Rentenreform, Alterssicherung

Wirtschaftsweise drängen nach Sachsen-Anhalt auf konsequente Rentenreform

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Wirtschaftsweise Martin Werding und Finanzexperte Jörg Rocholl drängen die Bundesregierung, das von der Rentenkommission vorgeschlagene Reformpaket trotz der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht aufzuschnüren. Sie sehen darin eine zentrale Voraussetzung für stabile Sozialkassen und höhere Renten.

Wirtschaftsweiser warnt vor Aufschnüren der Rentenreform
Alte Frau in einem Pflegeheim (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Wirtschaftsweise Martin Werding warnt die Bundesregierung davor, die geplante Rentenreform nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt grundlegend in Frage zu stellen. Stattdessen solle das von der Alterssicherungskommission vorgelegte Paket an Reformempfehlungen nur gezielt geprüft und bei Bedarf nachjustiert werden, aber nicht komplett aufgeschnürt werden.

Werding pocht auf konsequente Umsetzung der Reform

Werding verweist darauf, dass sich die Folgen der demografischen Entwicklung in den nächsten zehn Jahren voll entfalten werden. Aus seiner Sicht ist die Reform daher notwendig, um die Alterssicherung langfristig zu stabilisieren. Zugleich warnt er vor den Auswirkungen einer migrationsfeindlichen Politik auf die Sozialkassen und betont, dass alle aktuellen Szenarien zur Entwicklung der Renten- und Sozialbeiträge von einer anhaltend hohen Nettozuwanderung ausgehen.

Warnung vor Rückgang der Erwerbsmigration

Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen haben sich die tatsächlichen Zuwanderungszahlen in den vergangenen Jahren bereits deutlich verringert. Sollte Deutschland im internationalen Wettbewerb um mobile Arbeitskräfte nicht klar signalisieren, dass Erwerbsmigration erwünscht ist, sieht Werding die wirtschaftliche Entwicklung und die Finanzierung der Sozialsysteme gefährdet. Er fordert daher ein klares Bekenntnis zur Zuwanderung von Fachkräften.

Rocholl: Mehr Reformen statt weniger

Ähnlich positioniert sich Jörg Rocholl, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium. Er macht deutlich, dass ein Aufschnüren des Rentenpakets aus seiner Sicht die falsche Konsequenz aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wäre und plädiert ausdrücklich für mehr statt weniger Reformen, um die großen Herausforderungen des Landes zu bewältigen.

Rentenkommission sieht höhere Renten durch Reformpaket

Rocholl, Mitglied der Rentenkommission, verweist auf die Ende Juni vorgelegten Vorschläge. Eine sichere und steigende Rente sei seiner Darstellung nach nur mit diesen Reformen möglich. Bei zügiger Umsetzung des Pakets hält er bereits für Durchschnittsverdiener Hunderte Euro mehr Rente pro Monat für erreichbar und nennt konkret einen Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren, der 777 Euro zusätzlich im Monat erhalten könne.

Chance für kleine und mittlere Renten

Nach den Berechnungen der Kommission sollen alle Menschen von der Rentenreform profitieren, besonders Bezieher kleiner und mittlerer Renten. Für sie seien mehr und sichere Renten in Aussicht gestellt. Rocholl fordert, diese Chance jetzt zu nutzen und die Reformen nicht im politischen Streit um die Landtagswahlergebnisse auszubremsen.

Die Warnungen von Wirtschaftsweise Martin Werding und Finanzexperte Jörg Rocholl treffen einen politisch sensiblen Punkt: Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die Bundesregierung unter Druck, auf Wahlbewegungen und Debatten über Sozialpolitik zu reagieren. Gleichzeitig laufen im Hintergrund seit Jahren Fachkommissionen, die die langfristige Finanzierung der gesetzlichen Rente angesichts des demografischen Wandels neu justieren sollen.

Demografie und Arbeitskräfte als Schlüssel

Werding erinnert daran, dass die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden zehn Jahren schrittweise in Rente gehen und damit die Zahl der Rentenbezieher deutlich steigt, während die Zahl der Erwerbstätigen ohne Gegenmaßnahmen stagniert oder schrumpft. Die bisherigen Reformkonzepte setzen deshalb auf eine Kombination aus längerer Lebensarbeitszeit, stabileren Beitrags- und Steuerzuschüssen sowie einer möglichst hohen Erwerbsbeteiligung, auch durch Zuwanderung. In diesem Zusammenhang verweist Werding auf die Rolle einer gezielten Erwerbsmigration, um die Sozialkassen zu stützen.

Politische Debatte nach Wahlerfolgen der AfD

Die explizite Kritik an migrationsfeindlichen Positionen zeigt, wie eng Rentenpolitik und Migrationspolitik miteinander verknüpft sind: Wenn weniger Menschen zuwandern und hier arbeiten, fehlen Beitragszahler im System. Die Diskussion nach der Wahl in Sachsen-Anhalt dreht sich daher nicht nur um Parteienproportionen, sondern auch um die Frage, ob Wahlergebnisse zu einer vorsichtigeren oder restriktiveren Haltung in der Migrationspolitik führen – mit möglichen Folgen für die Sozialversicherung.

Bedeutung für Beitragszahler und Rentner

Rocholl betont vor allem die Chancen für künftige Rentenhöhen, wenn das Reformpaket zügig umgesetzt wird. Seine Beispielrechnung für Durchschnittsverdiener mit langen Beitragszeiten verdeutlicht, dass die vorgeschlagenen Änderungen nicht nur fiskalische Stabilisierung, sondern auch Leistungsverbesserungen anstreben. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies: Die aktuellen Debatten über Rentenreform und Migrationspolitik wirken unmittelbar auf die eigene Altersvorsorge, weil sie darüber entscheiden, ob das System langfristig tragfähig bleibt und welche Leistung künftig zu erwarten ist.

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