Welches ist die beste Klinik wofĂŒr? Register soll helfen
13.09.2023 - 07:23:12Ăber Leistungen und BehandlungsqualitĂ€t der KrankenhĂ€user in Deutschland sollen sich Patientinnen und Patienten bald auf einem staatlichen Online-Verzeichnis informieren können. Das sehen GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor, die das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg gebracht hat.
Das «Transparenzverzeichnis» soll in verstĂ€ndlicher, interaktiver Form ĂŒber das Angebot am jeweiligen Klinikstandort informieren. Der Start wird fĂŒr April 2024 angestrebt. Das Gesetz soll eine geplante groĂe Krankenhausreform mit Neuregelungen zur Finanzierung ergĂ€nzen, auf deren GrundzĂŒge sich Bund und LĂ€nder mehrheitlich verstĂ€ndigt hatten.
Lauterbach sagte: «Mit dem interaktiven Krankenhaus-Atlas machen wir die QualitÀt der KrankenhÀuser transparenter und stÀrken so die individuelle Entscheidung der Patientinnen und Patienten.»
«Flickenteppich unterschiedlichster Krankenhaussuchportale»
Die Verbraucherzentralen unterstĂŒtzen die generelle StoĂrichtung zu mehr Klarheit. Der Gesundheitsexperte des Bundesverbands, Thomas Moormann, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Transparenz ist bislang keine StĂ€rke des Gesundheitssystems in Deutschland.»
Patientinnen und Patienten hĂ€tten es schwer, das fĂŒr sie am besten geeignete Krankenhaus zu finden. «Es gibt einen Flickenteppich unterschiedlichster Krankenhaussuchportale.» Man könne aber nicht erkennen, wie erfolgreich Behandlungen des jeweiligen Krankenhauses bei einem konkreten gesundheitlichen Problem sind.
«Mit einem gut gemachten Transparenzverzeichnis könnte sich das Ă€ndern», sagte Moormann. Damit es einen Mehrwert habe, mĂŒsse aber auch die tatsĂ€chliche ErgebnisqualitĂ€t der Behandlung bei Patienten erfragt und in einem solchen Verzeichnis abgebildet werden. AuĂerdem bestimmten Arzt-Patienten-GesprĂ€che die Entscheidung fĂŒr ein Krankenhaus maĂgeblich mit. Daher mĂŒssten Informationen zu Leistungen und QualitĂ€t der HĂ€user bereits in den Praxen verfĂŒgbar sein und in die GesprĂ€che einflieĂen können.
Klinik-Atlas fĂŒr Deutschland
Das Gesetz soll eine geplante groĂe Krankenhausreform ergĂ€nzen, auf deren GrundzĂŒge sich Bund und LĂ€nder mehrheitlich verstĂ€ndigt hatten. Dabei geht um eine Art Klinik-Atlas fĂŒr Deutschland: «Patientinnen und Patienten sollen erkennen können, welches Krankenhaus in ihrer NĂ€he welche Leistungen anbietet, und wie diese Klinik im Hinblick auf QualitĂ€t sowie Ă€rztliche und pflegerische Personalausstattung abschneidet», erlĂ€uterte das Ministerium.
Dazu sollen die Kliniken kĂŒnftig zusĂ€tzliche Daten melden mĂŒssen - unter anderem zu PflegekrĂ€ften, Ărztinnen und Ărzten. Ăber zwei beauftragte Institute sollen die Angaben dann mit vorhandenen anderen Daten zusammengefĂŒhrt und zur Veröffentlichung aufbereitet werden.
Eingeordnet werden sollen die Kliniken im Verzeichnis auch nach Versorgungsstufen («Level») - von der wohnortnahen Grundversorgung bis zu Maximalversorgern wie UniversitÀtskliniken. Den Stufen zugeteilt werden sollen sie auf Basis von 65 Leistungsgruppen, die medizinische Leistungen nÀher bezeichnen - etwa Infektiologie, Kinder- und Jugendchirurgie, Augenheilkunde, Urologie, Intensivmedizin.
Lauterbach pocht auf einheitliche Vorgaben
Um das Vorhaben hatte es im Ringen um eine generelle Neuaufstellung der Kliniken in Deutschland schon einigen Wirbel gegeben. Die LÀnder bremsten eine stÀrker steuernde Funktion dieser «Level» in der Reform selbst aus. Lauterbach pochte aber auf Transparenz und einheitliche Vorgaben zur BehandlungsqualitÀt.
Das Gesetz zur Krankenhausreform wollen Bund und LĂ€nder gemeinsam angehen, nachdem sie Eckpunkte dafĂŒr vereinbart haben. Das Verzeichnis macht der Bund nun in Eigenregie.
Dabei zielt das kĂŒnftige Info-Portal auf planbare Operationen und Behandlungen, fĂŒr die Patienten auch zu entfernteren Kliniken fahren. In NotfĂ€llen muss es meistens möglichst schnell ins nĂ€chste geeignete Haus gehen. Das Ministerium verspricht sich von mehr Vergleichbarkeit auch Motivation fĂŒr die Kliniken zu QualitĂ€tsverbesserungen.
Sorge um Planungskompetenz der LĂ€nder
Aus den LĂ€ndern und der Branche kamen aber auch Warnungen. Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er sehe die Gefahr, dass Patienten durch die «Level»-Zuordnung auf eine falsche FĂ€hrte gelockt wĂŒrden.
Das gefĂ€hrde die Akzeptanz besonders kleinerer Einrichtungen in der Bevölkerung. Es drohe auch eine Fehlsteuerung von Patienten und damit eine Ăberlastung von Schwerpunkt- und Maximalversorgern durch leichte FĂ€lle. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft monierte bereits einen massiven Eingriff in die Planungskompetenz der LĂ€nder.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert eine stĂ€rkere Beteiligung der Patienten. «Eine patientenorientierte QualitĂ€tsinformation kann es nicht ohne eine umfassende Patientenbeteiligung geben", sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der «Augsburger Allgemeinen«. Der SoVD fordert auĂerdem, dass das Transparenzverzeichnis «von einer unabhĂ€ngigen, staatsfernen und sich allein dem Patienteninteresse verpflichteten Stelle» veröffentlicht wird und nicht durch eine staatliche Behörde.









