WDH / ROUNDUP: Jeder dritte Fernzug verspÀtet - Bahn kassiert Jahresziel
18.07.2024 - 16:04:22(Wiederholung: Im zweiten Satz wurde ein falsches Wort berichtigt ("TurnierhÀlfte" statt "Turnierhilfe").)
BERLIN (dpa-AFX) - Auf der Schiene in Deutschland liegt einiges im Argen, das war fĂŒr Millionen FahrgĂ€ste schon vor der FuĂball-Europameisterschaft offensichtlich. Allein im Juni, wĂ€hrend der ersten TurnierhĂ€lfte, war fast jeder zweite Fernzug mit VerspĂ€tung unterwegs, wie die Bahn nun mitteilte. Zuletzt hatte es im vergangenen November einen so schlechten PĂŒnktlichkeitswert gegeben, davor viele Jahre nicht.
Ihr PĂŒnktlichkeitsziel fĂŒr das laufende Jahr kassiert die Bahn deshalb schon jetzt. UrsprĂŒnglich sollten 2024 mehr als 70 Prozent der ZĂŒge pĂŒnktlich kommen. Es zeichne sich ab, dass die JahrespĂŒnktlichkeit deutlich unter diesem Zielwert liegen werde, hieĂ es nun.
Mehr als jeder dritte Zug im ersten Halbjahr verspÀtet
Im gesamten ersten Halbjahr dieses Jahres kamen der Bahn zufolge lediglich 62,7 Prozent der FernzĂŒge ohne gröĂere Verzögerung am Ziel an. Das waren fast sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Die sogenannte ReisendenpĂŒnktlichkeit sah im ersten Halbjahr mit 66,8 Prozent nicht viel besser aus.
Anders als die betriebliche PĂŒnktlichkeit wird dabei ausgewertet, wie groĂ der Anteil der Reisenden war, die ihr Ziel ohne gröĂere Verzögerungen erreicht haben. BerĂŒcksichtigt werden dabei auch ZugausfĂ€lle. Als verspĂ€tet gilt ein Fahrgast dabei ab einer Verzögerung von 15 Minuten. "Die massiven Streiks, das bundesweite Baugeschehen und insbesondere die Extremwettereignisse im ersten Halbjahr in einem noch nie dagewesenen AusmaĂ haben die Zahl nach unten gedrĂŒckt", teilte die Bahn weiter mit.
Extremwetter im Juni
Die Extremwetterlagen machten Bahn und FahrgĂ€sten vor allem im Juni schwer zu schaffen. "Mit durchschnittlich ĂŒber 400 ZĂŒgen pro Tag waren mehr als doppelt so viele FernzĂŒge von externen EinflĂŒssen wie Hangrutschen, Ăberflutungen und DammschĂ€den betroffen wie normalerweise", hieĂ es. "Damit lag diese Zahl sogar 33 Prozent ĂŒber den bisherigen Spitzenmonaten wĂ€hrend der Flutkatastrophe im Sommer 2021." Noch nie gab es demnach so viele unwetterbedingte VerspĂ€tungen bei der Bahn.
Doch Streiks und das schlechte Wetter erklĂ€ren die geringe ZuverlĂ€ssigkeit der Bahn nur zum Teil. SchlieĂlich kĂ€mpft der Konzern schon seit Jahren mit hohen VerspĂ€tungsquoten. Hauptgrund dafĂŒr ist die schlechte Infrastruktur, die seit Jahrzehnten auch aufgrund der mangelnden Finanzierung auf VerschleiĂ gefahren wird. Das zeigte sich besonders schmerzhaft wĂ€hrend der FuĂball-EM.
Laute Bahn-Kritik nach FuĂball-EM
Unter anderem musste das niederlĂ€ndische Team wegen einer mehr als zweistĂŒndigen VerspĂ€tung kurzfristig statt mit dem Zug per Flieger zum Halbfinale reisen. Zu Beginn des Turniers strandeten zeitweise Hunderte österreichische Fans in Bayern, weil eine Baustelle anders als geplant nicht rechtzeitig fertig wurde. Turnierchef Philipp Lahm verpasste in der Gruppenphase wegen Bahn-Problemen den Anpfiff einer Partie.
Die Bahn rĂ€umte mehrmals Probleme ein und bat die FahrgĂ€ste um Entschuldigung. Doch die negativen Schlagzeilen fĂŒhrten zu lauter Kritik auch aus der Politik.
Generalsanierung soll es richten
Die Bahn-Schelte fiel so heftig aus, dass sich sogar die Konkurrenten genötigt sahen, dem bundeseigenen Konzern beizuspringen. "Aus unserer Sicht muss sich zuallererst der Bund ehrlich machen", teilte etwa Peter Westenberger, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Wettbewerberverbands Die GĂŒterbahnen, vor einigen Tagen mit. Seit Jahren werde die Kritik an sinkender QualitĂ€t und KapazitĂ€t des Schienennetzes "weggewischt". "Deutschland spart sein Schienennetz noch immer kaputt - und deswegen könnte der EM-Verkehr nicht die letzte Peinlichkeit gewesen sein."
Seit einiger Zeit kommt allerdings Bewegung in die Sache. Mit bisher nicht gekannten Milliardensummen will der Bund das Schienennetz modernisieren. Seit dieser Woche lĂ€uft die Rundum-Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Bis Mitte Dezember ist der viel befahrene Korridor komplett gesperrt. Danach soll die Strecke fĂŒr mehrere Jahre baufrei bleiben.
Nach diesem Konzept sollen bis 2031 weitere 40 stark frequentierte Streckenabschnitte wieder fit gemacht und die PĂŒnktlichkeit stĂŒckweise wieder verbessert werden. "Mit der Sanierung des Schienennetzes wird dieses auch widerstandsfĂ€higer gegen Extremwetterereignisse", teilte die Bahn mit. Nicht nur FuĂballfans hoffen, dass der Plan aufgeht.

