Krisendiplomat JÀger soll BND noch schlagkrÀftiger machen
11.09.2025 - 05:15:41Der erfahrene Krisendiplomat Martin JĂ€ger soll den Bundesnachrichtendienst angesichts von Kriegen, Krisen und wachsender hybrider Bedrohung noch schlagkrĂ€ftiger machen. «Unser Anspruch muss sein, dass wir auch nachrichtendienstlich das allerhöchste Niveau erreichen», sagte der Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr die Nachrichtendienste und Kanzleramtschef Thorsten Frei der Deutschen Presse-Agentur zum FĂŒhrungswechsel an der Spitze des deutschen Auslandsnachrichtendienstes.
JĂ€ger war zuletzt deutscher Botschafter in der Ukraine. Er löst zwei Tage nach seinem 61. Geburtstag bei einem festlichen Empfang in der BND-Zentrale mitten in Berlin offiziell Bruno Kahl als BND-PrĂ€sident ab. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird zu dem Festakt erwartet. Der 63 Jahre alte Kahl wechselt nach neun Jahren im Amt auf eigenen Wunsch als deutscher Vertreter an den Heiligen Stuhl in Rom.Â
Kanzleramt: BND muss operative FĂ€higkeiten steigern
Frei schrieb JĂ€ger ins Auftragsbuch, den Dienst operativer zu machen. «Die LeistungsfĂ€higkeit bemisst sich zuerst an der FĂ€higkeit zur Gewinnung relevanter geheimer Informationen.» Hierzu mĂŒsse der BND rechtlich und technisch in der Lage sein. Der Dienst mĂŒsse mit seinen Partnern im Inland, allen voran der Bundeswehr, aber auch den europĂ€ischen und internationalen Partnern noch intensiver als bisher zusammenarbeiten. «Dazu bedarf es einer weiteren Steigerung der operativen FĂ€higkeiten des BND», verlangte Frei.
Geheimdienstkontrolleur: AufklÀrungsarbeit des BND stÀrken
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste, Marc Henrichmann, forderte eine Reform der Befugnisse des Geheimdienstes. «Der BND braucht unter JĂ€ger, der sowohl politik- als auch krisenerprobt ist, bedrohungsangepasste Befugnisse, Personal und eine hochwertige technische Ausstattung, um unser Land wirksam vor Feinden schĂŒtzen zu können», sagte der CDU-Politiker der dpa. Vor dem Hintergrund tĂ€glich wachsender Bedrohung und Eskalation durch Russland und China seien leistungsstarke Nachrichtendienste eine Lebensversicherung.Â
JĂ€ger habe als erfahrener Krisendiplomat, der in Afghanistan, Irak und zuletzt in Kiew tĂ€tig gewesen sei, die Aufgabe, den BND widerstandsfĂ€higer zu machen und dessen nachrichtendienstliche AufklĂ€rungsarbeit zu stĂ€rken. «Gerade in Zeiten stetig wachsender Bedrohung, mit mittlerweile regelmĂ€Ăigen Spionage- und Sabotageaktionen, mĂŒssen wir top aufgestellt sein», sagte Henrichmann.
GrĂŒne fordern Sicherheitsoffensive gegen hybride Bedrohungen
Die Bundestags-GrĂŒnen fordern zum Wachwechsel beim BND eine bessere Vernetzung der Sicherheitsbehörden von Landes-, Bundes- und Europaebene. «Eine echte Sicherheitsoffensive der Bundesregierung gegen hybride Bedrohungen steht aus und bleibt ĂŒberfĂ€llig», sagte der stellvertretende Fraktionschef Konstantin von Notz der Deutschen Presse-Agentur. Nötig sei zudem ein aktuelles und einheitliches Gesamtlagebild.Â
Es sei erfreulich, dass der Bundesnachrichtendienst mit JĂ€ger einen erfahrenen und kompetenten neuen PrĂ€sidenten bekomme, lobte von Notz, der auch Vize-Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestages ist. Die Nachrichtendienste stĂŒnden vor gewaltigen Herausforderungen. Hybride Angriffe aus Russland und anderen autoritĂ€ren Staaten, Spionage, Sabotage und Desinformationen bedrohten Sicherheit und Freiheit. Eine adĂ€quate Antwort der Bundesregierung mĂŒsse zwingend eine umfassende und zeitnahe Reform des Nachrichtendienstrechts beinhalten. «Mit ihr muss eine StĂ€rkung der Dienste und der Kontrolle gleichermaĂen kommen», verlangte er.
Kritiker: Operative Möglichkeiten des BND zu stark beschnitten
Im Vergleich zu Partnerdiensten wie in den USA seien operative Möglichkeiten des BND zuletzt zu stark beschnitten worden, bemĂ€ngeln Kritiker. Zugleich wurde die Kontrolle durch den Bundestag ausgebaut. DemgegenĂŒber stehen Stimmen aus der Politik, die kritisieren, der BND sei in manchen Bereichen zu stark auf Informationen von befreundeten Diensten angewiesen.
Martin JĂ€ger: Krisendiplomat mit Wirtschaftserfahrung
Der im baden-wĂŒrttembergischen Ulm geborene JĂ€ger ging nach dem Studium der Völkerkunde und der Politik in MĂŒnchen in den AuswĂ€rtigen Dienst. Nachdem er noch in Bonn im AuswĂ€rtigen Amt begonnen hatte, wurde er Referent im Kanzleramt und 2002 Referent an der Botschaft in Prag. Nach einer Zwischenstation als stellvertretender Referatsleiter im Kanzleramt in Berlin war er von 2005 bis 2008 Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts. AnschlieĂend wechselte er bis 2013 als Leiter des Bereichs AuĂenbeziehungen zur Daimler AG.
Von 2013 bis 2014 arbeitete JĂ€ger als Botschafter in der afghanischen Hauptstadt Kabul, anschlieĂend war er bis 2016 unter dem damaligen Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) Leiter des Leitungsstabes. Nach Zeiten als StaatssekretĂ€r im baden-wĂŒrttembergischen Innenministerium (2016 bis 2018) und im Entwicklungsministerium (2018 bis 2021) vertrat JĂ€ger Deutschland von 2021 bis 2023 als Botschafter in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Seit 2023 war er Botschafter in Kiew.





