AfD-Politiker bei Putin-Treffen - Kritik in Berlin
03.06.2026 - 16:36:24 | dpa.deDie Reise von vier prominenten AfD-Politikern zum Wirtschaftsforum im russischen St. Petersburg hat in Berlin Kritik ausgelöst. Die Bundesregierung riet der AfD nach eigenen Angaben vor der Reise von einer Teilnahme ab. Die betreffenden AfD-Politiker verteidigten ihre Anwesenheit bei dem Treffen in der Heimatstadt von Russlands PrÀsident Wladimir Putin, dem Gastgeber der Konferenz. Dabei kam es auch zum Treffen mit einem engen Vertrauten Putins.
Nord Stream und billiges Gas
Der stellvertretende AfD-Fraktionschef im Bundestag, Markus Frohnmaier, traf sich nach eigenen Angaben mit dem Chef des russischen Gaskonzerns Gazprom, Alexej Miller. Im Mittelpunkt des ausfĂŒhrlichen GesprĂ€chs in der Gazprom-Zentrale hĂ€tten die Möglichkeit einer Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines und die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen gestanden, sagte der AfD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Die AfD fordert immer wieder die Reparatur und Wiederinbetriebnahme der Gasleitungen in der Ostsee und argumentiert mit billigem Gas aus Russland. Den russischen Krieg gegen die Ukraine hat die Partei zwar verurteilt, hĂ€lt sich aber mit Kritik an Moskau zurĂŒck und richtet diese eher gegen den Westen und die Ukraine selbst. Eine UnterstĂŒtzung des angegriffenen Landes lehnt sie ab.
Neben Frohnmaier sind auch Sachsens-AfD-Chef Jörg Urban, der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und der AfD-EU-Parlamentarier Petr Bystron nach St. Petersburg gereist. Auch deutsche Unternehmen sind erstmals wieder dabei.
AuswÀrtiges Amt: Haben von Reise explizit abgeraten
Das AuswĂ€rtige Amt habe der AfD explizit davon abgeraten und sie darĂŒber informiert, dass die Bundesregierung die Reisen nicht unterstĂŒtze, sagte ein Sprecher vor Journalisten in Berlin. Er verwies auf Russlands Angriffe gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Es sei wichtig, den Druck gegen Moskau aufrechtzuerhalten, «diesen verbrecherischen Angriffskrieg zu beenden».Â
«Vor diesem Hintergrund dann den Eindruck einer NormalitĂ€t in unserem VerhĂ€ltnis zu erwecken, beispielsweise durch die Teilnahme an staatlich organisierten Propagandaveranstaltungen, lĂ€uft den auĂen- und sicherheitspolitischen GrundsĂ€tzen der Bundesregierung zuwider.»
AfD verteidigt ReiseÂ
Die AfD verteidigt ihre Reise. Ihm sei bewusst, dass diese sensibel betrachtet werde, hatte Frohnmaier vorab gesagt. Es sei an der Zeit, miteinander ins GesprĂ€ch zu kommen. «Meine Teilnahme bedeutet jedoch keine Billigung des Krieges in der Ukraine.»Â
Bystron und KotrĂ© Ă€uĂerten sich in der «Zeit». Er wolle sich mit seinem Besuch fĂŒr die deutschen Unternehmen starkmachen, die wegen der »dummen und völlig uneffektiven Sanktionen« gegen Russland ihre Marktanteile an China verloren hĂ€tten, sagte Bystron. KotrĂ©, sagte, er wolle zeigen, dass es deutsche Politiker gibt, «die nicht mit dem SĂ€bel rasseln und Russland nicht als die gröĂte Bedrohung ansehen».
Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel unterstĂŒtzt die Reise. Es sei immer gut, sich auszutauschen. Man solle gute Kontakte zu allen Seiten pflegen. Mitte November, als es um eine andere Konferenz im russischen Schwarzmeerort Sotschi ging, zu der auch KotrĂ© und Urban reisten, klang Weidel noch deutlich kritischer. Die Unzufriedenheit sei groĂ, «eben weil die Sinnhaftigkeit dieser Reisen ĂŒberhaupt nicht da ist», hatte sie da gesagt.
Die vergangenen eineinhalb Jahre waren vor allem dadurch geprĂ€gt, dass sich die AfD nach der Wiederwahl von US-PrĂ€sident Donald Trump intensiv um Kontakte nach Washington bemĂŒhte. Frohnmaier war selbst mehrfach in den USA.
Kritik von Union, SPD und GrĂŒnenÂ
Kritik kommt von Union, SPD und GrĂŒnen. Der auĂenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, JĂŒrgen Hardt (CDU), sagte im ARD-«Morgenmagazin»: «Putin steht ein StĂŒck weit mit dem RĂŒcken an der Wand, und wenn er jetzt diese Propaganda-Auffrischung dadurch bekommt, dass Wirtschaftsvertreter und Politiker der AfD ihm zu Kreuze kriechen in St. Petersburg, dann ist das kontraproduktiv.»
«Solche Reisen sind sicherheitspolitisch hochriskant», sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), dem «Handelsblatt». Russische Geheimdienste nutzten solche Veranstaltungen gezielt «zur Informationsgewinnung und zur Anwerbung». Wer dorthin reise, mĂŒsse wissen: «Man kommt nicht unbeobachtet zurĂŒck.» Kritisch Ă€uĂerten sich auch Politiker von SPD und GrĂŒnen.
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