Vonovia, Vergesellschaftung

Vonovia lehnt Vergesellschaftung von Berliner Wohnungen ab

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 16:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Immobilienkonzern weist die Pläne von Linken, Grünen und SPD zurück und verweist auf die Notwendigkeit von Rechtssicherheit und privaten Investitionen. Über mögliche Koalitionsverhandlungen entscheiden die Parteien in den kommenden Tagen und Wochen.

Berliner Parteien planen nächsten Schritt

  • Vonovia hält die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände für verfassungswidrig.
  • Das Gesetz soll Mitte 2028 vorgelegt werden und ein Jahr später in Kraft treten.
  • Die Linke entscheidet am 31. Oktober über Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD.
  • Linke, Grüne und SPD wollen Wohnungen in Berlin vergesellschaften. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin hatten ihr Sondierungspapier am Wochenende vorgestellt. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Teile der SPD warnen vor Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei in Berlin. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Das Wohnungsunternehmen Vonovia äußert sich zu den rot-grün-roten Plänen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Linke, Grüne und SPD wollen Wohnungen in Berlin vergesellschaften. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin hatten ihr Sondierungspapier am Wochenende vorgestellt. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa Teile der SPD warnen vor Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei in Berlin. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa Das Wohnungsunternehmen Vonovia äußert sich zu den rot-grün-roten Plänen. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Vonovia weist Berliner Vergesellschaftungspläne zurück

Der Immobilienkonzern Vonovia hält die von Linken, Grünen und SPD in Berlin geplante Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne für verfassungswidrig. Das Unternehmen erklärte, eine Umsetzung in der vorgesehenen Form werde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.

Unternehmen verweist auf Investitionen

Vonovia fordert für die Überwindung des Wohnungsmangels erhebliche private Investitionen sowie Verlässlichkeit und Rechtssicherheit. In den Berliner Beständen des Konzerns liegt der durchschnittliche Mietpreis nach Unternehmensangaben bei 8,26 Euro je Quadratmeter.

Der Konzern teilte außerdem mit, derzeit rund 1.000 Wohnungen in Berlin zu bauen.

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Regelung ab 10.000 Wohnungen

Nach dem vorläufigen Fahrplan sollen private Wohnungskonzerne ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen gegen Entschädigung vergesellschaftet werden. Einen Grundbestand dieser Größe dürften sie behalten; betroffen wären die darüber hinausgehenden Wohnungen.

Nach Angaben der Linke-Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp könnten fünf große Konzerne betroffen sein. Rund 160.000 Wohnungen würden demnach zusätzlich in kommunalen Besitz gelangen. Ziel sei, dass die Mieten nicht weiter steigen.

Gesetz für Mitte 2028 vorgesehen

Die drei Parteien wollen Mitte 2028 ein Gesetz zu dem Vorhaben vorlegen. Es soll erst ein Jahr nach der Beschlussfassung in Kraft treten und in der Zwischenzeit vom Verfassungsgericht überprüft werden.

Die Entschädigungssumme soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt werden. Mit Klagen wird gerechnet.

Parteien entscheiden über Gespräche

Die Pläne setzen voraus, dass Linke, Grüne und SPD eine gemeinsame Regierung bilden. Grüne und SPD wollten am Montag über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden.

Die Linke entscheidet darüber erst auf einem Parteitag am 31. Oktober. Bei Zustimmung aller drei Parteien könnten die Gespräche Anfang November beginnen.

Widerstand in der SPD-Bundestagsfraktion

20 der 120 SPD-Bundestagsabgeordneten wandten sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen mögliche Koalitionsverhandlungen mit der Berliner Linken. Sie begründeten dies unter anderem mit Konflikten um Antisemitismus, Kontakten in das Remmo-Umfeld sowie dem Umgang mit Akteuren aus extremistischen Milieus.

Juso-Chef Philipp Türmer befürwortete dagegen eine rot-grün-rote Landesregierung. Er verwies auf die aus seiner Sicht klare Präferenz vieler Wählerinnen und Wähler für eine andere Koalition als eine von der CDU geführte Regierung.

Wahlergebnis verändert Mehrheiten

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Es folgten CDU mit 18,8 Prozent, AfD mit 16,3 Prozent, Grüne mit 14,3 Prozent und SPD mit 12,1 Prozent.

Die bisherige CDU/SPD-Koalition verlor damit ihre Mehrheit.

Die geplante Vergesellschaftung knüpft an den Berliner Volksentscheid von 2021 an. Damals stimmten die Berlinerinnen und Berliner dafür, große private Wohnungsunternehmen gegen Entschädigung in Gemeineigentum zu überführen. Der Entscheid war politisch bindend, setzte aber kein unmittelbar vollziehbares Gesetz in Kraft.

Das Vorhaben beruft sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes. Die Vorschrift erlaubt grundsätzlich die Überführung von Grund und Boden in Gemeineigentum, verlangt jedoch ein Gesetz, das Art und Umfang der Entschädigung regelt. Genau an diesen Punkten dürften sich die erwarteten Gerichtsverfahren entzünden. Vonovia stellt die geplante Umsetzung deshalb als verfassungsrechtlich angreifbar dar.

Wohnungsmarkt und Koalitionsbildung

Für Mieterinnen und Mieter wäre die mögliche Übernahme großer Bestände vor allem wegen der Mietentwicklung relevant. Die drei Parteien verbinden das Vorhaben mit dem Ziel, weitere Steigerungen zu begrenzen. Zugleich bleibt der Neubau ein zentraler Faktor: Eine Vergesellschaftung verändert Eigentumsverhältnisse, schafft aber nicht automatisch zusätzliche Wohnungen.

Politisch ist das Projekt an mehrere Entscheidungen gebunden. Grüne und SPD sollten am Montag über Koalitionsverhandlungen befinden, die Linke erst am 31. Oktober. Bei Zustimmung aller drei Parteien könnten die Gespräche Anfang November beginnen. Selbst dann blieben Gesetzgebung, Verfassungsprüfung und mögliche Klagen mehrjährige Schritte.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

rbb24: „Linke, Grüne und SPD wollen Koalitionsverhandlungen aufnehmen“ (17.10.2026)

Der Beitrag berichtet über die Einigung der drei Parteien auf Koalitionsgespräche und die geplante Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen mit mehr als 10.000 Wohnungen. Anders als die aktuelle Vonovia-Stellungnahme stellt er die weiteren politischen Vorhaben und den möglichen Start der Verhandlungen Anfang November in den Mittelpunkt.

ZDFheute: „Sondierung in Berlin beendet: Linke, Grüne und SPD einig“ (17.10.2026)

Der Artikel erläutert die geplante Regelung, wonach Unternehmen einen Grundbestand von 10.000 Wohnungen behalten dürften, und ordnet sie in den Rahmen von Artikel 15 des Grundgesetzes ein. Gemeinsam ist den Beiträgen die Darstellung des politischen Plans; offen bleibt insbesondere, ob die drei Parteien tatsächlich eine Regierung bilden und wie Gerichte die Umsetzung bewerten.

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