IEA: Klimawandel und Krisen gefÀhrden Energiesicherheit
16.10.2024 - 06:00:39Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht trotz enormer Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien enormen Handlungsbedarf, um Klimaziele zu erreichen und einen gerechten Zugang zu sauberer Energie auch in EntwicklungslĂ€ndern zu gewĂ€hrleisten. In ihrem in Paris vorgelegten Weltenergieausblick warnt die IEA auch vor den immer gravierenderen Auswirkungen, die der Klimawandel mit Hitzewellen, StĂŒrmen und Ăberflutungen auf die Energiesicherheit hat. GefĂ€hrdet ist diese zusĂ€tzlich durch Krisen.Â
Globale Spannungen
Der sich zuspitzende Konflikt im Nahen Osten und Russlands anhaltender Krieg in der Ukraine unterstreichen die Risiken fĂŒr die Energiesicherheit, mit denen die Welt konfrontiert ist. Zwar seien einige der unmittelbaren Auswirkungen der globalen Energiekrise bereits abgeklungen, aber das Risiko weiterer ErschĂŒtterungen ist aus IEA-Sicht hoch. Die Erfahrung der letzten Jahre zeige, wie schnell sich AbhĂ€ngigkeiten in Schwachstellen verwandeln könnten. Das gelte auch fĂŒr saubere Energieversorgungsketten, bei denen es hinsichtlich Rohstoffen und Technik eine hohe AbhĂ€ngigkeit von einzelnen LĂ€ndern gebe.
Ausbau erneuerbarer Energien
Die Energieagentur erwartet, dass bis 2030 mehr als die HĂ€lfte des weltweiten Stroms aus emissionsarmen Quellen erzeugt wird - und dass die Nachfrage nach allen drei fossilen Brennstoffen - Kohle, Ăl und Gas - bis zum Ende des Jahrzehnts ihren Höhepunkt erreichen wird. Saubere Energien wachsen demnach in einem nie dagewesenen Tempo, aber der Einsatz sei bei weitem nicht gleichmĂ€Ăig ĂŒber alle Technologien und MĂ€rkte verteilt.
Die weltweite Stromnachfrage steige stark. Der Stromverbrauch sei in den vergangenen zehn Jahren doppelt so schnell gewachsen wie die Gesamtenergienachfrage. Zwei Drittel des weltweiten Anstiegs der Stromnachfrage seien dabei auf China entfallen.
Mehr Einsatz fĂŒr Energiewende nötig
FĂŒr einen anhaltend schnellen Ausbau sauberer Energie sind aus Sicht der IEA wesentlich höhere Investitionen insbesondere in Stromnetze und Energiespeicher erforderlich. Eine sichere Dekarbonisierung des Stromsektors erfordere, dass Investitionen in Netze und Speicher schneller steigen als die saubere Stromerzeugung selbst. Viele Versorgungssysteme seien derzeit anfĂ€llig fĂŒr die Zunahme extremer Wetterereignisse, was die BemĂŒhungen um mehr WiderstandsfĂ€higkeit und digitale Sicherheit wichtiger mache.
Hilfe fĂŒr EntwicklungslĂ€nder nötig
In einigen Regionen der Welt behindern laut der IEA auĂerdem hohe Finanzierungskosten und Projektrisiken die Verbreitung kostengĂŒnstiger sauberer Energietechnologien - also dort, wo sie am dringendsten benötigt wĂŒrden. Dies sei vor allem in EntwicklungslĂ€ndern der Fall, wo diese Technologien den gröĂten Nutzen fĂŒr die nachhaltige Entwicklung und die Verringerung der Emissionen bringen könnten.
Der fehlende Zugang zu Energie ist nach dem IEA-Bericht weiterhin die gröĂte Ungerechtigkeit im heutigen Energiesystem: 750 Millionen Menschen - vor allem in Afrika sĂŒdlich der Sahara - haben keinen Zugang zu ElektrizitĂ€t und ĂŒber zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Brennstoffen zum Kochen.
Klimaziele noch nicht erreicht
Trotz der zunehmenden Dynamik bei der Umstellung auf saubere Energien sei die Welt vom Erreichen der KlimaneutralitĂ€t noch weit entfernt. Entscheidungen von Regierungen, Investoren und Verbrauchern verfestigten allzu oft die MĂ€ngel des heutigen Energiesystems, anstatt es auf einen saubereren und sichereren Weg zu bringen, so der IEA-Bericht. Dazu kĂ€men zunehmende Hitzewellen mit einer verstĂ€rkten Nutzung von Klimaanlagen, der Vormarsch der auf Rechenzentren angewiesenen KĂŒnstlichen Intelligenz, aber auch EffizienzmaĂnahmen, die sich auf die kĂŒnftige Stromnachfrage auswirken könnten.Â
 ErderwÀrmung um 2,4 Grad mit gravierenden Folgen
Ausgehend von den heutigen politischen Rahmenbedingungen werden die weltweiten Kohlendioxidemissionen nach der IEA-Prognose ihren Höhepunkt bald erreichen. Da danach kein starker RĂŒckgang erwartet werde, sei mit einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,4 Grad zu rechnen und damit um deutlich mehr als das angestrebte 1,5-Grad-Ziel.
Dieser Klimawandel bringt die Energiesicherheit laut IEA in Gefahr. In vielen Regionen der Welt stellten extreme Wetterereignisse, die durch jahrzehntelange hohe Emissionen verschĂ€rft worden seien, bereits jetzt eine groĂe Herausforderung fĂŒr den sicheren und zuverlĂ€ssigen Betrieb der Energiesysteme dar. Das betreffe immer heftigere Hitzewellen, DĂŒrreperioden, Ăberschwemmungen und StĂŒrme.
Sinkende Energiepreise?
In der zweiten HĂ€lfte dieses Jahrzehnt sind laut der IEA-Analyse eine stĂ€rkere Versorgung mit Erdöl und Erdgas und damit sinkende Preise fĂŒr Verbraucher möglich. Der Politik verschaffe dies Spielraum, sich auf mehr Investitionen in saubere Energien und auf die Abschaffung ineffizienter Subventionen fĂŒr fossile Brennstoffe zu konzentrieren.











