20-JĂ€hriger soll Weihnachtsmarkt-Anschlag geplant haben
01.12.2023 - 18:13:20Er soll vorgehabt haben, Besucher eines Weihnachtsmarktes anzugreifen: Die Polizei in Niedersachsen ermittelt gegen einen 20-JĂ€hrigen wegen des Verdachts eines geplanten Terroranschlags.
Die Ermittler sehen den Weihnachtsmarkt in Hannover als ein mögliches Ziel an - das «können wir derzeit nicht ausschlieĂen», sagte ein Sprecher des niedersĂ€chsischen Landeskriminalamts der Deutschen Presse-Agentur. Nach LKA-Angaben ist der Mann weiter in polizeilichem Gewahrsam.
Zuletzt wurden in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren festgenommen, die einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt geplant haben sollen. Der 20-JĂ€hrige wiederum war am 21. November in Helmstedt in Gewahrsam genommen worden. Laut Landeskriminalamt hatte die Polizei Hinweise erhalten, wonach der VerdĂ€chtige aus Sachsen-Anhalt eine schwere Gewalttat geplant hat. Weitere Details wollte das LKA aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden nicht nennen.
Ermittlungen gegen jungen Iraker
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll der junge Iraker, der sich erst seit dem vergangenen Jahr in Deutschland aufhielt und in Niedersachsen einen Job gefunden hatte, darĂŒber nachgedacht haben, Besucher eines Weihnachtsmarktes mit einem Messer zu attackieren. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen UnterstĂŒtzung einer terroristischen Vereinigung im Ausland.
Wie das Innenministerium in Magdeburg mitteilte, stand der 20-JĂ€hrige kurz vor seiner Abschiebung. «Eine Abschiebung war in Abstimmung mit der Bundespolizei bereits fĂŒr den heutigen Freitag, den 1. Dezember 2023, vorbereitet worden.» Der Mann habe aber vor seiner Festnahme nichts davon gewusst.
Inzwischen habe der Mann gegen die Entscheidung des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge Klage beim Verwaltungsgericht Magdeburg eingereicht. Das Amt habe den Asylantrag am 21. November 2023 als offensichtlich unbegrĂŒndet abgelehnt. Die Ausreisefrist betrage in einem solchen Fall eine Woche, hieĂ es.
Die niedersĂ€chsische Innenministerin Daniela Behrens sagte zuvor dem NDR ĂŒber den VerdĂ€chtigen: «Er hat angekĂŒndigt, dass er AnschlĂ€ge im Zusammenspiel von GroĂveranstaltungen in der Weihnachtszeit offensichtlich ausĂŒben möchte, und deswegen haben wir ihn in PrĂ€ventionsgewahrsam genommen.»
Polizei «sehr klar und robust unterwegs»
Mit Blick auf die Sicherheitslage auf WeihnachtsmÀrkten sagte Behrens, die Polizei sei dort «sehr klar und robust unterwegs» - unter anderem wegen der kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten. «Wir haben auch weiterhin Islamisten», betonte sie. Nach Angaben des niedersÀchsischen Innenministeriums gibt es derzeit keine konkrete GefÀhrdungslage, aber eine «hohe abstrakte GefÀhrdung». Der Gaza-Krieg habe die Sicherheitslage bundesweit verschÀrft. Alle WeihnachtsmÀrkte hÀtten ein Sicherheitskonzept, auch erhöhte PolizeiprÀsenz solle die MÀrkte sichern. Ein Ministeriumssprecher sprach von einer «sehr volatilen Sicherheitslage».
Nach Angaben des Innenministeriums in Hannover ist die Zahl der als sogenannte GefĂ€hrder eingestuften Personen in Niedersachsen seit 2018 kontinuierlich gesunken. Demnach wird zurzeit eine mittlere zweistellige Zahl zu diesem Personenkreis im Bereich der politisch motivierten KriminalitĂ€t gefĂŒhrt. GefĂ€hrder sind Menschen, denen die Behörden schwerste politisch motivierte Straftaten bis hin zum Anschlag zutrauen.
