Finale, LĂ€nder-Tarifstreit

Finale im LÀnder-Tarifstreit - Institut IW warnt vor möglichen Folgen

03.12.2023 - 14:27:59

Vor dem möglichen Finale der Tarifverhandlungen fĂŒr den öffentlichen Dienst der LĂ€nder warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) vor den möglichen Folgen eines Abschlusses.

Nach zwei Verhandlungsrunden und wochenlangen Warnstreiks kommen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab diesem Donnerstag in Potsdam zur möglichen Schlussrunde in dem Tarifstreit zusammen. Dabei könnte es zu einem Durchbruch kommen.

Das arbeitgebernahe IW warnt in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Analyse nun vor ĂŒberproportionalen Steigerungen unterer Lohngruppen. Bereits bisher seien die Einkommen von Geringqualifizierten im VerhĂ€ltnis ĂŒberdurchschnittlich angehoben worden. Nun strebten die Gewerkschaften an, "besonders untere Einkommensbezieher zu unterstĂŒtzten, die stĂ€rker unter der Inflation leiden", so das IW.

AbstÀnde der Löhne verkleinert

Bereits bei frĂŒheren Verhandlungen fĂŒr den öffentlichen Dienst hĂ€tten entsprechende pauschale Anhebungen zu einer "Stauchung der Lohnstruktur" gefĂŒhrt, so das IW. Das bedeutet, dass der Abstand der Löhne von gering Qualifizierten zu FachkrĂ€ften verkleinert wird. "Dadurch verlieren qualifizierte Jobs im Vergleich zu weniger qualifizierten an AttraktivitĂ€t", mahnt das IW in seiner Analyse.

Im derzeitigen Tarifkonflikt um die Einkommen der LandesbeschĂ€ftigten verlangen die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund dbb von den LĂ€ndern 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 500 Euro mehr. Die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft deutscher LĂ€nder (TdL) lehnen die Forderungen ab. Die geforderten 500 Euro wĂŒrden laut TdL in den unteren Entgeltgruppen zu einer Steigerung von bis zu 23,9 Prozent fĂŒhren. Insgesamt bezifferte sie die möglichen Kosten bei einer kompletten Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen auf 20,7 Milliarden Euro.

Zunehmende Streiks erwartet

Bereits seit Tagen treten BeschĂ€ftigte etwa an Unikliniken, Hochschulen und Verwaltungen mit Warnstreiks in dem Tarifkonflikt fĂŒr ihre Belange ein. Erwartet wird, dass die AusstĂ€nde bis zur dritten und möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde von 7. bis 9. Dezember in Potsdam an IntensitĂ€t zunehmen.

Überdurchschnittliche Steigerungen

Das IW hatte errechnet, wie sich die GehĂ€lter in den unteren Lohngruppen im Tarifvertrag fĂŒr den öffentlichen Dienst fĂŒr Bund und Kommunen (TVöD) sowie im Tarifvertrag fĂŒr den öffentlichen Dienst der LĂ€nder (TV-L) ĂŒber Jahre entwickelt haben. Zur EinfĂŒhrung von TVöD und TV-L 2005/2006 hĂ€tten sich die GrundgehĂ€lter der BeschĂ€ftigten in untersuchten Entgeltgruppen ĂŒber alle Qualifizierungsstufen hinweg nicht unterschieden.

Bis heute hĂ€tten die BeschĂ€ftigten in den unteren Lohngruppen der LĂ€nder aber bereits ĂŒberdurchschnittliche Steigerungen erhalten, BeschĂ€ftigte der oberen Gruppen aber unterdurchschnittliche. Auch beim TVöD hĂ€tten zwar Arbeitnehmer der unteren Lohngruppen am meisten profitiert, doch zwischenzeitlich seien die der GehĂ€lter der oberen Gruppen stĂ€rker gestiegen als die der mittleren.

Bei Bund und Kommunen habe erst der jĂŒngste Abschluss vom April zu einem geringeren Abstand zwischen oberen und unteren Lohngruppen gefĂŒhrt, so das IW. "Bei den Verhandlungen zum TV-L sollten diese Effekte vermieden werden, da die Lohnstruktur ohnehin schon stĂ€rker gestaucht ist." Die AbstĂ€nde seien also bereits in den vergangenen Jahren geringer geworden.

@ dpa.de