Richterbund und Ărztekammer schlagen Alarm wegen Cannabis-PlĂ€nen
18.10.2023 - 06:46:55Aus Sicht des Richterbundes sind die PlĂ€ne der Koalition nicht geeignet, um die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ausgerufenen Ziele zu erreichen. "Insbesondere werden Justiz und Aufsichtsbehörden durch die GesetzesplĂ€ne nicht spĂŒrbar entlastet, sondern zusĂ€tzlich belastet. Das sehr kleinteilige Gesetz mit Dutzenden BuĂgeldtatbestĂ€nden wĂŒrde einen hohen Kontrollaufwand, zahlreiche Streitfragen und viele neue FĂ€lle fĂŒr die Gerichte nach sich ziehen", sagte BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Rebehn. Zwar wĂŒrden fĂŒr die Staatsanwaltschaften etliche BagatellfĂ€lle entfallen, dem stĂŒnden aber neue Strafvorschriften mit erheblichen Nachweisschwierigkeiten und groĂem Ermittlungsaufwand gegenĂŒber. Auch verwaltungsgerichtliche Verfahren und nachbarschaftliche Streitigkeiten rund um den Cannabis-Anbau dĂŒrften sich hĂ€ufen. "Zudem ist kaum zu erwarten, dass der Schwarzmarkt durch die hochkompliziert ausgestaltete Cannabis-Teilfreigabe effektiv eingedĂ€mmt werden kann, zumal wichtige Ermittlungsmöglichkeiten gegen gewerbsmĂ€Ăige DrogenhĂ€ndler mit dem Cannabisgesetz offenbar entfallen sollen", warnte Rebehn. Auch andere Interessengruppen wie die BundesĂ€rztekammer fanden mahnende Worte zur Reform: So sprach ihr PrĂ€sident Klaus Reinhardt von einer "Quadratur des Kreises". Die Bundesregierung wolle den Eigenanbau erlauben und Cannabis-Clubs einfĂŒhren, gleichzeitig soll die Zahl der Konsumenten sinken. "Es liegt auf der Hand, dass das nicht funktionieren kann", sagte Reinhardt der "Rheinischen Post". Aus medizinischer Sicht fĂŒgte er hinzu, dass die internationale Studienlage klar sei: "Die Legalisierung von Cannabis fĂŒhrt zu mehr Konsum und verharmlost die damit verbundenen Risiken. Cannabis kann abhĂ€ngig machen und gravierende EntwicklungsschĂ€den verursachen - gerade bei jungen Menschen." Selbst das Bundesgesundheitsministerium warne auf seiner Internetseite vor den psychischen, sozialen und körperlichen Risiken. "Es ist aus medizinischer Sicht höchst unverantwortlich, dass Bundesgesundheitsminister Lauterbach die wissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriert. Stattdessen versucht er, mit hilflosen Slogans wie "Brokkoli ist mir lieber" junge Menschen vom Kiffen abzuhalten", so Reinhardt. "Das ist kein ernstzunehmender Jugendschutz, sondern eine drogenpolitische BankrotterklĂ€rung."