Die Polizeidirektion Hannover erklĂ€rte zum dortigen Weihnachtsmarkt, eine «angemessene Anzahl von EinsatzkrĂ€ften» sei dort unterwegs. Eine sogenannte mobile Wache solle als Anlaufstelle fĂŒr Besucher dienen, die Anzeigen erstatten oder Hinweise an die Polizei geben wollten. Der Weihnachtsmarkt werde auch in diesem Jahr zusĂ€tzlich mit mehreren Kameras im Gebiet der Altstadt ĂŒberwacht.
Jugendliche unter Terrorverdacht in U-Haft
Die beiden unter Terrorverdacht festgenommenen Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sitzen in Untersuchungshaft. Sie sollen mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sympathisiert haben. Laut Generalstaatsanwaltschaft DĂŒsseldorf sollen sie sich verabredet haben, mit der Explosion eines Kleinlasters Anfang Dezember Besucher eines Weihnachtsmarktes in Leverkusen zu töten.
Der in Nordrhein-Westfalen festgenommene 15-JĂ€hrige will sich den Angaben zufolge bereits Benzin beschafft haben, bei Durchsuchungen wurden aber keine Brennstoffe gefunden. Es habe ein «sehr konkretes Gedankenmodell» zur Tatplanung gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Holger Heming. Allerdings gebe es keine Erkenntnisse, wonach sich die beiden einen Kleinlaster beschafft hatten. Die Jugendlichen sollen ihren Anschlag laut DĂŒsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft in Anlehnung an die Ziele und Vorgehensweisen des IS geplant haben. Die Rede war von ideologisch angelehnten Sympathisanten, keineswegs von einer tatsĂ€chlichen Mitgliedschaft oder von tatsĂ€chlichem Kontakt.
Dem JĂŒngeren werden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft unter anderem die Verabredung zu einem Verbrechen, nĂ€mlich heimtĂŒckischem Mord aus niedrigen BeweggrĂŒnden, sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefĂ€hrdenden Gewalttat vorgeworfen. Die mutmaĂlichen Planungen der Jugendlichen - der 15-JĂ€hrige ist ein Deutsch-Afghane, der 16-JĂ€hrige hat die russische Staatsangehörigkeit - erinnern an den Anschlag am 19. Dezember 2016 an der GedĂ€chtniskirche in Berlin. Damals war ein islamistischer Terrorist mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gerast. Insgesamt 13 Menschen starben, einer von ihnen Jahre spĂ€ter an den Folgen.
PrĂ€ventivgewahrsam fĂŒr höchstens 14 Tage
Nach Angaben des niedersĂ€chsischen Innenministeriums kann ein PrĂ€ventivgewahrsam laut Polizeigesetz des Landes nach einer richterlichen Entscheidung zunĂ€chst einmal höchstens 14 Tage dauern. Dies kann nach der PrĂŒfung durch einen Richter um weitere 14 Tage verlĂ€ngert werden. Im Rahmen der Gefahrenabwehr ist demnach eine letztmalige VerlĂ€ngerung um sieben Tage möglich.
Auch die Bremer Polizei teilte mit, den Sicherheitsbehörden lĂ€gen aktuell keine Erkenntnisse vor, aus denen sich eine konkrete GefĂ€hrdung speziell fĂŒr WeihnachtsmĂ€rkte in Bremen ableiten lieĂe. Die Bedrohungslage in Deutschland und in Europa sei aber unverĂ€ndert, WeihnachtsmĂ€rkte hĂ€tten wegen der zu erwartenden hohen Besucherzahlen, der meist zentralen Lage und offener Zugangsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung. Das Sicherheitskonzept der Polizei Bremen sehe auch den Schutz vor Ăberfahrtaten und den Einsatz unterschiedlicher Barrieren vor.


