Saudi-Arabien, VAE

Amnesty formuliert Erwartungen an Golfreise von Merz

04.02.2026 - 07:45:03 | dts-nachrichtenagentur.de

Vor seiner am Mittwoch beginnenden Reise in drei Golf-LĂ€nder fordert Amnesty International Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf, dort die "Achtung universellen Rechts" einzufordern."Die Bundesregierung darf nicht immer wieder denselben Fehler machen und zur Förderung vermeintlicher `StabilitĂ€t` ausgerechnet solche Regierungen stĂ€rken, die systematisch universelle Menschenrechte verletzen", sagte Katja MĂŒller-Fahlbusch, Expertin fĂŒr den Nahen Osten und Nordafrika bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Deutschland, dem "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe).Echte StabilitĂ€t beruhe auf dem Respekt der Menschenrechte und des Völkerrechts, davon könne mit Blick auf die Regierungen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aber nicht die Rede sein, sagte MĂŒller-Fahlbusch.

Friedrich Merz am 03.02.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Merz will neben diesen beiden LĂ€ndern Katar besuchen.

"In Saudi-Arabien wurden allein in der ersten JahreshĂ€lfte 2025 mehr als 180 Menschen hingerichtet, der Großteil von ihnen wegen Drogendelikten. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht", sagte die Vertreterin von Amnesty International. Aktivisten, "die sich fĂŒr Freiheit und Menschenrechte einsetzen, sitzen nach grob unfairen Verfahren oft jahrzehntelang in Haft oder im Hausarrest". Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate unterdrĂŒcke nicht nur brutal jegliche Regierungskritik im eigenen Land, sondern trage mit den Waffenlieferungen an die sudanesischen RSF aktiv zu einer der grĂ¶ĂŸten humanitĂ€ren Katastrophen der Welt bei. "Wenn Bundeskanzler Merz echte StabilitĂ€t in der Region fördern will, dann muss er diese Punkte ganz offen anprangern und die Achtung universellen Rechts in den Golfstaaten einfordern."

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, JĂŒrgen Hardt, warb fĂŒr mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Golf-Staaten. "Wirtschaftliche Interessen und sicherheitspolitische Notwendigkeiten ergĂ€nzen sich aus deutscher Sicht nirgends so wie am Golf. Der Kanzler wird offensiv fĂŒr die Investitionsmöglichkeiten in Deutschland werben", sagte Hardt dem "Tagesspiegel".

Ein wichtigstes aktuelles Thema der Merz-Reise werde die Entwicklung im Iran sein, sagte Hardt. FĂŒr den Bundeskanzler komme es dabei darauf an, die Position der arabischen LĂ€nder persönlich zu erfahren. "Aus deutscher Sicht steht im Mittelpunkt, wie die Aggression des Iran gegenĂŒber anderen LĂ€ndern der Region - insbesondere gegenĂŒber Israel - dauerhaft beendet werden kann." Ebenso gehe es darum, "wie das fortgesetzte Morden des iranischen Regimes an der eigenen Bevölkerung gestoppt werden kann", sagte Hardt.

Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte dem "Tagesspiegel", die Golf-Region sei "ein wichtiger strategischer Partner - fĂŒr regionale StabilitĂ€t ebenso wie fĂŒr Handel und grĂŒne Energie sowie Investitionen und Diplomatie. Gerade die diplomatischen Einflussmöglichkeiten sind mit Blick auf die Konflikte wie in Gaza, Syrien und im Iran von zentraler Bedeutung. Gleiches gilt fĂŒr die BemĂŒhungen um ein Ende des nun seit mehr als 1.000 Tagen andauernden Krieges im Sudan." Mit Blick auf eigene sicherheitspolitische Interessen und europĂ€ischen Werte gelte es, "Themen, die uns noch trennen, in den GesprĂ€chen anzusprechen".

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