Berlin-Wahlkampf, Wohnungsmarkt

Berlin Wahl 2026: Vermüllung, Wohnungskrise und neue Spitzenkandidaten prägen den Hauptstadtwahlkampf

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor der Wahl des Berliner Landesparlaments ringen die Parteien um Antworten auf Vermüllung, Wohnungskrise und Stadtentwicklung – und erstmals könnte eine Sozialistin an die Spitze der Hauptstadtregierung rücken. Die dpa zeigt, welche Alltagsthemen in den Kiezen den Ton angeben.

  • Der Ausblick für Berlin: Auch politisch gesehen heiter bis wolkig. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Der Ausblick für Berlin: Auch politisch gesehen heiter bis wolkig. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Der viele Müll war Wahlkampfthema in der Hauptstadt. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Der viele Müll war Wahlkampfthema in der Hauptstadt. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Kreativer Protest gegen Mietwucher in Berlin. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Kreativer Protest gegen Mietwucher in Berlin. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
Der Ausblick für Berlin: Auch politisch gesehen heiter bis wolkig. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Der viele Müll war Wahlkampfthema in der Hauptstadt. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa Kreativer Protest gegen Mietwucher in Berlin. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Vor der Wahl des Berliner Landesparlaments am Sonntag steht die Hauptstadt spürbar im Zeichen eines harten Alltags: Statt des früheren Images als «arm, aber sexy» bestimmen steigende Mieten, Vermüllung und soziale Spannungen das Stadtgespräch.

Imagewandel und Streit um Sauberkeit

Viele Berlinerinnen und Berliner erleben ihre Stadt nicht mehr als günstig, kreativ und gemütlich, sondern als teuer und oft heruntergekommen. Die Vermüllung von Straßen und Parks ist zu einem zentralen Wahlkampfthema geworden. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers schlägt vor, Empfänger von Sozialleistungen verstärkt für Reinigungsarbeiten einzusetzen. SPD und Linke setzen dagegen auf die kostenfreie Sperrmüllabholung, während die Grünen mit einer Verpackungssteuer an die Verursacher anknüpfen wollen.

Soziale Probleme im öffentlichen Raum

Im Stadtbild sind nach der dpa-Meldung derzeit deutlich mehr Obdachlose zu sehen, die entlang von Kanälen oder in Grünanlagen campieren. Viele Plätze, Straßenzüge und U-Bahnhöfe werden weiterhin stark von Drogenkonsumentinnen und -konsumenten frequentiert, was bei manchen Bewohnern das Sicherheitsgefühl beeinträchtigt. Gleichzeitig sind Restaurantbesuche teurer geworden; die Preise sind infolge der Inflation teils deutlicher gestiegen als in anderen Regionen.

Tourismusboom abgeflaut

Ob diese Entwicklung Berlin als Reiseziel weniger attraktiv macht, bleibt laut dpa offen. Klar ist jedoch, dass der Tourismusboom nachgelassen hat: 2025 wurden 29,4 Millionen Übernachtungen gezählt – rund 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich unter dem Rekordniveau von 2019 mit etwa 34 Millionen Übernachtungen.

Verbesserungen im Servicealltag

Neben den Problemfeldern gibt es auch Fortschritte. Die lange berüchtigten Wartezeiten in Bürgerämtern gelten als überwunden. Der scheidende Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat im Mai verkündet, dass das «14-Tage-Ziel» erreicht sei: Wer binnen zwei Wochen einen Termin beantragt, erhält ihn demnach – oft sogar bereits am selben Tag.

Hundekot und Flughafen als positive Beispiele

Auch beim Thema Hundekot hat sich die Lage verbessert. Obwohl mehr Hunde in der Stadt leben, sind Gehwege und Parks sauberer geworden, weil viele Halter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere einsammeln. Die Stadt ahndet Verstöße mit Verwarngeldern ab 55 Euro und Bußgeldern bis zu 350 Euro. Am Flughafen BER, einst Sinnbild für Pannen, hat sich die Lage ebenfalls gewandelt: In einem internationalen Ranking der besten kleineren Flughäfen landet der Airport inzwischen unter den Top Ten.

Schulbau zwischen Fortschritt und Mangel

Beim Schulbau verweist der Berliner Senat darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren mit rund sieben Milliarden Euro 41 neue Schulgebäude, 119 Ergänzungsbauten und 76 neue Sporthallen entstanden sind. So wurden etwa 62.000 zusätzliche Schulplätze geschaffen. Angesichts eines Rekordstands von fast 405.000 Schülerinnen und Schülern warnt die Gewerkschaft GEW allerdings, von Entwarnung könne keine Rede sein und verweist auf anhaltenden Personalmangel und Mehrarbeit in den Kollegien.

