Aiwanger: Entschuldigung in «Stunde der BedrÀngnis»
07.09.2023 - 04:16:47Bayerns Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger (Freie WĂ€hler) sieht seine öffentliche Entschuldigung fĂŒr mögliche Fehler zu Jugendzeiten auch im Nachhinein als richtig und notwendig an. In einer Talk-Sendung mit den Landtags-Spitzenkandidaten im BR Fernsehen ging er gestern Abend aber nicht auf die Frage ein, fĂŒr was genau und fĂŒr welchen «Mist» in der Schulzeit er sich nun genau entschuldigt habe.
«Dass als Jugendliche viele junge Menschen Mist gebaut haben, glaube ich, will niemand abstreiten», sagte er. «Und es waren ja eine Vielzahl an VorwĂŒrfen bis hin zu geschmacklosen Witzen und so weiter, wo ich ehrlicherweise eingestehen muss, dass ich nach knapp 40 Jahren im Detail nicht mehr weiĂ, wer wann welchen Witz erzĂ€hlt hat, ob ich mitgelacht oder selber einen erzĂ€hlt hab.»
«Wie man's macht, ist's falsch»
Aiwanger fĂŒgte hinzu: «Und ich glaube, dass man hier dann auch in dieser Stunde der BedrĂ€ngnis auch gut tut zu sagen: Sollte ich irgendwo Fehler gemacht haben, entschuldige ich mich in jeder Form dazu und dafĂŒr. Da bin ich offen genug und Manns genug.»
«Einige haben gesagt: WofĂŒr entschuldigst du dich ĂŒberhaupt», sagte der Freie-WĂ€hler-Chef. Ansonsten hĂ€tte es aber dann geheiĂen: «Warum entschuldigt er sich nicht. Wenn er sich zu wenig entschuldigt, ist's schlecht, wenn er sich zu viel entschuldigt... â also ok, wie man's macht, ist's falsch.» Es sei jetzt aber auch «ausreichend viel dazu gesagt». Auf die Frage, was das Schlimmste gewesen sei, das er sich geleistet habe, sagte er unter anderem: «Ich werde jetzt nicht nochmal Kinder- und Jugendgeschichten hier auspacken.»
Aiwanger zeigte zudem VerstĂ€ndnis, dass die PrĂ€sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde MĂŒnchen und Oberbayern, Charlotte Knobloch, seine Entschuldigung nach eigenen Angaben nicht angenommen hat.
«NatĂŒrlich waren das jetzt turbulente Zeiten», sagte Aiwanger. «Dass Frau Knobloch hier nicht am Telefon hopplahopp eine Entschuldigung annimmt, das kann man ĂŒberhaupt ja nicht erwarten. Ich hab' mich entschuldigt, und sie hat das weder aktiv zurĂŒckgewiesen noch angenommen, sondern einfach so im Raum stehen gelassen.» Es sei «logisch», wenn Knobloch sage, dass man bei passender Gelegenheit nochmal vertieft darĂŒber rede.
«Ein oder wenige Exemplare» in seiner Schultasche
Aiwanger hatte vor zwei Wochen zunĂ€chst schriftlich zurĂŒckgewiesen, zu Schulzeiten ein antisemitisches Flugblatt geschrieben zu haben, ĂŒber das die «SĂŒddeutsche Zeitung» berichtet hatte. Gleichzeitig rĂ€umte er ein, es seien «ein oder wenige Exemplare» in seiner Schultasche gefunden worden. Kurz darauf erklĂ€rte sich sein Bruder zum Verfasser des Pamphlets.
In der Folge wurden immer mehr VorwĂŒrfe zu Aiwangers damaligem Verhalten erhoben. Nach mehreren Tagen entschuldigte er sich öffentlich - ging aber zugleich zum Gegenangriff ĂŒber und beklagte eine politische Kampagne gegen sich. MinisterprĂ€sident Markus Söder hĂ€lt aber an ihm fest: Eine Entlassung wĂ€re nicht verhĂ€ltnismĂ€Ăig, erklĂ€rte der Regierungschef am Sonntag. Heute gibt es zu der AffĂ€re eine Sondersitzung im Landtag.


