Christian Lindner, Monika Heinold

Bund-LĂ€nder-Finanzen: Kieler Ministerin attackiert Lindner

06.06.2023 - 15:34:54

Viele Projekte finanzieren Bund und LĂ€nder gemeinsam. Doch in Berlin meint man: Der Bund greift den LĂ€ndern zu oft unter die Arme. Im Norden warnt eine Ministerin mit scharfen Worten vor KĂŒrzungen.

  • Monika Heinold von den GrĂŒnen hat PlĂ€ne des Finanzministers zu finanziellen KĂŒrzungen fĂŒr die LĂ€nder scharf kritisiert. (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa

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  • Monika Heinold (l) von den GrĂŒnen hat PlĂ€ne des Finanzministers zu finanziellen KĂŒrzungen fĂŒr die LĂ€nder scharf kritisiert. (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

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Monika Heinold von den GrĂŒnen hat PlĂ€ne des Finanzministers zu finanziellen KĂŒrzungen fĂŒr die LĂ€nder scharf kritisiert. (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpaMonika Heinold (l) von den GrĂŒnen hat PlĂ€ne des Finanzministers zu finanziellen KĂŒrzungen fĂŒr die LĂ€nder scharf kritisiert. (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

Den BundeslĂ€ndern droht nach Angaben aus Schleswig-Holstein eine deutliche MittelkĂŒrzung bei gemeinsamen Projekten mit dem Bund.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) wolle die Finanzierung von Bund-LĂ€nder-Programmen um mindestens 900 Millionen Euro zusammenstreichen, warnte die schleswig-holsteinische Finanzministerin Monika Heinold (GrĂŒne). Eine Sprecherin der Kieler Ministerin berief sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur auf nicht nĂ€her konkretisierte Informationen aus Berlin. Zuerst hatte das «Flensburger Tageblatt» berichtet.

Laut Heinold geht es um je 300 Millionen Euro bei der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des KĂŒstenschutzes, bei der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur und bei der StĂ€dtebauförderung.

Die GrĂŒnen-Politikerin reagierte scharf: «Wenn es stimmt, dass Bundesfinanzminister Lindner eine Milliarde Euro Landesförderung streichen will, mit der offenen Ansage, sich damit zurĂŒckzuholen, was er fĂŒr die FlĂŒchtlingsfinanzierung zugesagt hat, wĂ€re das perfide», sagte sie. «Wenn der Bund glaubt, seine Kasse zulasten der LĂ€nder sanieren zu können, werden wir das nicht einfach hinnehmen.»

Das Bundesfinanzministerium wies auf die laufenden Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2024 hin. In der vergangenen Woche hatte das Ministerium den anderen Ressorts mitgeteilt, wie viel Geld ihnen jeweils zur VerfĂŒgung stehen soll. Wie sie damit auskĂ€men, mĂŒssten die HĂ€user selbst bestimmen, hieß es.

«Alle Ressorts inklusive der von GrĂŒnen gefĂŒhrten Ministerien sind aufgefordert, in eigener Verantwortung mit den verfĂŒgbaren Haushaltsmitteln zu planen», betonte eine Sprecherin. Die von Heinold genannten Bund-LĂ€nder-Programme liegen in der ZustĂ€ndigkeit des grĂŒn-gefĂŒhrten Landwirtschaftsministeriums, des ebenfalls grĂŒn-gefĂŒhrten Wirtschaftsministeriums und des SPD-gefĂŒhrten Bauministeriums.

Die Vermutung Heinolds, Lindner wolle sich die Mittel zurĂŒckholen, die den LĂ€ndern fĂŒr die FlĂŒchtlingsfinanzierung zugesagt wurden, wies das Ministerium scharf zurĂŒck. «Die persönliche Attacke und öffentliche Spekulation ĂŒber angebliche Motive ist bei einer erfahrenen Ministerin allerdings ein ĂŒberraschender Fauxpas», sagte die Sprecherin.

Kritik an Lindner Ă€ußerte auch der baden-wĂŒrttembergische Finanzminister Danyal Bayaz (GrĂŒne). «So können wir einfach nicht mehr weitermachen», betonte er. Auf der Finanzministerkonferenz in der vergangenen Woche hĂ€tten sich Bund und LĂ€nder gegenseitig versichert, dass sie große Aufgaben gemeinsam bewĂ€ltigten. «Einen Wimpernschlag spĂ€ter will der Bundesfinanzminister seinen Haushalt auf Kosten der LĂ€nder aufstellen», kritisierte Bayaz.

Sein bayerischer Kollege Albert FĂŒracker (CSU) hieb in die gleiche Kerbe: «Der Bund muss seiner Verantwortung bei der FlĂŒchtlingsfinanzierung endlich gerecht werden. Ideen, sich die den LĂ€ndern zustehenden Zahlungen ĂŒber Umwege zurĂŒckzuholen, entbehren jeder sachlichen Grundlage und sind höchst unseriös.» Nötig sei ein ehrlicher und offener Dialog ĂŒber den Föderalismus.

Heinold: «Die gesamtstaatliche Lösung fehlt»

Heinold forderte den Bund auf, mit den LĂ€ndern einen ernsthaften Dialog zur kĂŒnftigen Staatsfinanzierung zu fĂŒhren. «Ob Klimainvestitionen, Aufnahme von FlĂŒchtlingen, Bildung oder Digitalisierung, die Herausforderungen sind groß und die gesamtstaatliche Lösung fehlt.» Einnahmen und Ausgaben klafften ĂŒberall immer weiter auseinander. «Ursache dafĂŒr sind unter anderem die im letzten Jahr beschlossenen Steuersenkungspakete, die auch hohe Einkommen entlasten.»

In Kreisen des Bundesfinanzministeriums hieß es dazu, der Bund entlaste LĂ€nder und Kommunen bereits stark und leiste dabei auch Aufgaben, fĂŒr die er eigentlich gar nicht zustĂ€ndig sei. Das föderale Finanzgeflecht zwischen dem Bund auf der einen und LĂ€ndern wie Kommunen auf der anderen Seite sei in den vergangenen Jahren «in eine beachtliche Schieflage geraten». Man mĂŒsse es wieder schaffen, dass Bund und LĂ€nder fĂŒr ihre jeweiligen Aufgaben auch finanziell verantwortlich seien.

Auch aus der FDP-Bundestagsfraktion erntete Heinold harsche Kritik. «Wieder einmal zeigt die Raub- und Beute-Gemeinschaft der LÀnder ihr wahres Gesicht», sagte Fraktionsvize Christoph Meyer. «Es ist unverschÀmt, dass LÀnder wie Schleswig-Holstein immer nur mehr Geld fordern.»

Obwohl die Haushaltslage des Bundes massiv angespannt sei, entlaste er die LĂ€nder in diesem Jahr mit etwa 54 Milliarden Euro. DarĂŒber hinaus hĂ€tten die LĂ€nder noch fast 13 Milliarden Euro ÜberschĂŒsse aus dem vergangenen Jahr. Die LĂ€nder mĂŒssten vor allem ihre originĂ€ren Aufgaben selbst finanzieren. «Mehr Geld vom Bund wird es nicht geben», betonte Meyer.

@ dpa.de