Analyse, Brandmauer

Analyse: Brandmauer in Kommunen steht zu 81 Prozent

19.03.2025 - 18:26:07

Von den 4.968 AntrÀgen, die die AfD zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 in Kreistagen und StadtrÀten gestellt haben, bekamen knapp 19 Prozent die Zustimmung anderer Parteien.

Das geht aus einer Analyse im Auftrag des Berliner Wissenschaftszentrums fĂŒr Sozialforschung (WZB) hervor, ĂŒber die der "Spiegel" (Donnerstagausgabe) berichtet. Forscher rund um den Harvard-Professor Daniel Ziblatt, der mit seinem Buch "Wie Demokratien sterben" 2019 hierzulande fĂŒr Aufmerksamkeit sorgte, haben erstmals systematisch untersucht, wie hĂ€ufig auf kommunaler Ebene mit der AfD zusammengearbeitet wird. Mindestens zehn Prozent der Nicht-AfD-Vertreter mussten einem AfD-Antrag zustimmen, damit das als Kooperation gewertet wurde.

FĂ€lle, in denen sich Parteien die Mehrheit ĂŒber AfD-Stimmen sicherten, wurden nicht berĂŒcksichtigt. Insgesamt konnten so 11.053 Sitzungen analysiert werden. In einigen Kreisen sei die Datenlage allerdings "beschrĂ€nkt" gewesen, hieß es. Laut der Analyse hĂ€lt keine der grĂ¶ĂŸeren Parteien die Brandmauer durchgehend aufrecht. Besonders hĂ€ufig arbeiteten fraktionslose Abgeordnete von Kleinstparteien wie den Freien WĂ€hlern mit der AfD zusammen: In 86,5 Prozent der FĂ€lle gaben sie AntrĂ€gen oder Kandidaten der AfD ihre Stimme. FDP-Abgeordnete sind mit 38,6 Prozent vertreten, CDU-Vertreter mit 38,4 Prozent. Die SPD folgt mit 32,1 Prozent, dann die GrĂŒnen mit 29,5 Prozent. Am wenigsten kooperieren Abgeordnete der Linkspartei (21,1 Prozent). Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es laut der Analyse keine wesentlichen Unterschiede, allerdings gibt es Differenzen zwischen Land und Stadt, zumindest in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern. Dort gab es in Landkreisen tendenziell hĂ€ufiger Zustimmung zu AfD-AntrĂ€gen als in kreisfreien StĂ€dten: knapp 27 Prozent im Gegensatz zu 16 Prozent. Insgesamt sind die LĂ€nder, in denen es - im VerhĂ€ltnis zur Anzahl der eingereichten AntrĂ€ge - am meisten Kooperationen mit der AfD gab, Sachsen-Anhalt (27 Prozent), Rheinland-Pfalz (24,7 Prozent) und Hessen (24,3 Prozent). Es handelt sich laut den Forschern dabei nicht um Kreise, in denen die AfD stark vertreten oder besonders aktiv ist. GrundsĂ€tzlich sehen die Forscher eine Gefahr in der Kooperation mit der AfD, da diese "zur Normalisierung und Legitimierung der radikalen KrĂ€fte fĂŒhren" könne. So werde "eine Machtbeteiligung schnell zur Basis einer von ihr im Rahmen der Demokratie, ĂŒber Wahlen, realisierten MachtĂŒbernahme".

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