US-Importzoll, Autos

US-Importzoll auf Autos aus EU soll rĂŒckwirkend sinken

21.08.2025 - 13:47:31

Wie geht es weiter mit den hohen US-Zöllen auf Autoimporte aus der EU? Die europÀischen Hersteller hatten bis zuletzt keine Klarheit. Nun gibt es eine ErklÀrung zum Handelsdeal.

  • Die gemeinsame ErklĂ€rung der EU und USA zur Beendigung des Handelskonflikts regelt auch das sensible Thema der Auto-Importe. (Archivbild) - Foto: Ingo Wagner/dpa

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  • Stellte die gemeinsame US-EU-ErklĂ€rung in BrĂŒssel vor: EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. (Archivbild) - Foto: Ansgaar Haase/dpa

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Die gemeinsame ErklĂ€rung der EU und USA zur Beendigung des Handelskonflikts regelt auch das sensible Thema der Auto-Importe. (Archivbild) - Foto: Ingo Wagner/dpaStellte die gemeinsame US-EU-ErklĂ€rung in BrĂŒssel vor: EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. (Archivbild) - Foto: Ansgaar Haase/dpa

Die US-Zölle auf Autoimporte aus Deutschland und anderen EU-Staaten sollen rĂŒckwirkend zum 1. August auf 15 Prozent gesenkt werden. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic kĂŒndigte in BrĂŒssel an, dass die EU die dafĂŒr notwendigen Voraussetzungen erfĂŒllen werde. «Ich denke, das sind willkommene Nachrichten fĂŒr die Autoindustrie», sagte er. Zuletzt lag der Zollsatz fĂŒr aus der EU in die USA eingefĂŒhrte Autos bei 27,5 Prozent. 

Kurz zuvor hatten die EU und die USA eine gemeinsame ErklĂ€rung auf Basis der in Schottland getroffenen Handelsvereinbarungen von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und US-PrĂ€sident Donald Trump veröffentlicht. In ihr ist festgehalten, dass die USA ihre Autozölle rĂŒckwirkend zum Monatsbeginn senken, sobald die EU ihrerseits den Gesetzgebungsprozess fĂŒr Einfuhrerleichterungen zugunsten bestimmter US-Produkte einleitet. So sollen etwa Zölle auf US-IndustriegĂŒter vollstĂ€ndig abgeschafft werden und Barrieren fĂŒr den Import von bestimmten Lebensmitteln fallen. 

Die Autobauer in der EU hatten nach dem Treffen von Trump und von der Leyen am 27. Juli bislang vergeblich auf erhoffte Zollsenkungen gewartet, da ihre Fahrzeuge zunĂ€chst nicht unter die Regelungen fĂŒr einen neuen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent fielen. Dies soll der ErklĂ€rung zufolge aber nun geĂ€ndert werden. Festgehalten sind in dem Dokument zudem zahlreiche andere bereits bekannte Vereinbarungen zwischen der EU und den USA. 

Weinbauer und Spirituosenhersteller stehen vor Herausforderungen 

Keine guten Neuigkeiten gab es fĂŒr Weinbauer und Spirituosenhersteller in der EuropĂ€ischen Union. Sefcovic bedauerte, dass fĂŒr Produkte wie Wein, Bier und andere alkoholische GetrĂ€nke kein Ergebnis deutlich unterhalb des Basiszollsatzes in Höhe von 15 Prozent verhandelt worden konnte. Zugleich betonte der EU-Handelskommissar, an einer Lösung fĂŒr «eine der wichtigsten Interessen der EU» arbeiten zu wollen: «Diese TĂŒren sind also nicht fĂŒr immer verschlossen.» 

