FC Bayern jagt das Triple: «Kakadu macht große Reise»
20.04.2026 - 12:57:50 | dpa.deFür seinen Triple-Traum hat der FC Bayern eine Expedition ins Tierreich unternommen und den Kakadu aus der Requisitenkiste gezogen. Die im vergangenen Jahr bei ihrer damaligen Meister-Party aus einem Münchner Nobelrestaurant stibitzte Porzellanfigur soll Trainer Vincent Kompany und seiner Mannschaft diesmal den Weg zum dreifachen Triumph weisen.
«Ich glaube, der Kakadu macht eine große Reise», meinte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, nachdem die Bayern am Sonntagabend Teil eins ihrer Mission erfüllt hatten. Mit einem imponierenden 4:2 (3:1) gegen Champions-League-Kandidat VfB Stuttgart sicherte sich der Rekordchampion vorzeitig schon zum 35. Mal die deutsche Fußball-Meisterschaft.
Gedämpftes Feiern
Der Kakadu, diese kuriose Kultfigur der Münchner, die auch auf den Meister-T-Shirts samt Schale abgebildet war, kennt längst die avisierte Reiseroute, die abgesehen von den notwendigen Zwischenstationen am 23. Mai nach Berlin zum DFB-Pokal-Finale und eine Woche darauf am 30. Mai nach Budapest zum Champions-League-Endspiel führen soll. «Wir haben den wichtigsten Titel gewonnen, die deutsche Meisterschaft, aber es ist more to come», sagte Dreesen. Fortsetzung folgt?
Stars wie Harry Kane und Joshua Kimmich feierten die schon am 30. Spieltag perfekt gemachte Meisterschaft in der Spielerlounge der Allianz Arena. Es stand jedoch nur ein gedämpftes Vergnügen auf dem Programm. Schließlich liegen noch zwei ganz große Triple-Schritte vor den Münchnern.
«Die Spieler freuen sich und natürlich wissen sie auch, dass sie es heute nicht übertreiben dürfen. Aber ich glaube schon, dass sie ein bisschen feiern werden», meinte Dreesen, der sich selbst mit seiner Frau ein Gläschen Champagner gönnen wollte. Aber «alles gedämpft».
Kompany will Titel mit Respekt behandeln
Dass aber diese Meisterschaft gefeiert wurde, wenn auch nicht mit dem sonst typischen Weißbier auf dem Rasen, war Kompany ganz wichtig. Jeder Titel sei für ihn der erste. «Ich möchte null Arroganz zu diesen Titeln haben und sie auch feiern und genießen», sagte der Belgier nach seiner zweiten Meisterschaft in seinem zweiten Jahr mit dem FC Bayern. «Ich möchte diesen Titeln den Respekt geben, den sie verdienen.»
Kompany ging mit gutem Beispiel voran und ließ sich von der Fankurve lautstark zu Jubelposen animieren. Zumindest für einige Momente ließ er dabei das Feierbiest in sich - so hatte sich einst der frühere Bayern-Trainer Louis van Gaal selbst bezeichnet - zum Vorschein kommen.
«Er ist einfach ein großartiger Trainer, der weiß, wie man Titel feiert», bescheinigte ihm Sportvorstand Max Eberl. «Wir sind einfach stolz, dass wir ihn als Trainer haben, und ich bin stolz, dass ich diesen Menschen kennengelernt habe.»
Kane, der in der vergangenen Saison endlich seinen ersten Titel gewonnen hatte, genoss ebenfalls den Anblick des Trainers. «Er ist ein sehr ausgeglichener Typ, er lässt sich weder von Höhen noch Tiefen aus der Ruhe bringen, aber er liebt es zu gewinnen», sagte Kane, der schon 51 Mal in dieser Saison traf. «Es ist ein großartiger Moment für ihn, mit den Fans zu feiern.»
Von der Not- zur Ideallösung
Kompany war an diesem Abend des 19. April zumindest für kurze Zeit ganz im Moment der Ausgelassenheit. Doch Schwelgen und Innehalten, wenn doch noch Siege errungen werden können, widerspricht dem «Mia san mia». Deshalb war es für Kompany ein Leichtes, schnell wieder in den Alltag eines vom Erfolg getriebenen Vereins zu finden.
«Wir haben noch genügend Zeit, um das zu feiern, was wir schon erreicht haben. Aber jetzt geht es nur darum, was wir noch erreichen können. Und dann brauchst du natürlich diesen totalen Fokus», sagte Kompany, der im Sommer 2024 als Notlösung vom FC Burnley gekommen war und mittlerweile als Ideallösung gilt. «Die Jungs werden marschieren, auf jeden Fall.»
Nur drei Tage nach dem vollzogenen ersten Triple-Schritt wollen die Bayern am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) bei Bayer Leverkusen, Doublesieger von 2024, erst das Ticket nach Berlin und dann Anfang Mai nach den beiden Halbfinals in der Königsklasse gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain das Ticket nach Budapest buchen - für sich und den Kakadu.
«Der hat schon die letztjährigen Feierlichkeiten dominiert. Der hat jetzt lange warten müssen, bis wir ihn wieder rausgelassen haben aus seinem Käfig», sagte Goretzka über den Papagei, der mittlerweile zu den unverzichtbaren Party-Accessoires der Mannschaft gehört.
«Sehr großer Verlust» Gnabry
Bei den Feierlichkeiten mit angezogener Handbremse fehlte allerdings ein Nationalspieler schmerzlich: Serge Gnabry. Der in dieser Saison so formstarke Offensivspieler zog sich im Abschlusstraining für das Stuttgart-Spiel eine schwere Verletzung der Adduktoren zu. Die Saison für den 30-Jährigen dürfte gelaufen sein, die WM im Sommer ist in Gefahr.
«Die Saison wird wahrscheinlich nicht mehr funktionieren, alles andere steht ein Stück weit in den Sternen», sagte Eberl und bezeichnete den Fall Gnabry als dramatisch. «Er ist sehr gefasst, er ist sehr stabil, aber natürlich enttäuscht», denn wenn man in dessen Alter eine WM vor sich habe, «dann könnte es vielleicht die letzte Chance gewesen sein.»
Auch die Mannschaft dachte an Gnabry. «Er fehlt uns extrem in der Kabine und auf dem Feld», sagte Joshua Kimmich geknickt über seinen Kumpel. «Es ist echt ein sehr großer Verlust als Fußballer und als Mensch. Es wird uns extrem weh tun, aber ich hoffe, wir kriegen das irgendwie aufgefangen.» Zwei Titel wollen die Bayern schließlich noch holen in dieser Saison.
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