Schule, Studium

OECD-Studie: Wachsende Bildungskluft bei jungen Erwachsenen

12.09.2023 - 13:28:16

Viel war zuletzt von der Krise im deutschen Bildungssystem die Rede. Ein jÀhrlicher internationaler Vergleich der OECD sieht wie immer Licht und Schatten.

Der Anteil junger Erwachsener mit einer klassischen Berufsausbildung in der Tasche ist einer OECD-Studie zufolge in Deutschland stark zurĂŒckgegangen.

Im vergangenen Jahr konnten 38 Prozent der 25- bis 34-JĂ€hrigen einen Berufsabschluss vorweisen, 2015 waren es noch 51 Prozent dieser Altersgruppe, wie aus dem jĂ€hrlichen LĂ€ndervergleich «Bildung auf einen Blick» der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht. Der RĂŒckgang im Bereich Berufsbildung in Deutschland sei der grĂ¶ĂŸte in allen OECD-LĂ€ndern, hieß es.

Die Ergebnisse

Er geht mit zwei Entwicklungen einher: Auf der einen Seite streben mehr junge Menschen höhere AbschlĂŒsse wie ein Studium an. 2015 hatten noch 30 Prozent der 25- bis 34-JĂ€hrigen einen Hochschul- oder Ă€hnlichen Abschluss in der Tasche. 2022 waren es bereits 37,5 Prozent.

Zugleich erhöhte sich am anderen Ende der Anteil derjenigen, die maximal einen mittleren Schulabschluss ohne weitere Qualifikation wie eine Berufsausbildung hatten von 13 auf 16 Prozent. Im Bericht ist die Rede von einer zunehmenden «Bildungspolarisierung».

Geringe BildungsabschlĂŒsse machen Sorgen

Der StaatssekretĂ€r im Bundesbildungsministerium, Jens Brandenburg (FDP), zeigte sich besorgt. «16 Prozent - das sind fast 1,7 Millionen junge Erwachsene, die nicht als dringend benötigte FachkrĂ€fte zur VerfĂŒgung stehen», sagte er bei einer Online-Pressekonferenz. Diese jungen Menschen hĂ€tten weniger Chancen auf gute BeschĂ€ftigung und ausreichendes Einkommen.

Die berufliche Ausbildung mĂŒsse attraktiver und zugĂ€nglicher werden, forderte der GeneralsekretĂ€r der OECD, Mathias Cormann, in einem Vorwort zur Studie. Die Leiterin des «OECD Berlin Centre», Nicola Brandt, appellierte zudem an die Politik, bereits «in den jĂŒngsten Jahren» mit der Förderung anzusetzen, um zu verhindern, dass junge Leute zurĂŒckfielen und am Ende ohne eine guten Abschluss dastĂŒnden.

Sie sprach von einem besonderen Druck, dem das deutsche Bildungssystem ausgesetzt sei und nannte «mehr Migration» als in anderen LÀndern und auch den LehrkrÀftemangel.

Der LĂ€nder-Vergleich

In der jĂ€hrlichen Studie werden die Bildungssysteme der 38 Mitgliedsstaaten der OECD und weiterer PartnerlĂ€nder miteinander verglichen. Analysiert wird auch etwa, wie viel Geld die LĂ€nder jeweils fĂŒr Bildung ausgeben oder wie der BetreuungsschlĂŒssel in Bildungseinrichtungen aussieht.

FĂŒr Deutschland gibt es wie immer positive und negative Befunde:

Deutschland gibt demnach im Jahr im Schnitt kaufkraftbereinigt 14.700 Euro pro Bildungsteilnehmer von der Grundschule bis zum Studium aus. Im OECD-Schnitt sind es 11.800 Euro. Kritisch merkt die Studie dennoch an, dass Deutschland im VerhÀltnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt weniger Geld in Bildung investiert als der OECD-Durchschnitt: 4,6 Prozent im Vergleich zu 5,1 Prozent.

Das Lehrkraft-SchĂŒler-VerhĂ€ltnis ist vergleichsweise gut: Über alle Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis hin zur UniversitĂ€t hinweg liegt es in Deutschland bei 1 zu 13, im OECD-Schnitt bei 1 zu 15.

LehrkrÀfte verdienen in Deutschland vergleichsweise sehr gut: Mit 15 Jahren Berufserfahrung sind es dem Bericht zufolge kaufkraftbereinigt je nach Schultyp etwa 80.000 bis 90.000 Euro pro Jahr. Nur in Luxemburg wird demnach mehr gezahlt. Im OECD-Schnitt liegt die Einkommensspanne zwischen 47.000 und 50.000 Euro.

Eine positive Entwicklung: Der Anteil der 18- bis 24-JÀhrigen, die weder in einer Ausbildung sind, noch einer Arbeit nachgehen, hat sich wieder verringert. Von 9,7 Prozent im Jahr 2021 auf 8,6 Prozent im vergangenen Jahr. Deutschland steht hier im OECD-Vergleich (14,7) sehr gut da und gehört zur Gruppe der LÀnder mit der niedrigsten Quote.

In der OECD haben sich 38 Industrie- und höher entwickelte LĂ€nder zusammengeschlossen. Die Organisation erstellt regelmĂ€ĂŸig Analysen und Studien wie etwa auch die Pisa-Studie und gibt Politikempfehlungen ab. Die Mitgliedsstaaten fĂŒhlen sich nach Angaben der Organisation der Marktwirtschaft und Demokratie verpflichtet.

@ dpa.de

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