Trotz Trumps Forderungen: US-Notenbank senkt Leitzins nicht
18.06.2025 - 20:31:42Der Leitzins in der weltgröĂten Volkswirtschaft bleibt unverĂ€ndert auf relativ hohem Niveau. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) belĂ€sst den wichtigen Zinssatz in einer Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent. Und das trotz aller Aussagen und Beschimpfungen von US-PrĂ€sident Donald Trump, der eine rasche Senkung der Kreditkosten fordert.Â
Nach der Hochzinsphase zur BekĂ€mpfung der hohen Inflation infolge der Corona-Pandemie gab es 2024 zwei Zinssenkungen in den USA, in diesem Jahr noch keine. Die meisten Analysten rechneten damit, dass die Notenbank den Leitzins erneut nicht antasten wĂŒrde.Â
Wieso ist der Leitzins wichtig?
Der Leitzins ist das wichtigste Werkzeug der Notenbank, um ihre beiden zentralen Ziele zu verfolgen: Die Inflation zu begrenzen und die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten.Â
Der Leitzins bestimmt, zu welchem Satz sich GeschĂ€ftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können. In einem zweiten Schritt beeinflusst der Leitzins dann GebĂŒhren, die von Verbrauchern und Firmen bezahlt werden.
Wenn die Fed zum Beispiel den Leitzins senkt, werden von Banken selbst vergebene Kredite ebenfalls mittelfristig gĂŒnstiger. Das wĂŒrde sich auf Hypotheken, Autokredite, Finanzierungen fĂŒr Unternehmen und die mitunter bei Kreditkarten fĂ€lligen Zinsen auswirken. GĂŒnstigere Kredite kurbeln dann die Konjunktur an, weil die Amerikaner mehr Geld ausgeben können und weil kreditfinanzierte Investitionen billiger werden.Â
Wieso will Trump unbedingt niedrigere Zinsen?Â
Genauso wie die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) im Euro-Raum ist die US-Notenbank Fed unabhĂ€ngig. Die Politik hat keinen direkten Einfluss auf die Zins-Entscheidungen. Das hĂ€lt Politiker aber nicht davon ab, sich mit Forderungen zu Wort zu melden. In den USA kommen dabei die lautesten WĂŒnsche und Beschimpfungen vom PrĂ€sident selbst. Trump fordert seit Monaten niedrigere Zinsen, um die Konjunktur zusĂ€tzlich anzukurbeln.Â
Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, greift er Fed-Chef Jerome Powell auch immer wieder persönlich an. Erst vergangene Woche beschimpfte er ihn als «Hohlkopf». Am Mittwoch unmittelbar vor der Fed-Entscheidung nannte er Powell auch «dumm». Mitunter empfahl er ihm auch, sich ein Vorbild an den Zinssenkungen der EZB zu nehmen. Diese hat den Leitzins zuletzt auf 2,0 Prozent gesenkt.Â
Wieso senkt die Fed den Leitzins nicht?
DafĂŒr gibt es aktuell hauptsĂ€chlich drei BegrĂŒndungen:Â
- Die Fed sieht mit Blick auf ihre Ziele derzeit kaum Handlungsbedarf, denn die Inflationsrate ist nahe ihrem Ziel von zwei Prozent, und auch die Lage am Arbeitsmarkt ist weiter robust.
- Der zweite Grund ist die Unsicherheit ĂŒber die weitere Konjunkturentwicklung - und das hat viel mit Trump zu tun. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat er hohe Zölle auf Waren aus verschiedenen LĂ€ndern verhĂ€ngt oder angedroht. Das könnte die Preise fĂŒr importierte Waren erhöhen und auch das Wachstum in den USA bremsen. Trumps Zölle belasten auch die Aktien- und AnleihenmĂ€rkte.
- Auch die geopolitische Lage dĂŒrfte bei den ErwĂ€gungen der Fed eine Rolle spielen: Falls sich der Krieg zwischen dem Iran und Israel ausweiten sollte, eventuell sogar mit einer Beteiligung des US-MilitĂ€rs, wĂ€ren gröĂere Verwerfungen auf dem Ălmarkt zu befĂŒrchten. Steigende Ălpreise wĂŒrden der US-Konjunktur einen DĂ€mpfer verpassen.Â
Wie sieht es mit der Konjunkturerwartung aus?Â
Die Fed rechnet in diesem Jahr nun mit einem geringeren Wirtschaftswachstum. Die Zentralbank geht nur noch von einem Plus von 1,4 Prozent aus. Bei der vorigen Prognose im MÀrz hatte die Fed ihre Konjunkturerwartung bereits ebenfalls nach unten korrigiert, damals auf ein Plus von 1,7 Prozent. Die Notenbank rechnet ebenfalls mit einer höheren Inflationsrate von 3,0 Prozent. Im MÀrz war sie noch von einer Teuerungsrate von 2,7 Prozent ausgegangen.


