Wuppertal Synagoge: 37-Jähriger soll Feuer an Bergischer Synagoge gelegt haben
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 18:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAn der Bergischen Synagoge im Wuppertaler Stadtteil Barmen ist am frühen Nachmittag ein Feuer gelegt worden, das von Angehörigen der Gemeinde schnell gelöscht werden konnte.
Feuer an Nebeneingang schnell gelöscht
Nach Angaben der Polizei wurde auf einer Treppe an einem Nebeneingang der Synagoge eine brennbare Flüssigkeit ausgebracht und entzündet. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden blieb gering. Die Angehörigen der Synagoge löschten die Flammen eigenständig, bevor sie größeren Schaden anrichten konnten.
Polizei nimmt 37-Jährigen fest
Als tatverdächtig gilt ein 37 Jahre alter Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit. Er ist nach Polizeiangaben polizeibekannt und soll nach ersten Erkenntnissen allein gehandelt haben. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Um welche brennbare Flüssigkeit es sich genau handelte, war zunächst offen.
Zentralrat der Juden spricht von Brandanschlag
Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichnete den Vorgang als Brandanschlag. Präsident Josef Schuster hob hervor, dass der Täter am helllichten Tag gehandelt habe und sprach von einer beunruhigenden Normalisierung von Judenhass. Der Zeitpunkt des Angriffs werde in der Stellungnahme mit früheren Anschlägen auf Synagogen an jüdischen Feiertagen in Verbindung gebracht, darunter der Anschlag in Halle 2019.
Feiertage und Sicherheitslage im Fokus
Schuster betonte, dass in drei Tagen Jom Kippur beginne und alle Synagogen stark besucht sein würden. Die Sicherheitsbehörden seien verpflichtet, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten, zugleich kündigte er an, dass sich die Gemeinden ihre Religionsausübung nicht nehmen lassen wollten. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland unterstrich, Angriffe auf jüdisches Leben seien zugleich Angriffe auf die Demokratie und die Freiheit, den Glauben sichtbar zu leben.
Erinnerung an Brandanschlag von 2014
Die Bergische Synagoge wurde 2002 eröffnet, der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal gehören nach Angaben des Zentralrats der Juden gut 2.000 Menschen an. Bereits 2014 war ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt worden. Drei Palästinenser hatten im Prozess gestanden, Brandsätze auf das Gebäude geworfen zu haben, um Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt zu lenken.
Bewährungsstrafen nach früherem Verfahren
Zwei der Täter erhielten Anfang 2015 wegen versuchter schwerer Brandstiftung Bewährungsstrafen unterschiedlicher Dauer, der dritte wurde nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe ohne konkretes Strafmaß verurteilt. Der aktuelle Vorfall knüpft für die Gemeinde an diese Vorgeschichte an und lenkt den Blick erneut auf den Schutz jüdischer Einrichtungen.
Angriff auf jüdisches Leben in sensibler Zeit
Der mutmaßliche Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal trifft die Gemeinde in einer Phase besonderer religiöser Bedeutung. Kurz vor Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, sind Synagogen traditionell stark besucht, viele Gemeinden bereiten intensive Gottesdienste und gemeinschaftliche Veranstaltungen vor. Ein Angriff in dieser Zeit zielt nicht nur auf ein Gebäude, sondern auch auf das Sicherheitsgefühl der Gläubigen und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens im öffentlichen Raum.
Muster wiederholter Bedrohungen
Der Zentralrat der Juden ordnet die Tat ausdrücklich als Teil eines Musters ein, bei dem Angriffe auf Synagogen gezielt an hohen Feiertagen verübt werden. Die Bezugnahmen auf Anschläge in Halle sowie auf Fälle im Ausland und den Brandanschlag auf dieselbe Synagoge im Jahr 2014 verdeutlichen, dass jüdische Einrichtungen wiederholt im Fokus gewaltbereiter Täter stehen. Dass der Schaden diesmal gering blieb und niemand verletzt wurde, ändert nichts an der symbolischen Dimension: Angriffe auf religiöse Einrichtungen werden von Vertretern jüdischer Organisationen als Angriff auf die demokratische Ordnung insgesamt verstanden.
Herausforderung für Sicherheitsbehörden und Gesellschaft
Mit der Einschaltung des Staatsschutzes wird der Vorfall als politisch bedeutsame Straftat behandelt. Die Forderungen nach engerer Sicherung von Synagogen – insbesondere an Feiertagen – unterstreichen die Verantwortung der Behörden, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Gleichzeitig verweisen jüdische Vertreter darauf, dass sich Gemeinden nicht von der Ausübung ihrer Religion abhalten lassen wollen. Für Leserinnen und Leser macht der Fall deutlich, wie angespannt die Lage für jüdische Einrichtungen bleibt und wie sehr es auf konsequente Strafverfolgung und gesellschaftliche Solidarität ankommt, um antisemitischer Gewalt entgegenzutreten.
