ROUNDUP, Bauern

Bauern sehen schwierige GeschÀftslage 2025 - politisch aktiv

12.01.2025 - 14:31:41 | dpa.de

Vor einem Jahr rollten aufgebrachte Bauern mit Traktoren durch die Republik.

Und auch diesmal bringen sich die Landwirte zur Messe GrĂŒne Woche in Berlin wieder politisch in Stellung. Denn es lĂ€uft der Bundestagswahlkampf. "Wir brauchen einen echten Neustart in der Landwirtschaftspolitik", sagte BauernprĂ€sident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. Zum großen Jahresauftakt der ErnĂ€hrungswirtschaft ab Freitag sieht die Branche eine anhaltend schwierige GeschĂ€ftslage - und appelliert auch an die Supermarktkunden.

"Der Motor stottert weiter, das ist leider so", sagte Rukwied. "Bei Getreide ist das Stottern sogar stĂ€rker geworden, denn die Perspektiven auf den MĂ€rkten sind eher dĂŒster." Bei der Schweinehaltung, die zuletzt als einziger Bereich ein ordentliches Ergebnis erzielt habe, zeigten sich rĂŒcklĂ€ufige Preise. "Daher mĂŒssen wir dort auch mit rĂŒcklĂ€ufigen Ergebnissen rechnen." Arbeitsintensive Kulturen wie Spargel, Erdbeeren oder Wein belaste zusĂ€tzlich die Erhöhung des Mindestlohns. "Der einzige Lichtblick ist im Moment der Milchsektor."

Gewinneinbruch nach Rekordjahr

Nach zuvor guten Gewinnen hatte sich die Stimmung unter Landwirten schon eingetrĂŒbt. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2023/24 sackten die Ergebnisse der Betriebe im Schnitt auf 77.500 Euro ab. Dies lag um 29 Prozent unter dem Rekordniveau des Wirtschaftsjahres zuvor. Vom Gewinn sind unter anderem auch noch Investitionen zu finanzieren. Vielen Höfen machen weiter hohe Kosten fĂŒr Energie, Pflanzenschutz und DĂŒnger zu schaffen.

Zur Lage auf den Feldern sagte Rukwied, Weizen, Gerste oder Raps stĂŒnden "im Moment ordentlich da". NiederschlĂ€ge im Herbst und auch jetzt im Winter hĂ€tten die WasservorrĂ€te im Boden aufgefĂŒllt. "Insofern haben wir ordentliche Startbedingungen. Aber bis zur Ernte im Juli kann noch vieles geschehen."

Bauern spĂŒren noch UnterstĂŒtzung

Anspannung gibt es ebenso auf dem politischen Feld. Das zeigt sich auch zur Agrarmesse GrĂŒne Woche, die an diesem Freitag in der Hauptstadt beginnt. Bis zum 26. Januar prĂ€sentieren sich in den Hallen unter dem Funkturm 1.500 Aussteller aus fast 60 LĂ€ndern. FĂŒr Cem Özdemir (GrĂŒne) wird die Messe auch eine Abschiedstour als Agrarminister. Knapp einen Monat spĂ€ter kommt schon die Bundestageswahl - mit der Landwirtschaft als Wahlkampfthema.

Dabei sind die Bauernproteste von Anfang 2024 noch in Erinnerung - ausgelöst durch das Ende fĂŒr SteuervergĂŒnstigungen beim Agrardiesel, das die damalige Ampel-Koalition abrupt verkĂŒndete. "Wir haben die Bedeutung der heimischen Lebensmittelerzeugung gerade in politisch fragilen Zeiten im positiven Sinne an die Esstische und ins Zentrum der Diskussion bringen können", sagte Rukwied rĂŒckblickend. "Die UnterstĂŒtzung spĂŒren wir heute noch tagtĂ€glich."

"Nicht nur auf letzten Cent schauen"

Die kĂŒnftige Regierung dĂŒrfe nicht nur etwas an Stellschrauben drehen, machte der BauernprĂ€sident klar. "Klima- und Umweltschutz, BiodiversitĂ€t und Tierwohl sind Themen, die wir natĂŒrlich weiterhin intensiv bearbeiten. Aber wir brauchen eine VerĂ€nderung in den Köpfen: Raus aus dem Krisendenken, rein in einen Lösungsansatz." Soll heißen: unternehmerische Freiheiten, Innovationen, ein Ende "bĂŒrokratischer Fesseln". Die Union will den "Kardinalfehler" beim Agrardiesel nach der Wahl korrigieren, wie Fraktionsvize Steffen Bilger betonte.

Auf die Supermarktkunden kommt es der Branche zur Messe, die eine große Probiermeile ist, ebenfalls an. "Es braucht ein noch stĂ€rkeres Engagement der Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkaufen", sagte Rukwied. "Auch ich erfreue mich beispielsweise am Silvesterfeuerwerk. Aber wenn Millionen Euro fĂŒr Böller ausgegeben werden, sollte man bei Lebensmitteln nicht nur auf den letzten Cent schauen - sondern auch gezielt zu heimischen Produkten greifen."

Investitionen in StĂ€lle fĂŒr 20 Jahre

"Wir arbeiten mit am nachhaltigsten, was Umweltschutz und Tierwohl betrifft. Das muss sich auch in höheren Preisen widerspiegeln", argumentierte der BauernprĂ€sident. Die Wertschöpfung in der Lebensmittelkette bis zum Handel mĂŒsse dann aber auch gleichmĂ€ĂŸig verteilt werden. "Es ist unabdingbar, dass mehr bei uns Bauern ankommt."

Tierhalter brauchten eine Finanzierung fĂŒr den Wandel zu besseren Bedingungen und dazu Planungssicherheit. "Wenn ein Landwirt in einen neuen Stall investiert, muss er sicher sein, ihn 20 Jahre ohne weitere Umbauten nutzen zu können - egal, ob sich noch Vorgaben verĂ€ndern."

Bei Bio-Lebensmitteln zeichnet sich nach Branchenangaben ab, dass das in der hohen Inflation gebremste GeschÀft wohl weiter in Schwung gekommen ist. In der Landwirtschaft sei "eine verhaltene Umstellungsbereitschaft" zu Bio da, sagte Rukwied.

Das von der Regierung fĂŒr 2030 gesetzte Ziel von 30 Prozent Bio-FlĂ€chen sei noch weit entfernt. Der Anteil stieg weiter, aber nur leicht auf 11,4 Prozent der gesamten AgrarflĂ€che Ende 2023. "Am Ende entscheiden es die Verbraucherinnen und Verbraucher an der Ladentheke", sagte Rukwied.

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