Wohnungsnot und Enteignungsdebatte

Die Wohnungskrise zählt zu den emotionalsten Fragen im Wahlkampf. In den Innenstadtbezirken leben weiterhin viele Menschen mit normalen oder geringen Einkommen, doch bezahlbare Wohnungen sind rar. Familien drängen sich auf engem Raum zusammen, während ältere Menschen mangels Alternativen in zu großen Wohnungen verbleiben. Linke und Teile der SPD werben für die Enteignung großer Immobilienkonzerne, um rund 270.000 Wohnungen in öffentliche Hand zu überführen und das «Investoren-Karussell» zu stoppen. Die CDU hält dem entgegen, ein solcher Schritt würde den Neubau ausbremsen.

Tempelhofer Feld als Symbol für Stadtentwicklung

Ein weiterer Streitpunkt ist die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Grüne und Linke wollen die ehemalige Flughafenfläche als Erholungsort und wichtige Kaltluftschneise erhalten. Die CDU plädiert für eine «behutsame Randbebauung», die nach ihren Vorstellungen Wohnraum für etwa 50.000 Menschen schaffen und dennoch ein großes Freiflächenareal im Zentrum unangetastet lassen würde.

Unbekannte Köpfe im Rennen um das Rathaus

Personell ist der Wahlkampf ebenfalls ungewöhnlich. Im Juli musste Kai Wegner, bis dahin bekanntester Spitzenpolitiker, seinen Rückzug erklären; die Belastungen durch die «Tennis-Gate»-Affäre im Zusammenhang mit dem großen Blackout im Januar waren zu groß. An seine Stelle rückte Finanzsenator Stefan Evers als CDU-Spitzenkandidat, den Kritiker als Notlösung bezeichnen. Auch die Spitzenkandidaten anderer Parteien gelten nicht als A-Promis der Stadt. Besonders aufmerksam verfolgt wird der Auftritt der Linken mit Elif Eralp, die nach Umfragen gute Chancen hat, ihre Partei zur stärksten Kraft im Landesparlament zu führen.

Wahlkampf in Berlin zwischen Frust und Aufbruch

Die dpa-Meldung zeichnet ein Bild einer Hauptstadt, in der Alltagssorgen den Wahlkampf prägen: Vermüllte Straßen, steigende Mieten, sichtbare Obdachlosigkeit und ein subjektiv geschwächtes Sicherheitsgefühl rücken soziale Fragen in den Vordergrund. Vor diesem Hintergrund versuchen die Parteien, Profil zu gewinnen – teils mit klassischen ordnungspolitischen Ansätzen, teils mit regulierenden oder sozialpolitischen Konzepten. Für viele Berlinerinnen und Berliner wird die Wahl damit zu einer Abstimmung darüber, wie viel staatliche Steuerung und wie viel individuelle Verantwortung sie sich in ihrem Stadtalltag wünschen.

Wohnungsmarkt als zentrale Konfliktlinie

Besonders deutlich zeigt sich die Spannung am Wohnungsmarkt. Die dpa beschreibt eine Situation, in der Familien auf engem Raum leben, während ältere Menschen oft in zu großen Wohnungen verbleiben, weil passende Alternativen fehlen. Die Diskussion um eine mögliche Enteignung großer Immobilienkonzerne mit rund 270.000 Wohnungen steht exemplarisch für die Frage, wie weit Eingriffe in Eigentumsrechte gehen dürfen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Gleichzeitig warnen Gegner, ein solcher Schritt könne Investitionen in Neubau ausbremsen. Für die Leserinnen und Leser wird damit klar: Die Wahlentscheidungen haben unmittelbare Folgen für Mietpreise, Quartiersentwicklung und die zukünftige Stadtstruktur.

Stadtentwicklung, Personalien und politische Weichenstellungen

Auch andere Themen wie die Zukunft des Tempelhofer Feldes oder der Umgang mit öffentlichem Raum zeigen, dass es um langfristige Weichenstellungen geht: Soll Freifläche und Frischluftschneise geschützt werden oder der Druck am Wohnungsmarkt durch Randbebauung abgemildert werden? Die Personaldebatte um den Rückzug von Kai Wegner und den Aufstieg von Stefan Evers sowie die Chancen der Linken mit Elif Eralp unterstreichen zugleich, dass es nicht nur um Sachfragen, sondern auch um Vertrauen in neue Gesichter geht. Die Entscheidung der Berlinerinnen und Berliner dürfte damit weit über den Wahltag hinaus bestimmen, ob das Image der Stadt eher „teuer und schäbig“ oder wieder stärker als lebenswert und gestaltbar wahrgenommen wird.

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