Kritis-Dachgesetz, Deutschland

Kritis-Dachgesetz soll Deutschland widerstandsfÀhiger machen

06.11.2024 - 13:46:48

«Wir mĂŒssen uns gegen Krisen- und KatastrophenfĂ€lle viel stĂ€rker wappnen», mahnt die Bundesinnenministerin. Ein Baustein ist hier ein neues Gesetz, bei dem es um den Schutz von Infrastruktur geht.

  • Über die Details des sogenannten Kritis-Dachgesetzes war lange verhandelt worden. Einerseits soll es Deutschland widerstandsfĂ€higer machen. Andererseits sollen Unternehmen und Institutionen nicht durch zu viele Berichtspflichten belastet werden.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Zur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen auch Energieversorger und Stromtrassen. (Archivfoto) - Foto: Jan Woitas/dpa

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Über die Details des sogenannten Kritis-Dachgesetzes war lange verhandelt worden. Einerseits soll es Deutschland widerstandsfĂ€higer machen. Andererseits sollen Unternehmen und Institutionen nicht durch zu viele Berichtspflichten belastet werden.  - Foto: Kay Nietfeld/dpaZur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen auch Energieversorger und Stromtrassen. (Archivfoto) - Foto: Jan Woitas/dpa

Verpflichtende Vorgaben fĂŒr Einrichtungen der sogenannten kritischen Infrastruktur sollen Deutschland besser vor Sabotage, TerroranschlĂ€gen und den Folgen von Naturkatastrophen schĂŒtzen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Entwurf fĂŒr ein «Kritis-Dachgesetz». Dies sieht einheitliche Regeln zum Schutz von Energieunternehmen, FlughĂ€fen und anderen großen Infrastruktur-Einrichtungen vor. 

Wenn sich Betreiber nicht daran halten, sollen sie kĂŒnftig mit Bußgeldern rechnen mĂŒssen. Das Gesetz schreibt ihnen unter anderem eine Registrierung sowie die Erarbeitung von PlĂ€nen zur Erhöhung der WiderstandsfĂ€higkeit vor. Außerdem sollen die Betreiber verpflichtet werden, StörfĂ€lle zu melden.

«Wir mĂŒssen uns gegen Krisen- und KatastrophenfĂ€lle viel stĂ€rker wappnen als in der Vergangenheit», sagt Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Der Handlungsbedarf sei durch die russische Aggression in Europa, Sabotageakte und TerroranschlĂ€ge ebenso gewachsen wie durch Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel an HĂ€ufigkeit zugenommen hĂ€tten. 

Zur kritischen Infrastruktur (Kritis) im Sinne des Gesetzes zĂ€hlen elf Sektoren: Energie, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen, öffentliche Verwaltung, Gesundheit, ErnĂ€hrung, Trinkwasser, Abwasser, Siedlungsabfallentsorgung, Informationstechnik, Telekommunikation und Weltraum. Mit dem neuen Gesetz sollen den Betreibern erstmals sektorenĂŒbergreifend Vorgaben im Hinblick auf eine StĂ€rkung der Resilienz dieser Infrastrukturen gemacht werden. 

Nur große Einrichtungen betroffen

Zur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen Einrichtungen, die fĂŒr die Gesamtversorgung in Deutschland wichtig sind und mehr als 500.000 Menschen versorgen. Zudem werden gegenseitige AbhĂ€ngigkeiten berĂŒcksichtigt - beispielsweise sind Transportwege auch fĂŒr die Versorgung mit Nahrungsmitteln essenziell.

GrĂŒne möchten nachbessern im Bundestag

Die GrĂŒnen-Bundestagsfraktion begrĂŒĂŸt zwar den Kabinettsbeschluss, sieht aber Nachbesserungsbedarf im parlamentarischen Verfahren. In einer Mitteilung heißt es: «Trotz zahlreicher erfolgreicher Angriffe auf KrankenhĂ€user, Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, die teils monatelang nicht erreichbar waren, sind wir von guten gesetzlichen Vorgaben, die einen einheitlichen Kritis-Schutz gewĂ€hrleisten und klare ZustĂ€ndigkeiten gewĂ€hrleisten, leider noch immer ein gutes StĂŒck entfernt.» Das Gesetz ist auch im Bundesrat zustimmungspflichtig.

Der Digitalverband Bitkom wies darauf hin, dass 86 Prozent der Unternehmen der kritischen Infrastruktur in den vergangenen zwölf Monaten von analogen oder digitalen Angriffen wie Sabotage, Industriespionage oder Datendiebstahl betroffen waren. Wichtig sei, nicht nur die Unternehmen in den Blick zu nehmen, sondern auch alle Einrichtungen der Bundesverwaltung.

@ dpa.de