WM, Auslosung

Friedenspreis fĂŒr Trump spaltet: «Seine Weltmeisterschaft»

06.12.2025 - 05:57:07

Viele tippten schon vor der Bekanntgabe auf diesen PreistrĂ€ger: Der US-PrĂ€sident bekommt in Washington einen Friedenspreis der FIFA ĂŒberreicht. FIFA-PrĂ€sident Infantino zieht dafĂŒr Kritik auf sich.

  • Julian Nagelsmann unterhĂ€lt sich im Saal bei der WM-Auslosung.  - Foto: Mandel Ngan/POOL AFP/AP/dpa

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  • US-PrĂ€sident Trump hĂ€ngt sich die FIFA-Medaille selber um.  - Foto: Chris Carlson/AP/dpa

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Julian Nagelsmann unterhÀlt sich im Saal bei der WM-Auslosung.  - Foto: Mandel Ngan/POOL AFP/AP/dpaUS-PrÀsident Trump hÀngt sich die FIFA-Medaille selber um.  - Foto: Chris Carlson/AP/dpa

Die Vergabe des neuen FIFA-Friedenspreises an US-PrĂ€sident Donald Trump bei der WM-Gruppenauslosung hat die Debatte ĂŒber den richtigen Umgang des Fußball-Weltverbands mit der Politik angeheizt. FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino bekam fĂŒr die Huldigung Trumps bei der Show in Washington teils beißende Kritik. 

«Was eigentlich eine Feier des schönen Spiels bei der Auslosung der WM hĂ€tte sein sollen, artete stattdessen in eine dĂŒstere Zurschaustellung politischer Speichelleckerei eines Mannes aus», schrieb die englische Zeitung «The Mirror» nach der Show in Washington, die fast 90 Minuten dauerte, bis ĂŒberhaupt der Haupt-Act mit der Gruppenauslosung begann. 

Beißende Kritik aus England

«Gianni Infantinos erniedrigendes Verhalten vor Donald Trump ist ein neuer Tiefpunkt. Der FIFA-PrÀsident hat in der Vergangenheit zwar schon so manchen Unsinn im Namen der Redekunst von sich gegeben, aber das hier war etwas ganz anderes», schrieb «The Telegraph».

Bereits vor der Bekanntgabe des PreistrĂ€gers war spekuliert worden, dass Trump von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino die Auszeichnung bekommen wĂŒrde. HĂ€ufiger hatte man den FIFA-PrĂ€sidenten im Weißen Haus ein und aus gehen sehen. Dass beide sich gut verstehen, gilt als hinlĂ€nglich bekannt. Infantino hatte zu allen WM-Gastgebern gute VerhĂ€ltnisse - von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin 2018 bis zum Emir von Katar 2022. 

Friedensnobelpreis als Ziel

Die FIFA ehrte Trump fĂŒr sein BemĂŒhen um Frieden in der Welt und nannte Konflikte, die der US-PrĂ€sident fĂŒr sich reklamiert, als Vermittler gelöst zu haben. Trump hatte in den vergangenen Monaten mit dem Friedensnobelpreis geliebĂ€ugelt und brachte sich als aus seiner Sicht wĂŒrdigen PreistrĂ€ger immer wieder ins Spiel - er kam aber nicht zum Zug.

Der US-Sender CNN bezeichnete den FIFA-Preis als rĂ€tselhaft. Die Auszeichnung gab es bislang nicht und wurde zum ersten Mal verliehen. Britische Medien fĂ€llten ein besonders hartes Urteil - nicht nur wegen des Preises und dass sich die FIFA angebiedert habe, sondern auch wegen eines angeblich zĂ€hen Ablaufs des Events. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte kritisiert, es gebe kein transparentes Verfahren, das zeige, aus welchen GrĂŒnden jemand den Preis erhĂ€lt. 

Medaille selbst umgehÀngt

Bei Trumps Auftritt auf dem WM-Event in der Kultureinrichtung Kennedy Center in der US-Hauptstadt Washington stach ein Moment besonders hervor: Er legte sich auf der BĂŒhne eine Medaille, die ihm ĂŒberreicht wurde, direkt selbst um den Hals.

«Der US-PrÀsident war der unbestrittene Star der Auslosung. Er wirkte wie ein Baby bei einer Taufe, eine Frau bei einer Hochzeit und ein Toter bei einer Beerdigung. Er nahm eine Auszeichnung entgegen, hielt eine Rede und zog die Kugeln. Es ist "seine" Weltmeisterschaft», schrieb die Zeitung «Marca».

Trump ließ politische Attacken aus

Was auch auffiel: Der US-PrĂ€sident ließ politische Attacken auf Kritiker außen vor, fasste sich fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse kurz und scherte nicht aus dem Ablauf aus. Davor war spekuliert worden, ob Trump etwa gegen den kanadischen Premierminister Mark Carney auf der BĂŒhne ausholen wĂŒrde. 

Trumps Reden sind hĂ€ufig gespickt mit Attacken auf Gegner. Zuletzt hatte sich der US-PrĂ€sident maßlos ĂŒber eine TV-Werbekampagne in Kanada gegen seine Zollpolitik geĂ€rgert. Doch dieses Thema kam nicht zur Sprache. Die WM findet im Sommer 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt. Die drei Regierungschefs der LĂ€nder waren GĂ€ste auf dem WM-Event.

So reagierte Nagelsmann auf den Friedenspreis

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann wurde mit dem Trump-Wirbel konfrontiert und Ă€ußerte sich auf Nachfrage zum Friedenspreis so: «FĂŒr mich ist wichtig, dass mit so einem Preis verbunden ist, dass man sich fĂŒr die Zukunft fĂŒr den Frieden auf der Welt einsetzt. Er ist der einflussreichste Mann der Welt.»

DFB-Chef Bernd Neuendorf, der auch im von Infantino angefĂŒhrten FIFA-Council sitzt, sah keinen Anlass fĂŒr Kritik an der Vergabe und der großen Show. Der DFB-Chef hob die Verdienste Trumps um eine Beendigung des Gaza-Krieges hervor. 

«Wir waren alle gemeinsam froh, als der Konflikt im Nahen Osten beendet wurde, dass hier ein Abkommen unterzeichnet wurde. Das muss man ehrlich sagen, das wÀre ohne die USA und ohne den Einsatz des PrÀsidenten nicht möglich gewesen. Insofern ist es anerkennenswert, was da passiert ist», sagte Neuendorf.

@ dpa.de