Richterbund, Anforderungen

Richterbund: Neue Anforderungen an V-Leute realitÀtsfern

04.02.2024 - 05:00:40

Zur AufklĂ€rung schwerer Straftaten kommen sie zum Einsatz: V-Leute und verdeckte Ermittler. Das Bundesjustizministerium möchte dafĂŒr strengere Regeln festlegen, doch vom Richterbund gibt es Kritik.

Das Bundesjustizministerium will seine im Dezember vorgestellten PlĂ€ne zum Einsatz von Polizei-Informanten und verdeckt operierenden Ermittlern bald ins Kabinett bringen, doch vom Deutschen Richterbund (DRB) gibt es Gegenwind. «Die GesetzesplĂ€ne der Bundesregierung zum Einsatz von verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen schießen ĂŒber das Ziel hinaus, die bewĂ€hrten und von der Rechtsprechung anerkannten Regeln fĂŒr EinsĂ€tze gesetzlich zu verankern», sagte der DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer, Sven Rebehn, der Deutschen Presse-Agentur. Das Vorhaben der Ampel sehe «realitĂ€tsferne Anforderungen an die sogenannten V-Leute sowie Â«ĂŒberbordende Dokumentationspflichten» vor. Beides erschwere einen Einsatz solcher Informanten deutlich. 

Sogenannte Vertrauenspersonen (V-Personen) bewegen sich, wenn sie sich der Polizei als Informanten anbieten, bereits in einer kriminellen oder extremistischen Szene. Verdeckte Ermittler sind Polizeibeamte, die mit einer Legende ausgestattet in einem bestimmten Milieu ermitteln. 

Der an der Erarbeitung eines Entwurfs fĂŒr ein Gesetz, das hierzu Vorgaben machen soll, maßgeblich beteiligte Parlamentarische StaatssekretĂ€r im Bundesjustizministerium, Benjamin Strasser (FDP), sagte auf Anfrage, er sei zuversichtlich, dass die Bundesregierung dem Bundestag zeitnah den Gesetzentwurf zur Beratung vorlegen könne. Unter anderem die UntersuchungsausschĂŒsse zu den Morden des rechtsterroristischen NSU und die Erkenntnisse nach dem islamistischen Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt 2016 hĂ€tten gezeigt, wie notwendig eine gesetzliche Regelung zu Vertrauenspersonen sei. 

Ein Mann mit dem Decknamen «Murat Cem» - in den Akten wird er als Vertrauensperson «VP-01» gefĂŒhrt - war jahrelang ein Top-Informant der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Nachdem er gegen Geld wertvolle Informationen aus anderen KriminalitĂ€tsbereichen geliefert hatte, wechselte er in die Islamistenszene. Dort lernte er auch den spĂ€teren Weihnachtsmarkt-AttentĂ€ter Anis Amri kennen, vor dessen Gewaltbereitschaft er die Polizei dringend warnte.

«Im BemĂŒhen um eine möglichst umfassende Transparenz gerĂ€t der Gesetzentwurf aus der Balance und verliert die staatliche Aufgabe einer effektiven Strafverfolgung teilweise aus dem Blick», kritisierte Rebehn. Vertrauenspersonen der Polizei seien aber unverzichtbar, um in abgeschotteten Milieus der Organisierten KriminalitĂ€t oder des Extremismus schwerwiegende Straftaten aufklĂ€ren zu können. Der Bundestag sollte die breite Kritik an den PlĂ€nen aus der Praxis aufnehmen und den Entwurf nachbessern.

@ dpa.de