Wohnungsknappheit: Kommunen fordern Konzept für ländliche Räume
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) fordert von Bund und Ländern ein Gesamtkonzept gegen Wohnungsknappheit und steigende Mieten in Ballungsräumen. Dazu sollen ländliche Regionen attraktiver und besser an die wirtschaftlichen Zentren angebunden werden.
DStGB verweist auf Leerstände auf dem Land
DStGB-Hauptgeschäftsführer André Berghegger sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, Deutschland müsse das Thema Wohnen neu denken und nachhaltiger angehen. Der Fokus müsse stärker auf Regionen abseits der Ballungsräume gerichtet werden.
Nach Angaben des Verbands stehen in ländlichen Regionen 1,9 Millionen Wohnungen leer. Zudem seien mehr als 700.000 Wohnungen innerhalb der nächsten drei Monate bezugsfertig.
Mehr als Mietpreisbremse und Wohnungsbauoffensive
Bund und Länder dürften deshalb nicht nur mit Mietpreisbremsen oder Wohnungsbauoffensiven auf die Probleme in den Ballungsräumen reagieren, sagte Berghegger. Sie müssten noch in diesem Jahr ein umfassendes Gesamtkonzept auf den Weg bringen.
Der DStGB fordert unter anderem neue oder reaktivierte Bahntrassen, um ländliche Räume besser mit den Ballungsgebieten zu verbinden. Auch eine gute Gesundheitsversorgung, ein größeres Kultur- und Freizeitangebot sowie ein ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr könnten strukturschwache Regionen aufwerten.
Infrastrukturmittel für gleichwertige Lebensverhältnisse
Für den nachhaltigen Umbau des Landes sollten nach Ansicht des Verbands auch Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur bereitgestellt werden. Ein solches Gesamtkonzept wäre laut Berghegger ein „echter Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Deutschland“.
Die Forderung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds zielt auf einen regionalen Ausgleich des deutschen Wohnungsmarkts. In vielen Ballungsräumen treffen hohe Nachfrage, knappes Bauland und langsame Genehmigungsverfahren auf ein begrenztes Angebot. Mietpreisbremsen können den Preisanstieg dämpfen, schaffen aber keine zusätzlichen Wohnungen. Auch Förderprogramme für Neubau wirken nur dann nachhaltig, wenn ausreichend Flächen, Kapazitäten im Baugewerbe und leistungsfähige kommunale Infrastrukturen vorhanden sind.
Leerstand und Nachfrage liegen auseinander
Leerstehende Wohnungen in ländlichen Regionen sind nicht automatisch kurzfristig nutzbarer Wohnraum. Entscheidend sind Zustand, Größe, Eigentumsverhältnisse und die Entfernung zu Arbeitsplätzen, Schulen, Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten. Die vom DStGB genannten Zahlen verdeutlichen deshalb vor allem ein Verteilungsproblem: Wohnraum ist dort vorhanden, wo die Nachfrage oft schwächer ist, während er in wirtschaftlich dynamischen Zentren fehlt.
Eine bessere Schienen- und Straßenanbindung könnte Pendeldistanzen verkürzen und ländliche Orte für Beschäftigte attraktiver machen. Dafür müssten Verkehrsprojekte mit schnellem Internet, medizinischer Versorgung, Bildungsangeboten und einem verlässlichen öffentlichen Nahverkehr verbunden werden. Andernfalls droht zusätzlicher Wohnraum ohne ausreichende Nachfrage.
Finanzierung entscheidet über Umsetzung
Ein Gesamtkonzept würde Bund, Länder und Kommunen über mehrere Politikfelder hinweg binden. Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur könnten dabei nicht nur in Neubau, sondern auch in Reaktivierung, Sanierung und Umnutzung fließen. Für Mieter in angespannten Märkten wäre eine solche Strategie langfristig relevant, weil sie das Angebot vergrößern und den Druck auf zentrale Wohnungsmärkte verteilen könnte.
