Greenpeace, Bohrplatz

Greenpeace protestiert auf Bohrplatz gegen Gasförderung

01.08.2025 - 08:05:39

Wenige Tage vor dem Beginn der umstrittenen Erdgasbohrung in der Gemeinde Reichling (Landkreis Landsberg am Lech) unweit des Ammersees sind UmweltschĂŒtzer in das umzĂ€unte GelĂ€nde eingedrungen.

Auf einer fĂŒnf Meter hohen Bambus-Konstruktion auf dem Bohrplatz hissten die 13 Greenpeace-Aktivisten eine große Fahne mit der Forderung "Kein neues Gas!", ein Mitglied der Gruppe hing an einem Seil in mehreren Metern Höhe.

Aufbau des Bohrturms ist bereits bei Behörde angemeldet

Nachdem der Bohrplatz in den vergangenen Monaten gerodet und planiert worden war, hatte das Unternehmen in dieser Woche bei der Regierung von Oberbayern den Beginn der Aufbauarbeiten der Bohranlage fĂŒr den 29. Juli 2025 angezeigt. Am Montagnachmittag waren bereits Kranteile zur Aufstellung des Bohrturms und in der vergangenen Wochen Spezialtanks zur Lagerung gefĂ€hrlicher FlĂŒssigkeiten angeliefert worden.

Genauer Termin fĂŒr Bohrbeginn ist noch offen

Wann die Bohrung genau beginnen wird, war zunĂ€chst noch offen. Nach Angaben der Regierung von Oberbayern muss das Unternehmen die Behörde zunĂ€chst ĂŒber den Abschluss der Aufbauarbeiten und den Beginn der Bohrarbeiten informieren. Entsprechende Mitteilungen lĂ€gen bislang noch nicht vor, sagte ein Sprecher. "Vor einem Bohrbeginn ist der Regierung von Oberbayern außerdem durch aktuelle SachverstĂ€ndigen-PrĂŒfberichte die technische MĂ€ngelfreiheit der Anlage zu bestĂ€tigen."

UrsprĂŒnglich hatten die Bohrarbeiten im ersten Quartal 2025 beginnen sollen, hatten sich aber immer wieder verzögert. Unter Verweis auf Reichlings BĂŒrgermeister Johannes Hintersberger (CSU) berichtete die "Augsburger Allgemeine", dass die Bohrung "nĂ€chste Woche starten" werde.

Greenpeace: Verstoß gegen klimapolitische Verantwortung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestiert gemeinsam mit Anwohnern und anderen UmweltverbĂ€nden bereits seit Bekanntwerden der PlĂ€ne gegen die Gasförderung in Reichling. "Jetzt noch neue fossile Erdgasvorkommen wie hier in Reichling zu erschließen, macht uns fĂŒr weitere Jahrzehnte abhĂ€ngig von Erdgas. Das ist unverantwortlich", sagt Saskia Reinbeck, Klimaschutz-Expertin von Greenpeace Bayern. Sie forderte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie WĂ€hler) auf, diese und alle weiteren Gas-Bohrungen in Bayern zu stoppen.

Die Kritiker der Gasförderung verweisen zudem auf ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, der alle Staaten dazu verpflichtet, ihr Möglichstes zu tun, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Die Bohrung in Reichling widerspreche dem klar. Greenpeace befĂŒrchtet zudem, dass der ersten Bohrung noch weitere in der Region folgen könnten.

Förderdauer von 10 bis 15 Jahren geplant

Hinter den FörderplĂ€nen steht die "Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH", die zu 80 Prozent im Besitz der MRH Mineralöl-Rohstoff-Handel GmbH mit Sitz in DĂŒsseldorf ist und zu 20 Prozent von der Genexco GmbH gehalten wird. Sollte die Probebohrung erfolgreich sein, plant das Unternehmen eine Förderung von Erdgas ĂŒber zehn bis 15 Jahre. Es wird eine Gasmenge von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern vermutet, diese könnte in der Förderzeit den heimischen Gasbedarf von 10.000 bis 15.000 Haushalten decken. Ob das Gas aber wirklich gefördert werden kann, wird sich erst bei der Probebohrung herausstellen.

Projekt ist in Region sehr umstritten - Sorge um Trinkwasser

In der Gemeinde und bei Umwelt- sowie NaturschĂŒtzern ist das Projekt sehr umstritten. Immer wieder hatte es Proteste gegeben. Insbesondere sorgen sich die Menschen vor UmweltschĂ€den fĂŒr ihr Trinkwasser, sei es durch die Förderung als auch durch UnfĂ€lle oder Störungen rund um den Bohrplatz ĂŒber der Erde. Denn in direkter NĂ€he zum Bohrloch ist die Trinkwasserquelle des Ortes. Die Region sorgt sich zudem vor negativen Auswirkungen auf Immobilienpreise und den Wirtschaftsfaktor Tourismus. Das Unternehmen hatte seinerseits immer betont, es bestehe keine Gefahr fĂŒr die Umwelt.

@ dpa.de