ROUNDUP, Wind

Wind könnte Feuer in Los Angeles neu anfachen - 24 Tote

13.01.2025 - 05:59:59

Wettlauf mit der Zeit in Los Angeles: Feuerwehrleute versuchen, die heftigen BrÀnde einzudÀmmen, bevor zunehmende Winde sie wieder eskalieren lassen.

Die Zahl der bestĂ€tigten TodesfĂ€lle stieg auf 24, weitere Menschen werden noch vermisst. Mehr als 100.000 Bewohner mussten ihre HĂ€user verlassen und durften weiterhin nicht zurĂŒck.

"Wir brauchen von Mutter Natur eine Pause"

Das Feuer, das ganze StraßenzĂŒge des Stadtteils Pacific Palisades verwĂŒstet hatte, war am Sonntag weiterhin nur zu elf Prozent gelöscht. Der US-Wetterdienst sagte fĂŒr Montag und Dienstag wieder stĂ€rkere Winde voraus. Es wurde befĂŒrchtet, dass sie die Flammen in Richtung weiterer Stadtbezirke wie Brentwood treiben könnten.

"Wir brauchen von Mutter Natur eine Pause", sagte Brice Bennett von der kalifornischen Behörde Cal Fire dem Nachrichtensender CNN. "Wir haben die Feuerwehrleute, wir haben das Wasser, wir brauchen mehr Zeit." Die Löschbrigaden arbeiteten weiter in Schichten von 24 und 36 Stunden am StĂŒck.

Keine Löschflugzeuge bei starkem Wind

Ein großes Problem sei, dass mit Winden ĂŒber 30 Meilen pro Stunde (rund 50 km/h), die Löschung aus der Luft nicht mehr funktioniere, sagte Bennett. Denn der Wind verwehe das Wasser, bevor es in einer Ladung am Boden ankommen könne. Unterdessen trieben die Winde Funken durch die Gegend, die neue Feuer starteten.

Am Anfang hatten Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Meilen pro Stunde (160 km/h) das Feuer schnell ein Haus nach dem anderen Verschlucken lassen.

Die Menschen mussten fliehen - und einige blieben zurĂŒck, um ihre zum Teil seit Jahrzehnten bewohnten HĂ€user zu retten. Einige von ihnen waren erfolgreich, andere sind jetzt unter den Toten. Den neuen Angaben zufolge starben bei dem "Eaton"-Brand in der NĂ€he von Altadena und Pasadena 16 Menschen - und 8 weitere im westlichen Pacific Palisades.

Website mit Fotos zerstörter HÀuser

Viele Bewohner wissen nicht, ob ihre HĂ€user abgebrannt oder nur beschĂ€digt sind. In Fernsehaufnahmen sind gelegentlich GebĂ€ude zwischen Ruinen zu sehen, die das Feuer wie durch ein Wunder verschonte. Bevor die Bewohner nĂ€heres Erfahren können, mĂŒssen sie aber an einem Checkpoint warten, bis einige in Polizeibegleitung in die Sperrzone dĂŒrfen. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Leute wegen des Verdachts von PlĂŒnderungen festgenommen. Einer von ihnen tarnte sich laut Medienberichten als Feuerwehrmann.

Damit die Menschen schneller erfahren, was mit ihren HĂ€usern passierte, werden die Straßen nun GebĂ€ude fĂŒr GebĂ€ude abfotografiert. Die Bilder werden auf eine Website hochgeladen. Mit den Fotos können die Betroffenen auch ihre Versicherungen informieren. Diese Inspektionen sollen in zwei Wochen abgeschlossen werden, sagte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom.

Monatelange RĂ€umungsarbeiten erwartet

Die TrĂŒmmer in den verwĂŒsteten StraßenzĂŒgen wegzurĂ€umen, könnte nach Newsoms SchĂ€tzung sechs bis neun Monate dauern. In den BrĂ€nden wurden nach bisherigen Angaben mehr als 12.000 GebĂ€ude zerstört oder beschĂ€digt.

Der Gouverneur verwies zudem darauf, dass die RĂ€umungsarbeiten durch die Verbreitung von Elektroautos und dazugehöriger Infrastruktur wie Batteriespeicher von Tesla an den GebĂ€uden erschwert wĂŒrden. Die RĂŒckstĂ€nde der Batterien mĂŒssten fachgerecht entsorgt werden.

Internet aus dem All

Tech-MilliardĂ€r Elon Musk will an den von BrĂ€nden betroffenen Gebieten von Los Angeles kostenloses Internet ĂŒber das Satellitensystem Starlink anbieten. DafĂŒr sollen Starlink-Empfangsanlagen mit offenem WLAN dort platziert werden, wo sie am meisten benötigt wĂŒrden, schrieb Musk auf seiner Online-Plattform X. Zur Stromversorgung sollen "Cybertruck"-Elektro-Pickups des von Musk gefĂŒhrten Autobauers Tesla dienen. Auslieferungen neuer "Cybertruck"-Fahrzeuge in Kalifornien wĂŒrden sich um mehrere Tage verzögern, da Tesla neue Wagen dafĂŒr einsetzen werde, kĂŒndigte Musk an. Er ist auch Chef der Weltraumfirma SpaceX, die Starlink betreibt.

Musk, der zu einem engen Vertrauen des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump wurde, kritisiert zugleich seit Tagen die Verantwortlichen in Kalifornien.

UnterstĂŒtzung aus der Ukraine

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bot den USA unterdessen Hilfe bei der BekĂ€mpfung der BrĂ€nde an. 150 Feuerwehrleute stĂŒnden bereit, sagte Selenskyj in seiner tĂ€glichen Videoansprache. An der Umsetzung des Hilfsangebots werde gearbeitet. Die USA sind der wichtigste UnterstĂŒtzer der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression. Zugleich drohte die Republikanische Partei des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Trump, die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine zurĂŒckzufahren. In Los Angeles sind bereits Feuerwehrleute unter anderem aus Mexiko und Kanada im Einsatz.

@ dpa.de