Deutschland, Frankreich

Was Merz und Macron heute gemeinsam vorhaben

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 04:30 Uhr, dpa.de

Zuletzt wirkten die deutsch-französischen Beziehungen holprig. Das Regierungstreffen im Rheinland soll neue Impulse bringen. FĂŒr PrĂ€sident Macron dĂŒrfte es das letzte sein.

Merz und Macron haben am Abend das Regierungstreffen vorbereitet. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Merz und Macron haben am Abend das Regierungstreffen vorbereitet. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Gemeinsame nukleare Abschreckung, engere Kooperation bei KĂŒnstlicher Intelligenz, Satelliten und in der Handelspolitik: Deutschland und Frankreich wollen heute mit ihren RegierungsgesprĂ€chen in der NĂ€he von Köln neuen Schwung in ihre zuletzt schwierigen Beziehungen bringen.

Die Zusammenarbeit beider LĂ€nder mĂŒsse weiter ausgebaut und der strategische Aufbruch Europas beschleunigt werden, sagte der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron am Donnerstagabend nach seiner Ankunft in Deutschland. Auf Schloss Bensberg kam er mit Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen, um das Regierungstreffen vorzubereiten.

Vom MilitÀrflugplatz ins Schloss

Heute Morgen tagt zunĂ€chst der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat unter Leitung von Merz und Macron auf dem Fliegerhorst Nörvenich. Anschließend kommt der sogenannte Ministerrat auf Schloss Augustusburg in BrĂŒhl zusammen. An den Beratungen nehmen auf beiden Seiten Minister und StaatssekretĂ€re aus zehn Ressorts teil. 

Das Rokoko-Schloss aus dem 18. Jahrhundert ist ein historisch bedeutender Ort fĂŒr die deutsch-französischen Beziehungen. Dort schlug 1962 der damalige französische PrĂ€sident Charles de Gaulle dem Kanzler Konrad Adenauer einen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag vor, der 1963 im Pariser ÉlysĂ©e-Palast unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag sei bis heute «die Basis fĂŒr unsere Arbeit», sagte Merz bei der Ankunft Macrons. 

FCAS-Pleite war RĂŒckschlag fĂŒr strategische Zusammenarbeit 

Zuletzt holperte es allerdings in den deutsch-französischen Beziehungen - vor allem wegen des weitgehenden Scheiterns des milliardenschweren Kampfjet-Projekts FCAS. Heute soll geklĂ€rt werden, was davon noch zu retten ist. Die Entwicklung einer sogenannten Combat Cloud, eines System zur Vernetzung von Waffensystemen, soll fortgefĂŒhrt werden. 

Daneben wollen beide LĂ€nder ein weiteres wichtiges Verteidigungsprojekt vorantreiben: Die Partnerschaft bei der nuklearen Abschreckung auf Grundlage des französischen Atomwaffenarsenals, die Merz und Macron im MĂ€rz vereinbart hatten. Eine erste gemeinsame LuftwaffenĂŒbung von französischen Rafale- und deutschen Eurofighter-Kampfjets zur Betankung in der Luft fand bereits am Donnerstag statt. Die Rafale-Jets sind darauf ausgelegt, Atomwaffen einzusetzen. Auf dem Flugplatz Nörvenich werden sich Macron und Merz die Jets gemeinsamen anschauen. 

Was kommt nach Macron?

FĂŒr Macron ist es wohl der letzte deutsch-französische Ministerrat. Im nĂ€chsten FrĂŒhjahr findet in Frankreich die PrĂ€sidentschaftswahl statt, bei der er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antritt. Was danach kommt, ist völlig offen.

Umfragen sehen die Rechtspopulistin Marine Le Pen in der ersten Runde seit langem vorne. Und nach der jĂŒngsten Umfrage des Instituts Ifop, die nach der AnkĂŒndigung von Le Pens Kandidatur trotz einer Verurteilung vor Gericht erhoben wurde, kann Le Pen auch die zweite Runde gewinnen und PrĂ€sidentin werden, ganz egal welche Kandidaten die ĂŒbrigen politischen Lager am Ende ins Rennen schicken.

Sollte das tatsĂ€chlich so kommen, wĂŒrde der innerhalb der EU wichtige deutsch-französische Motor sicher an Fahrt verlieren. Statt auf eine enge Integration in Europa setzt Le Pen auf nationale SouverĂ€nitĂ€t und steht der EU zumindest skeptisch gegenĂŒber. Wichtige deutsch-französische RĂŒstungsvorhaben könnten ausgebremst werden und Meinungsverschiedenheiten zunehmen. 

Macron sieht Festigung der Beziehungen 

Auch deswegen wollen Merz und Macron in den letzten Monaten noch möglichst viel gemeinsam zustande bringen. Er freue sich, mit dem französischen Kabinett in Deutschland zu Gast zu sein, sagte Macron bei seiner Ankunft auf Schloss Bensberg. «In dieser Zeit, die von einem strategischen Aufbruch Europas geprÀgt ist, aber auch die Festigung dieses deutsch-französischen Zusammenwirkens bedeutet.»

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