Mit Blick auf «digitale Handelsbarrieren» kĂŒndigten die EU und die USA unterdessen an, diese anzugehen. Auf Nachfragen von Journalisten, was genau diese beinhalteten, stellte Sefcovic klar, dass es sich nicht um Änderungen der EU-Digital-Gesetze Digital Markets Act (DMA) oder Digital Services Act (DSA) gehe. WĂ€hrend ersteres unter anderem darauf abzielt, dass große Tech-Konzerne nicht etwa aufgrund einer marktbeherrschenden Stellung andere Anbieter benachteiligen dĂŒrfen, macht letzterer großen Internetplattformen strengere Auflagen zum Schutz ihrer Nutzer. 

ErklÀrung ist nicht rechtsverbindlich 

So sichert die EU Trump zu, bis zum Ende von dessen Amtszeit US-Energie im Wert von 750?Milliarden Dollar zu kaufen. Nach frĂŒheren Angaben von KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen sollen FlĂŒssigerdgas (LNG), Öl und Kernbrennstoffe aus den Vereinigten Staaten die LĂŒcken fĂŒllen, die nach dem geplanten vollstĂ€ndigen Verzicht auf russisches Gas und Öl entstehen werden. ZusĂ€tzlich verspricht die EU Trump, in den kommenden Jahren weitere 600?Milliarden?US-Dollar in den USA zu investieren. 

Rechtsverbindlich ist die gemeinsame ErklĂ€rung nicht. Die EU muss befĂŒrchten, dass Trump wieder einseitig Zölle erhöht, wenn Verabredungen nicht umgesetzt werden. Auf den EU-Vorschlag, gegenseitig vollstĂ€ndig auf Zölle auf IndustriegĂŒtern zu verzichten, gingen die USA nicht ein. 

Die EU akzeptierte den Deal, weil ohne Einigung ab dem 1. August US-Zölle in Höhe von 30 Prozent sowie ein echter Handelskrieg gedroht hÀtten. Die Mitgliedstaaten wollte diese Eskalation verhindern, da diese den Handel und ArbeitsplÀtze zumindest kurzfristig noch mehr bedroht hÀtte. «Ich möchte klar sagen, dass die Alternative, ein Handelskrieg mit extrem hohen Zöllen und einer politischen Eskalation, niemandem hilft», sagte Sefcovic bei der Vorstellung der ErklÀrung am Donnerstag. Dieser Konflikt hÀtte Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks geschadet. 

Hinzu kam die Sorge, Trump könne im Fall eines verschĂ€rften Konflikts neue Drohkulissen aufbauen - beispielsweise indem er erneut die militĂ€rische Beistandspflicht innerhalb der Nato infrage stellt oder die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zurĂŒckfĂ€hrt - beides sind Ă€ußerst sensible Themen angesichts der Bedrohungen durch Russland. 

Situation fĂŒr exportierende Autobauer bleibt schwierig 

Wenn die EuropĂ€er im Bereich der Verteidigung nicht so abhĂ€ngig von den USA wĂ€ren, hĂ€tten sie den Deal vielleicht nicht akzeptiert. Wirtschaftlich ist die EU nĂ€mlich mit etwa 450 Millionen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern in 27 LĂ€ndern eine echte Marktmacht, die den Vereinigten Staaten in einem Handelskonflikt schwer zusetzen könnte. 

FĂŒr die europĂ€ische Autoindustrie bessert sich die Situation durch die politische ErklĂ€rung etwas, sie bleibt aber schwierig. So bedeutet die Zollfreiheit fĂŒr US-Importe in die EU, dass sie kĂŒnftig mit stĂ€rkerer Konkurrenz von US-Herstellern rechnen muss. Zudem ist auch der neue 15-Prozent-Zoll immer noch hoch. Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) reichte das nicht. «Langfristig muss das Ziel sein, hier wieder zu einem geringeren Zollsatz zu kommen», sagte die PrĂ€sidentin des Branchenverbandes, Hildegard MĂŒller, laut Mitteilung. Die Unternehmen brĂ€uchten Klarheit und Planungssicherheit. Vor dem Amtsantritt von Trump hatte der Zollsatz noch bei 2,5 Prozent gelegen.

@ dpa.de