Brief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) fordern sie eine grundsĂ€tzliche Neuregelung der Bund-LĂ€nder-Finanzen nach dem Prinzip: Wer bestellt, bezahlt. 

Auslöser der Debatte ist das geplante Entlastungspaket mit besseren steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten fĂŒr Unternehmen, die Maschinen, GerĂ€te und Elektroautos anschaffen. Ab 2028 soll zudem die Körperschaftsteuer sinken. Beides fĂŒhrt zu EinnahmeausfĂ€llen, die ĂŒberproportional stark von den Kommunen getragen werden.

Schwesig: Booster droht zu verpuffen

Wenn man den StĂ€dten und Gemeinden mit ihren oft defizitĂ€ren Haushalten noch mehr Geld wegnehme, «dann hat der ganze Booster keine Wirkung», warnte die MinisterprĂ€sidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD). «Es ist völlig klar, dass die 48 Milliarden Euro Entlastung fĂŒr die Wirtschaft - die richtig sind - nicht nur ein Drittel der Bund finanziert und zwei Drittel LĂ€nder und Kommunen», sagte sie. 

Der Regierungschef von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), betonte: «Wir haben im Koalitionsvertrag festgelegt: Wer bestellt, bezahlt.» Da könne man auch nicht gegenrechnen, dass die LĂ€nder 100 Milliarden Euro aus dem schuldenfinanzierten Sondertopf fĂŒr die Infrastruktur und neue Verschuldungsmöglichkeiten bekĂ€men. 

Söder: Nicht um jeden Euro feilschen

Der Regierungschef des wirtschaftsstarken und vergleichsweise reichen Bayern, Markus Söder (CSU), dagegen appellierte an seine Kollegen, das Paket mitzubeschließen und keine zusĂ€tzlichen Haushaltsverhandlungen zu fĂŒhren. Auf Dauer seien die Entlastungen gut fĂŒr den Wirtschaftsstandort und generierten mehr Steuereinnahmen - da dĂŒrfe man nicht um jeden Euro feilschen. Außerdem hĂ€tten sich die finanziellen Möglichkeiten der LĂ€nder durch die 100 Milliarden aus dem Infrastrukturtopf und die neuen Verschuldungsmöglichkeiten dramatisch verbessert. Nun mĂŒssten auch die LĂ€nder in der Gesamtverantwortung fĂŒr Deutschland stehen. 

Brief an Merz

Die MinisterprĂ€sidenten der CDU dagegen fordern in einem Brief an Merz ein grundsĂ€tzliches Umdenken bei den Finanzbeziehungen - «nicht nur fĂŒr dieses eine Gesetz», wie Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) erlĂ€uterte. 

In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: «Das Ziel ist ein regelgebundener, dauerhafter und ĂŒberprĂŒfbarer Mechanismus, der den finanziellen Ausgleich zugunsten der LĂ€nder schafft, wenn Bundesgesetze zu Mehrausgaben oder Mindereinnahmen der LĂ€nder und Kommunen fĂŒhren.»

Zur Kompensation sollten die LĂ€nder einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer bekommen, schlagen die CDU-MinisterprĂ€sidenten vor. DafĂŒr solle die Bundesregierung bei GesetzentwĂŒrfen besser als bisher berechnen, welche finanziellen Folgen sich fĂŒr LĂ€nder und Kommunen ergeben - und dann automatisch die Umsatzsteuerverteilung anpassen. 

Unterzeichnet wurde der Brief von Kretschmer, Kai Wegner (Berlin), Boris Rhein (Hessen), Hendrik WĂŒst (Nordrhein-Westfalen), Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt), Daniel GĂŒnther (Schleswig-Holstein) und Mario Voigt (ThĂŒringen). Söder gehört demnach nicht dazu.

@ dpa.de