Armeechefs, Deutschland

Armeechefs von Deutschland und Schweden warnen vor Russland

24.11.2024 - 11:00:00

Vor dem Hintergrund weiter zunehmender Spannungen mit Moskau schÀtzen das deutsche und schwedische MilitÀr die militÀrische Bedrohungssituation als extrem ernst ein.

"Was auf uns zukommen kann, mĂŒssen wir als das benennen, was es ist: Krieg", sagte Carsten Breuer, der Generalinspekteur der Bundeswehr, dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). "Wir mĂŒssen uns leider an eine neue NormalitĂ€t gewöhnen, in der vielleicht ĂŒber viele Jahre die Gefahr eines drohenden Krieges gegen uns besteht", ergĂ€nzte der schwedische Generalstabschef Michael Claesson. Gemeinsam riefen sie dazu auf, insbesondere in Europa mehr fĂŒr Sicherheit und Verteidigung zu tun und damit die Abschreckungswirkung zu erhöhen. "Im Vergleich zum Kalten Krieg muss man leider feststellen, dass die Lage heute unĂŒbersichtlicher und gefĂ€hrlicher ist - vor allem auch mit Blick auf Russland", so Breuer weiter und verwies dabei auf eingespielte KommunikationskanĂ€le frĂŒherer Zeiten: "Selbst in einer atomaren Bedrohungslage gab es das rote Telefon und GesprĂ€chspartner, die man kannte."

Heute gebe es "diese DrĂ€hte nicht, was die Situation viel unĂŒbersichtlicher und damit unsicherer macht". Mit seinen jĂŒngsten Atomdrohungen wolle Russland "vor allem Angst schĂŒren", sagte Claesson. Außerdem sollten sie "vom eigenen Völkerrechtsbruch und dem legitimen Selbstverteidigungsrecht der Ukraine ablenken", wie Breuer erklĂ€rte: "Ich rate auch deshalb zur Gelassenheit. Trotzdem darf man die Drohungen nicht unterschĂ€tzen." Als militĂ€rischer Planer, der die AufrĂŒstung der russischen Armee und das AuffĂŒllen von Munitionsdepots beobachte, mĂŒsse er aber "vom schlimmsten Fall ausgehen, dass Russland sich so fĂŒr einen Angriff auf uns rĂŒsten könnte". Er benenne die Bedrohung so klar, damit die BĂŒrger "sich nicht von Verharmlosungen verleiten lassen". Als Anrainerstaaten der Ostsee verzeichnen das deutsche wie das schwedische MilitĂ€r eine starke Zunahme der dortigen russischen AktivitĂ€ten. "Sorgen bereitet uns insbesondere die Schattenflotte - so bezeichnen wir angebliche Handels- oder Forschungsschiffe, die alles andere als Handel und Forschung im Sinn haben", erklĂ€rte Claesson dem "Tagesspiegel": "Auch Kriegsschiffe von mit Russland verbundenen LĂ€ndern durchfahren die Ostsee viel hĂ€ufiger als frĂŒher." Breuer bezeichnete es als "Ă€ußerst realistisch", weil zuletzt "Unterseekabel beschĂ€digt, wenn nicht absichtlich zerstört" worden seien, "einen hybriden Angriff" in ErwĂ€gung zu ziehen: "Gerade im Ostseeraum sehen wir die hybride KriegfĂŒhrung von russischer Seite besonders klar."

@ dts-nachrichtenagentur.de