Weiterer LĂ€nder-Widerstand gegen Abschaffung der Rente mit 63
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 14:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur.deDie Renten-Reformkommission hatte die Abschaffung der abschlagsfreien Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte vorgeschlagen. Dagegen sprachen sich nun ostdeutsche MinisterprĂ€sidenten von CDU und SPD aus. Mit der SPD-Vizechefin und saarlĂ€ndischen Regierungschefin Rehlinger bekommen sie nun prominente UnterstĂŒtzung aus einem westdeutschen Bundesland.
"In Rente sollte man nicht erst gehen dĂŒrfen, wenn der Körper streikt", sagte Rehlinger. Das Rentenpaket mĂŒsse nicht komplett aufgeschnĂŒrt werden, aber an entscheidenden Punkten mĂŒsse der Bundestag Ănderungen vornehmen.
Die Sozialdemokratin schlĂ€gt in der Debatte um die Empfehlungen der Rentenkommission einen Kompromiss vor: "Markus Söder hat sich glasklar gegen die Minijob-Regelung ausgesprochen, ich hĂ€tte kein Problem damit, ihm entgegenzukommen", sagte Rehlinger an die Adresse des CSU-Vorsitzenden und MinisterprĂ€sidenten von Bayern. Im Gegenzug sollten wir eine gerechte Rente fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte erreichen, die mehr nach Beitragsjahren schaut statt nur nach Lebensalter.
Auch der SPD-Spitzenkandidat in Berlin, Steffen Krach, fordert die Bundesregierung auf, auf die geplante Abschaffung der sogenannten "Rente mit 63" zu verzichten. "Wir mĂŒssen die abschlagsfreie Rente nach 45 gearbeiteten Jahren behalten", sagte Krach dem "Tagesspiegel". "Alles andere ist ungerecht."
Bereits Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (ThĂŒringen, alle CDU) hatten sich am Wochenende gegen die Empfehlung der sogenannten Rentenkommission gestellt. Zuvor hatten schon die beiden SPD-LĂ€nderchefs Dietmar Woidke (Brandenburg) und Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) Kritik an dem Plan geĂ€uĂert. Die "Rente mit 63" ist ein gebrĂ€uchliches, aber nicht mehr ganz korrektes Schlagwort: Aktuell ist der frĂŒhere Renteneintritt ohne AbschlĂ€ge bei ausreichend Versicherungszeit ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich.
Sowohl in Berlin als auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird in diesem September gewĂ€hlt. Krach, der auch Co-Landesvorsitzender seiner Partei ist, kĂ€mpft dabei gegen schlechte Umfragewerte an. Aktuell liegt die Berliner SPD in den Erhebungen abgeschlagen auf Rang 5, hinter Linkspartei, CDU, AfD und GrĂŒnen.
Widerspruch kommt dagegen von Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther (CDU). GĂŒnther sagte der "Welt": "Wir sollten das Rentenpaket nicht noch einmal aufschnĂŒren, sondern das, was jetzt vereinbart ist, zĂŒgig umsetzen." Man habe bereits zu viele Jahre ins Land ziehen lassen und so dafĂŒr gesorgt, dass das Rentensystem nicht mehr zukunftsfĂ€hig sei.
GĂŒnther gestand ein, dass das Rentenpaket mit Einschnitten verbunden sei, "die auch wehtun". Andererseits hĂ€tten Union und SPD auch eine Verantwortung gegenĂŒber den nachfolgenden Generationen. "Das Rentensystem funktioniert so dauerhaft nicht mehr." Mit Blick auf das von Schwarz-Rot in Berlin geplante Rentenpaket sagte er: "Von daher ist es jetzt absolut notwendig, es umzusetzen, wie es ist, und nicht wieder Debatten darĂŒber zu fĂŒhren, welche MaĂnahmen zurĂŒckgenommen werden."
Trotz des demographischen Wandels ist die Zahl der versicherungspflichtig BeschĂ€ftigten in den vergangenen 20 Jahren um fast 10 Millionen gestiegen. Das ist auch auf die Zunahme auslĂ€ndischer BeschĂ€ftigter zurĂŒckzufĂŒhren.
