Sabotageplan fĂŒr Russland? Drei MĂ€nner vor Gericht
17.03.2026 - 04:05:04 | dpa.de
Drei MĂ€nner sollen als Agenten im Auftrag Russlands AnschlĂ€ge auf den GĂŒterverkehr in Deutschland vorbereitet haben - am Dienstag (9.15 Uhr) startet nun unter hohen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen sie. Der Generalbundesanwalt wirft den MĂ€nnern im Alter von 22, 25 und 30 Jahren AgententĂ€tigkeit und Verabredung zu BrandanschlĂ€gen im Auftrag eines russischen Nachrichtendienstes vor.Â
Die Beschuldigten waren im Mai vergangenen Jahres in Köln, Konstanz und im Schweizer Kanton Thurgau festgenommen worden. Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zufolge sollen sie Teil eines Sabotageplans gewesen sein, der auf Transportwege eines Paketdienstleisters abzielte.
Im Visier: Das SicherheitsgefĂŒhl der Bevölkerung
Nach Darstellung der Anklage verschickten die MĂ€nner im MĂ€rz 2025 ĂŒber einen ukrainischen Postdienst zwei Pakete mit GPS-Trackern in Richtung Ukraine. Den Auftrag hierzu soll laut Generalbundesanwalt ein russischer Nachrichtendienst erteilt haben - ĂŒber MittelsmĂ€nner aus der ukrainischen Stadt Mariupol. Damit sollten Routen und TransportablĂ€ufe bei dem Paketdienstleister ausgeforscht werden.Â
Im nĂ€chsten Schritt hĂ€tten die Angeklagten nach Angaben der Ermittler Pakete mit BrandsĂ€tzen verschicken sollen, die sich wĂ€hrend des Transports entzĂŒnden. Solche Pakete sollten sich laut Bundesanwaltschaft «in Deutschland oder sonst auf dem Weg in nicht von Russland besetzte Teile der Ukraine entzĂŒnden und möglichst groĂen Schaden verursachen, um das SicherheitsgefĂŒhl der Bevölkerung zu beeintrĂ€chtigen». Die drei MĂ€nner hĂ€tten zugesagt, die Pakete zu verschicken, so der Vorwurf.
Fall in Leipzig
Der Fall erinnert an einen anderen von 2024 in Leipzig: Damals entzĂŒndete sich im DHL-Logistikzentrum ein Luftfrachtpaket -Sicherheitskreise gehen aus, dass es im Auftrag Russlands platziert war. Deutschland entging damals nach EinschĂ€tzung des Verfassungsschutzes nur knapp einem Flugzeugabsturz. Es sei einem Zufall zu verdanken, dass das Paket noch am Boden und nicht wĂ€hrend des Fluges in Brand geraten sei, sagte der damalige Verfassungsschutz-PrĂ€sident Thomas Haldenwang.Â
Staatsschutzverfahren in Stammheim
Den in Stuttgart Angeklagten wird nun vorgeworfen, sich zur schweren Brandstiftung verabredet zu haben und als Agenten zu Sabotagezwecken gearbeitet zu haben. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Der Mann, der in der Schweiz festgenommen worden war, wurde im Dezember 2025 nach Deutschland ausgeliefert. Bis zu einem rechtskrÀftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Der Prozess wird als Staatsschutzverfahren verhandelt. Bislang sind bis Ende September mehr als 30 Verhandlungstage im stark gesicherten ProzessgebÀude in Stuttgart-Stammheim angesetzt.
Neue Methoden russischer Dienste
Nach EinschĂ€tzung des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz hat sich die Bedrohung durch russische Spionage, Sabotage und Desinformation seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine deutlich verschĂ€rft. Eine Mischung staatlicher, staatlich gesteuerter sowie privater Akteure prĂ€gt demnach die nachrichtendienstliche Bedrohungslage durch Russland.
Beobachtet wird laut Verfassungsschutz zudem eine Strategie russischer Akteure, fĂŒr Spionage- oder Sabotageaktionen Personen aus dem kleinkriminellen Milieu anzuwerben, die gegen Bezahlung AuftrĂ€ge ĂŒbernehmen. Hintergrund ist nach EinschĂ€tzung deutscher Sicherheitsbehörden, dass klassische Geheimdienstoperationen mit professionellen Spionen durch Sanktionen und die erhöhte Wachsamkeit westlicher Dienste schwieriger geworden sind.
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