Mit Umarmungen und Geduld: Lies regiert nun Niedersachsen
20.05.2025 - 13:48:12 | dpa.de
Der SPD-Politiker Olaf Lies ist neuer MinisterprĂ€sident von Niedersachsen. Der Landtag in Hannover stimmte mehrheitlich fĂŒr den 58-JĂ€hrigen, der die rot-grĂŒne Koalition seines VorgĂ€ngers Stephan Weil fortfĂŒhren will.
Bei der geheimen Wahl erhielt Lies im ersten Wahlgang 80 Ja-Stimmen. Die erforderliche Mehrheit lag bei 74 Stimmen. SPD und GrĂŒne stellen zusammen 81 der 146 Abgeordneten im Landtag. Ein GrĂŒnen-Abgeordneter fehlte bei der Abstimmung entschuldigt.
Mit LuftkĂŒssen und Minischweinen
Der FrieslĂ€nder Lies, der zu Hause unter anderem Minischweine und Esel hĂ€lt, hat in Hannover einen Ruf als Umarmer und geschickter Redner. Bei seiner Nominierung durch die SPD verteilte er LuftkĂŒsse an die Genossen. Mit Gesten wie diesen hebt sich Lies ab vom zwar beliebten, aber eher reserviert auftretenden Juristen Weil. Er ist mehr MenschenfĂ€nger als BĂŒrokrat.
Politisch sind die beiden dagegen eng verbunden: Zwölf Jahre lang gehörte Lies durchgĂ€ngig den von Weil gefĂŒhrten Landesregierungen an. Von 2013 bis 2017 war er Wirtschaftsminister, von 2017 bis 2022 Umweltminister und seither erneut Wirtschaftsminister. Bei den Koalitionsverhandlungen im Bund leitete er vor wenigen Wochen die SPD-Arbeitsgruppe im Bereich Klima und Energie.
Am kommenden Wochenende soll Lies auch den SPD-Landesvorsitz von Weil ĂŒbernehmen. Als MinisterprĂ€sident wird er zudem, vorbehaltlich einer Kabinettsentscheidung, in den Aufsichtsrat von Volkswagen zurĂŒckkehren. Das Land Niedersachsen hĂ€lt 20 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern.
CDU wirft SPD taktisches Manöver vor
Der Einzug in die Staatskanzlei ist fĂŒr Lies ein Erfolg im zweiten Anlauf. Von 2010 bis 2012 war er schon einmal SPD-Landeschef. Schon damals wollte er MinisterprĂ€sident werden. In einer Mitgliederbefragung ĂŒber die Spitzenkandidatur bei der Wahl 2013 musste er sich jedoch knapp jenem Mann geschlagen geben, der ihm jetzt den Weg frei gemacht hat â Stephan Weil.Â
Der begrĂŒndete seinen RĂŒckzug Anfang April vor allem mit persönlichen Motiven: Mit 66 Jahren mache sich das Alter bemerkbar, sagte er, zudem leide er unter Schlafstörungen. Die CDU wirft der SPD dagegen ein bloĂes parteitaktisches Manöver vor, um Lies vor der nĂ€chsten Landtagswahl 2027 einen Amtsbonus zu ermöglichen.
Weil rĂ€umte inzwischen ein, dass sich seine persönlichen Ăberlegungen gut mit politischen ErwĂ€gungen decken, nachdem er schon 2022 angekĂŒndigt hatte, bei der nĂ€chsten Wahl nicht erneut anzutreten.
Ein Ministerium schafft Lies ab
FĂŒr Niedersachsens Landespolitik ist Weils RĂŒckzug nach zwölf Jahren eine ZĂ€sur â ein harter Kurswechsel ist mit Lies aber kaum zu erwarten. Die rot-grĂŒne Koalition wolle er fortsetzen, und zwar ĂŒber die nĂ€chste Landtagswahl hinaus, legte sich der neue Regierungschef von vornherein fest.
Einige VerÀnderungen im Kabinett gibt es dennoch: Neuer Wirtschaftsminister wird Grant Hendrik Tonne, zuvor SPD-Fraktionschef und von 2017 bis 2022 schon Kultusminister. Zudem schafft Lies das Europaministerium in seiner bisherigen Form ab und holt es mit einer neuen Chefin in die Staatskanzlei.
Niedersachsen in der SPD stark vertreten
Auch fĂŒr die SPD ist das Ende der Ăra Weil ein Einschnitt, denn Niedersachsen stellt einen ihrer stĂ€rksten LandesverbĂ€nde. Mit Parteichef Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Fraktionschef Matthias Miersch kommen gleich drei fĂŒhrende Sozialdemokraten aus dem Bundesland.
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