Demokraten sagen Trump und Musk wegen USAID den Kampf an
04.02.2025 - 06:35:04 | dpa.deMit Plakaten protestieren sie lautstark gegen die MaĂnahmen der Regierung unter PrĂ€sident Donald Trump - und gegen den Einfluss von Tech-MilliardĂ€r Elon Musk.
Der laut mehreren SchĂ€tzungen reichste Mann der Welt hatte am Wochenende - offenbar mit Segen aus dem WeiĂen Haus - einen regelrechten Feldzug gegen die Entwicklungsbehörde gestartet, die er als "Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen" bezeichnet. In der Nacht zum Montag erhielten USAID-Mitarbeiter dann eine E-Mail: Sie sollen im Homeoffice bleiben.
Der mutmaĂliche Absender, zumindest indirekt: Musk und sein "Department of Government Efficiency", kurz Doge. Bereits zuvor waren Hunderte Mitarbeiter der Behörde entlassen oder beurlaubt worden, FĂŒhrungskrĂ€fte wurden freigestellt. Die USAID-Webseite und ihr X-Account waren plötzlich nicht mehr zugĂ€nglich.
Van Hollen: "Das ist korrupter Machtmissbrauch"
Die Verunsicherung ist groĂ, was aktuell hinter den verschlossenen TĂŒren der Behörde passiert. Musk soll laut Medienberichten Zugang zu sensiblen Regierungsdaten erhalten haben - im Namen der KĂŒrzung von Staatsausgaben. Trump begegnete dieser Sorge auf Nachfrage mit einem beschwichtigenden Achselzucken: Musk dĂŒrfe nur Informationen sammeln, um Mitarbeiter zu entlassen, wenn "wir mit ihm einverstanden sind", sagte er. Ein Dementi klingt anders.
Vor allem wegen des mutmaĂlichen Einflusses Musks auf den Regierungsapparat beriefen mehrere demokratische Kongressmitglieder vor dem USAID-GebĂ€ude kurzfristig eine Pressekonferenz ein. "Wir wollten aus erster Hand erfahren, was hier passiert", erklĂ€rt Senator Chris Van Hollen neben den Demonstranten. Ihm und seinen Kollegen wurde nach eigenen Angaben ebenfalls der Zugang zum GebĂ€ude verweigert.
"WĂ€hrend wir hier sprechen, erlaubt er Elon Musk, USAID einzunehmen", schimpft Van Hollen ĂŒber Trump. Es handele sich um "illegale MachtausĂŒbung". Musk - der im Wahlkampf viel Geld an Trump gespendet habe - könne sich als "Diktator von Tesla" aufspielen, sagt er weiter. "Aber er kann nicht die US-Entwicklungsbehörde schlieĂen."
Dass den Parlamentsmitgliedern der Zugang verwehrt wurde, sei "eine ziemlich groĂe Sache", erklĂ€rt eine ranghohe Kongressmitarbeiterin. "Sie mögen es nicht, wenn man ihnen sagt, sie dĂŒrfen etwas nicht tun- und dazu gehört, eine Behörde zu betreten, fĂŒr die sie die Mittelbereitstellen."
Rubio: USAID "völlig unkooperativ"
Trump wettert regelmĂ€Ăig gegen die Ausgaben der USA fĂŒr internationale humanitĂ€re Hilfe. Die Entwicklungsbehörde USAID, deren Aufgabe es ist, weltweit BedĂŒrftigen zu helfen, ist ihm ein besonderer Dorn im Auge. Medienberichten zufolge wird erwogen, die Behörde aufzulösen oder ins AuĂenministerium einzugliedern.
TatsĂ€chlich erklĂ€rte das AuĂenministerium am Montag, AuĂenminister Marco Rubio sei zum kommissarischen Leiter von USAID ernannt worden. Kurz darauf ĂŒbergab dieser die FĂŒhrung an Pete Marocco. Bei Fox News begrĂŒndete der Minister den Schritt damit, dass sich die Behörde "völlig unkooperativ" gezeigt habe. Sie sei eine "globale WohltĂ€tigkeitsorganisation", die ohne RĂŒcksicht auf nationale Interessen Steuergelder verschwende.
Marocco war bereits wÀhrend Trumps erster Amtszeit bei USAID tÀtig. Ihm wird vorgeworfen, damals gezielt die Arbeit der Behörde behindert zu haben.
Musk: Werfe USAID "in den HĂ€cksler"
Die Demokraten betonen bei der Pressekonferenz mit Nachdruck, dass eine Umstrukturierung dieser GröĂenordnung in den ZustĂ€ndigkeitsbereich des Kongresses falle. Trump antwortet auf die Frage eines Reporters im WeiĂen Haus, ob das Parlament in den Prozess einbezogen werden mĂŒsse: "Das glaube ich nicht."
Wen Trump definitiv einbezieht, ist Elon Musk. Er habe "das Wochenende damit verbracht, USAID in den HÀcksler zu werfen", schrieb dieser auf der Plattform X. Offiziell hat Musk kein politisches Mandat - auch wenn Trump am Montag die Distanz aufweichte und ihn plötzlich einen "Besonderen Regierungsangestellten" ("Special Government Employee") nannte.
WĂ€re Musk offiziell Teil der Regierung, mĂŒsste er unter UmstĂ€nden vom Senat bestĂ€tigt werden und strenge Ethikvorschriften einhalten - schwer vereinbar mit seinen Interessen als Chef von Tesla, SpaceX und X. Der Verdacht wĂ€chst, dass der Tech-MilliardĂ€r diese Grenze zwischen privatem Einfluss und offizieller Regierungsverantwortung lĂ€ngst ĂŒberschritten hat - und das ohne sich an die formalen Anforderungen zu halten.
Schatz: Gegen "autokratisches Verhalten" wehren
Die Entwicklungen bei USAID stehen sinnbildlich fĂŒr die Wucht, mit der Trump in seine zweite Amtszeit gestartet ist: Eine Verordnung jagt die nĂ€chste, Regierungsstatements prasseln unaufhörlich auf die Ăffentlichkeit ein. In den USA nennt sich das "flooding the zone" - die InformationskanĂ€le also mit Schlagzeilen so ĂŒberschwemmen, dass kaum noch zwischen wichtigen Entwicklungen und bloĂer Provokation unterschieden werden kann.
"Das ist ein Bluff. Es ist ein schĂ€dlicher, gefĂ€hrlicher, niedertrĂ€chtiger Bluff", sagt der demokratische Senator Brian Schatz. "Aber sie haben das Gesetz nicht auf ihrer Seite. Wenn wir uns gegen dieses autokratische Verhalten wehren wollen, mĂŒssen wir alle aufstehen."
Einer der Demonstranten protestiert sitzend. Nach eigener Aussage verlor auch er seinen Job. Er sei nicht grundsÀtzlich gegen VerÀnderungen bei den Regierungsausgaben, sagt er. Das sei sogar eine gute Sache. "Aber Hungersnöte zu verhindern, das ist keine parteipolitische Frage."
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