Pionierarbeit: Diese Frauen trotzen der MĂ€nnerdomĂ€ne FuĂball
13.04.2026 - 13:30:00 | dpa.deAm Samstag wird Marie-Louise Eta (34) Bundesliga-Geschichte schreiben: Sie ist die erste Cheftrainerin eines MĂ€nnerteams. Ihre Beförderung beim 1. FC Union Berlin markiert einen Meilenstein im mĂ€nnlich dominierten ProfifuĂball. Die frĂŒhere Nationalspielerin reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Frauen, die Pionierarbeit leisten - ob als Trainerin, Moderatorin oder Aktivistin. Ein Ăberblick ĂŒber zentrale Vorreiterinnen.
Bibiana Steinhaus-Webb
Bibiana Steinhaus-Webb war 2017 die erste Frau, die ein Spiel in der MĂ€nner-Bundesliga leitete. «Ich wollte immer nur nach Leistung bewertet werden», betonte die 47-JĂ€hrige, die ihre Karriere als Unparteiische 2021 beendete. Insgesamt pfiff Steinhaus-Webb in ihrer Laufbahn 23 Partien im Oberhaus, 92 in der 2. Bundesliga. Viermal wurde sie als Weltschiedsrichterin ausgezeichnet. AuĂerdem war sie die erste Frau, die sowohl das Finale einer Frauen-WM als auch das Finale eines olympischen FuĂballturniers der Frauen leitete.
Megan Rapinoe
Die US-Amerikanerin war nicht nur Nationalspielerin, sondern auch Aktivistin und starke Stimme neben dem Platz. Die frĂŒhere Ballon-d'Or-Gewinnerin kĂ€mpfte wĂ€hrend ihrer Karriere immer wieder gegen Sexismus, Homophobie und Rassismus und scheute dabei auch keine Konfrontation mit US-PrĂ€sident Donald Trump. «Als ich Ă€lter geworden bin, habe ich erkannt, wie mĂ€chtig eine Stimme sein kann», sagte die frĂŒhere KapitĂ€nin des US-Teams einmal. 2012 hatte sich Rapinoe offen zu ihrer HomosexualitĂ€t bekannt.Â
Tatjana HaenniÂ
Seit Januar ist Tatjana Haenni die Vorsitzende der GeschĂ€ftsfĂŒhrung bei RB Leipzig und damit aktuell die einzige Frau an der Spitze eines Bundesligisten. Haenni war Schweizer Nationalspielerin und arbeitete auch als Trainerin. Sie gilt seit Jahren als eine der groĂen treibenden KrĂ€fte im FrauenfuĂball. Bei der UEFA und bei der FIFA hatte sie verantwortliche Posten, ebenso in der US-Frauenliga NWSL als Sportdirektorin. Haenni organisierte auch die Frauen-WM 2011 in Deutschland mit. AuĂerdem war die 59-JĂ€hrige die erste Frau in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung des Schweizer FuĂball-Verbandes.Â
Katja Kraus
Zu den einflussreichsten Frauen im deutschen FuĂball gehört auch Katja Kraus. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Werbeagentur Jung von Matt/sports war nach ihrer aktiven Karriere als Bundesligaspielerin Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, Vorstandsmitglied beim Hamburger SV und Mitglied des Aufsichtsrats von adidas. «Eine Reihe von MĂ€nnern hat sich damit schwergetan. In der Anfangszeit wurde beharrlich nach meinen Fehlern gesucht», berichtete Kraus jĂŒngst in einem Interview auf der Plattform «B42». Die Union-Entscheidung pro Eta begrĂŒĂt sie: «Sie wird definitiv ein Vorbild sein. Wir brauchen diese Vorbildfunktion», sagte sie der dpa.
