Neues Bundesinstitut soll Gesundheitsvorbeugung verstÀrken
04.10.2023 - 12:53:44Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will Vorbeugung und Informationen zu Volkskrankheiten wie Krebs und Demenz verstĂ€rken. Bis 2025 soll dazu ein «Bundesinstitut fĂŒr PrĂ€vention und AufklĂ€rung in der Medizin» aufgebaut werden, wie der SPD-Politiker in Berlin ankĂŒndigte. Darin aufgehen soll die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung.
Lauterbach sagte, Deutschland gebe so viel wie kein anderes EU-Land fĂŒr Gesundheit aus, sei aber bei der Lebenserwartung nur Durchschnitt. Zum neuen PrĂ€sidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde der Mediziner Lars Schaade berufen, der es nach dem Ausscheiden von Lothar Wieler bereits kommissarisch leitete.
Lauterbach sagte: «Es fehlt an wirksamer Vorbeugung, unser System ist zu stark auf Behandlung schon bestehender Krankheit ausgerichtet.» Das neue Institut mit der AbkĂŒrzung «Bipam» soll daher die PrĂ€vention mit Blick auf nicht-ĂŒbertragbare Krankheiten ausbauen.
Krebs, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen machten drei Viertel der TodesfĂ€lle in Deutschland aus, erlĂ€uterte Lauterbach. Trotz Gesundheitsausgaben von 5000 Euro pro Einwohner im Jahr liegt die Lebenserwartung laut Ministerium mit 80,8 Jahren nur knapp ĂŒber dem EU-Schnitt von 80,1 Jahren. Als eine Ursache gilt ein Mangel an wirksamer Vorbeugung.
Gesundheitsdaten werden erhoben
Konkret soll das neue Institut Vorbeugestrategien entwickeln und die Umsetzung von AktivitÀten auch mit den GesundheitsÀmtern vor Ort abstimmen. Lauterbach betonte, dies sei wichtig in einer Zeit, in der Gesundheitskommunikation durch «Fake news» und eine Schwemme nicht belastbarer Informationen erschwert werde. Als Grundlage soll das Institut auch Gesundheitsdaten erheben und analysieren.
Dazu soll es Abteilungen des RKI ĂŒbernehmen. Hinzukommen sollen neue AktivitĂ€ten, etwa zur Modellierung von Krankheitsentwicklungen. Das RKI soll sich demnach auf die Abwehr von Infektionskrankheiten konzentrieren und spezialisieren, etwa auch in der Arbeit mit KĂŒnstlicher Intelligenz.
Das neue PrĂ€ventions-Institut soll zum 1. Januar 2025 starten. Der Hauptsitz soll in Berlin sein, vorgesehen ist aber auch ein Sitz in Köln am bisherigen Standort der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung. Deren BeschĂ€ftigten soll die Ăbernahme angeboten werden. Beauftragter fĂŒr die Errichtung des Instituts soll der bisherige Leiter des Kölner Gesundheitsamts, Johannes NieĂen, sein. Er nannte als Themen auch Gesundheitsschutz im Klimawandel und die Gesundheit von Kindern.
Der FDP-Experte Andrew Ullmann meldete KlĂ€rungsbedarf bei der konkreten Ausgestaltung an. Es dĂŒrfe «auf keinen Fall ein Besserwisserinstitut» werden, das an der RealitĂ€t der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger vorbeigehe und Ărztinnen und Ărzte vor Ort nicht einbeziehe.
Lauterbach bezeichnete den neu berufenen RKI-PrĂ€sidenten Schaade als «Idealbesetzung» und hob dessen praktische Expertise, Erfahrung und ManagementfĂ€higkeit hervor. Der 57-JĂ€hrige ist Facharzt fĂŒr Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und leitete das RKI seit April bereits kommissarisch. Als kĂŒnftige Schwerpunkte nannte Schaade unter anderem eine weitere Verbesserung der KrisenreaktionsfĂ€higkeit bei InfektionsausbrĂŒchen und biologischen Gefahren.