Claudia Neumann
Die ZDF-Sportreporterin schrieb 2016 Fernsehgeschichte als erste Frau, die bei einem EM-Spiel der MĂ€nner am Mikrofon saĂ. In den Folgejahren kommentierte sie WM-Spiele oder 2023 das MĂ€nner-Finale der Champions League. Immer wieder wurde sie zum Opfer sexistischer Beleidigungen und im Netz mit HĂ€me und Kritik ĂŒberschĂŒttet. Das ZDF stellte sogar phasenweise die Kommentar-Funktion in den sozialen Medien ab. «Wir reden hier ĂŒber gesellschaftliche Probleme: Hass im Netz, Frauenfeindlichkeit, der aggressive Umgang miteinander, an den wir uns fast schon gewöhnt haben», sagte Neumann einmal im Interview der «teleschau».Â
Sabrina Wittmann
Mit ihrer Beförderung zur Interims- und spĂ€ter Cheftrainerin hatte Sabrina Wittmann 2024 deutsche FuĂball-Geschichte geschrieben. Dies sei schon ein «Rucksack» gewesen, sagte die erste Trainerin im deutschen MĂ€nner-ProfifuĂball jĂŒngst in einem Podcast. «Der war schon ein bisschen schwerer, als ich gedacht hĂ€tte, um ehrlich zu sein.» Doch Wittmann setzte sich durch. Im Januar 2026 erhielt sie nach einem Lehrgang vom Deutschen FuĂball-Bund die DFB Pro-Lizenz. Im MĂ€rz verlĂ€ngerte Ingolstadt den Vertrag mit Wittmann.Â
Donata Hopfen
«Gebt der Frau eine Chance», hatte Christian Seifert Ende 2021 appelliert, bevor Donata Hopfen seine Nachfolge antrat und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Deutschen FuĂball Liga wurde. Doch ihre Zeit an der DFL-Spitze war schneller vorbei als gedacht: Nach knapp einem Jahr wurde die bis dahin mĂ€chtigste Frau im deutschen FuĂball wieder abgesetzt. FĂŒr Kritik sorgte wĂ€hrend ihrer Amtszeit unter anderem ein Interview, in dem Hopfen Playoffs in der Bundesliga und einen deutschen Supercup in Saudi-Arabien zunĂ€chst nicht ausgeschlossen hatte.Â
Inka Grings
Grings ĂŒbernahm im April 2019 den damaligen West-Regionalligisten SV Straelen im Abstiegskampf - und wurde so zur ersten Frau, die ein Team aus einer der ersten vier MĂ€nner-Ligen Deutschlands trainierte. Sie stieg mit dem Club ab und prompt wieder auf. Danach verlieĂ die inzwischen 47-JĂ€hrige den Verein, sie wollte eine neue Herausforderung. Gegen Vorurteile habe sie sich kaum wehren mĂŒssen, sagte Grings der dpa. «Die Spieler bestĂ€tigen, worauf es ankommt: nĂ€mlich ob du QualitĂ€ten, Kompetenzen hast, ob du authentisch bist, fĂŒhren kannst. Und warum soll ich das als Frau nicht können?» Auch Imke WĂŒbbenhorst coachte 2020 in Lotte einen MĂ€nner-Viertligisten.Â
Nicole Kumpis
Nicole Kumpis wurde 2022 zur PrĂ€sidentin des damaligen Drittligisten Eintracht Braunschweig gewĂ€hlt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten stand wieder eine Frau an der Spitze eines deutschen ProfifuĂball-Clubs. «Mein Handy stand nicht still. Es hat gröĂere Wellen geschlagen, als ich es erwartet hĂ€tte», berichtete Kumpis damals. In ihrem Wahlkampf ging es Kumpis erklĂ€rtermaĂen nie um die Geschlechterfrage. «Ich habe dazu im Vorfeld gesagt, dass mir das nicht wichtig ist. Es setzt aber ein Zeichen und das muss es auch.» 1986 war die FDP-Politikerin Gisela Schwerdt fĂŒr acht Monate PrĂ€sidentin des damaligen Zweitligisten Arminia Bielefeld. Der TSV 1860 MĂŒnchen stieg 1991 unter Vereinschefin Liselotte Knecht von der Bayernliga in die 2. Liga auf.
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